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Gender / Kinder- und Jugendarbeit

Pilotprojekt „Mein Papa liest vor!“

(Mainz, Wiesbaden, Bensheim 03. Februar 2010) Mit einem ungewöhnlichen Service-Angebot unter der Überschrift „Mein Papa liest vor!“ will die „hessenstiftung - familie hat zukunft“ gemeinsam mit der Stiftung Lesen die berufstätigen Väter in Hessen zum Vorlesen motivieren.

„Die jüngsten Studien belegen, was Experten der Leseförderung schon lange postulieren: Väter sind ausgewiesene „Vorlesemuffel“. Damit sich dies ändert und mehr Väter als lesende Vorbilder für ihre Kinder in Erscheinung treten, geben wir Hilfestellung und eröffnen über das Intranet des Arbeitgebers Zugang zu geeignetem, aktuellen Vorlesestoff“, erklärte die Vorstandsvorsitzende der „hessenstiftung - familie hat zukunft“ und Staatssekretärin im Familienministerium, Petra Müller-Klepper.

Die Pilotinitiative, bei der Geschichten und ein Dossier mit Tipps und Hintergründen zum Vorlesen aus dem Firmenintranet am Arbeitsplatz herunter geladen werden können, wird im Mai 2010 starten. Die Staatssekretärin hofft, dass möglichst viele Unternehmen in Hessen mit von der Partie sind und das Angebot nutzen, das sich an Väter mit Kindern im Alter von null bis zwölf Jahren richtet. Für die Betriebe sei dies eine einzigartige Möglichkeit, ihren männlichen Mitarbeitern ein gesellschaftlich relevantes und nachhaltiges Thema nahe zu bringen und positiven Einfluss auf die Familienkultur zu nehmen.

Die Idee: Über das schnell zugängliche Firmenintranet können Unternehmen ihren beschäftigten Familienvätern regelmäßig neuen Vorlesestoff als Download und zur Mitnahme nach Hause bereit stellen. Dieser für die Unternehmen und Mitarbeiter kostenlose Vorleseservice spart den Vätern Zeit und Aufwand bei der Auswahl und Beschaffung der geeigneten Geschichten, stärkt ihr Vorleseengagement in der Familie und eröffnet ihnen die Chance, für ihre Kinder - und insbesondere ihre Söhne - als positives lesendes Vorbild aktiv zu werden. Zum Intranet-Angebot werden wechselnde Geschichten für unterschiedliche Altersgruppen gehören. Bei der thematischen Auswahl durch Vorlese-Experten der Stiftung Lesen werden die Interessen von Jungen und Mädchen gleichermaßen berücksichtigt und auf kulturelle Vielfalt Wert gelegt.

Laut einer Studie vom Winter 2008, die die Stiftung Lesen gemeinsam mit der Deutschen Bahn AG und der Wochenzeitschrift Die Zeit veröffentlichte, lesen nur 8 % der Väter ihren Kindern regelmäßig vor. Als Hauptgründe nennen Väter in der Studie von 2009, dass ihnen die Zeit dazu fehle (55%), dass es ausreichend sei, wenn ein Elternteil vorlese und das ist häufig die Mutter (ebenfalls 55%) und 38% der Väter sind überzeugt, dass ihre Ehefrauen besser vorlesen. Als Fazit kann gezogen werden, dass Männer im Allgemeinen und Väter im Besonderen die Rolle als Lese-Förderer von Kindern nicht ausreichend wahrnehmen.

„Wir freuen uns sehr, dass wir in Zusammenarbeit mit der Hessenstiftung nun eine praktische Leseförderungs-Maßnahme anbieten können, die auf die Ergebnisse der Vorlesestudien reagiert. Erst dann macht eine Evaluation wirklich Sinn, wenn Angebote folgen, um erkannte Defizite zu beheben“, erklärte Heinrich Kreibich, Geschäftsführer der Stiftung Lesen.

Staatssekretärin Petra Müller-Klepper, bezeichnete das Projekt als einen weiteren innovativen Baustein im Programm der Hessenstiftung, die einen Schwerpunkt ihrer Fördermaßnahmen auf den Bereich „Väter in Familie und Beruf“ gelegt hat. Ziel sei es, einen Mentalitätswandel im männlichen Rollenverständnis zu unterstützen und Unternehmen für die Belange der Väter zu sensibilisieren sowie für den Aufbau familien- und väterfreundlicher Angebote zu gewinnen. “Natürlich sind aber auch Mütter, die gerne vorlesen, herzlich eingeladen, den kostenlosen Service zu nutzen.“ 

Quelle: Ehemals: Hessisches Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit