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Gender / Bildungsforschung

MINT-Studiengänge: Zahl der Erstsemester und Absolventen zeigt positive Entwicklung

Frau schreibt an Tafel
Bild: © lightpoet - Fotolia.com

In den MINT-Studiengängen hat sich seit 2008 die Zahl der weiblichen Studienanfängerinnen fast verdoppelt – insbesondere in den Studiengängen Informatik und Elektro-/Informationstechnik. Dennoch hat sich der positive Trend teilweise etwas abgeschwächt. Deshalb fordert der Nationale Pakt für Frauen in MINT-Berufen „Komm, mach MINT.“ eine stärkere MINT-Orientierung entlang der Bildungskette.

Der Nationale Pakt für Frauen in MINT-Berufen „Komm, mach MINT.“ hat es sich zum Ziel gesetzt, die Attraktivität der MINT-Studiengänge zu steigern und insbesondere die  Zahl der MINT-Studentinnen und -Absolventinnen zu erhöhen. Ein Blick auf die Zahlen seit dem Gründungsjahr des Pakts in 2008 zeigt die positive Entwicklung, die bislang erzielt wurde, macht aber auch deutlich, dass weiterhin Handlungsbedarf besteht.

Frauenanteil bei Erstsemestern aller Fächer annähernd paritätisch

Im Studienjahr 2017 haben sich insgesamt 878.163 Studienanfängerinnen und Studienanfänger für ein Studium im 1. Fachsemester in Deutschland eingeschrieben – 10.691 mehr als 2016 und 335.927 mehr als noch 2008. Damit setzt sich der Trend der hohen Studierneigung weiter fort. Der Frauenanteil an den Erstsemestern über alle Fächergruppen hinweg ist mit mittlerweile 49,5 % annähernd paritätisch zu dem der Männer. Auch in den MINT-Studiengängen – das sind die Studiengänge, die in den zwei großen Fächergruppen Ingenieurwissenschaften und Mathematik/Naturwissenschaften angesiedelt sind – hat sich die Zahl der Studierenden im 1. Fachsemester seit dem Studienjahr 2008 deutlich erhöht: Von 195.278 in 2008 auf 351.367 in 2017. Damit starten im Studienjahr 2017 40% aller Studienanfängerinnen und -anfänger ihr Studium in einem MINT-Fach. Im Studienjahr 2008 waren es noch 36%.

Zahl der MINT-Studentinnen fast verdoppelt

Werden die Zahlen von Frauen und Männern getrennt betrachtet, so fällt auf, dass sich die Zahl der weiblichen Studienanfängerinnen über alle MINT-Fächer hinweg fast verdoppelt hat (+93 %): Von 59.599 (2008) auf 115.134 (2017). Die Zahl der männlichen Studienanfänger stieg im gleichen Zeitraum um 74%. Auch in den Studiengängen der Fächergruppe Ingenieurwissenschaften zeigt sich ein positiver Trend: Der prozentuale Anteil der Studienanfängerinnen an der Gesamtzahl der Studierenden im 1. Fachsemester liegt 2017 erstmalig über 25%*. Im Studienjahr 2008 waren es noch 22%.

MINT-Studiengänge mit dem größten Zuwachs an Studentinnen

Besonders die Studiengänge Informatik und Elektrotechnik/Informationstechnik können zwischen 2008 und 2017 eine beachtliche Steigerung aufweisen, was die Anzahl und den Anteil der Studienanfängerinnen im 1. Fachsemester betrifft: Die Zahl der weiblichen Erstsemester stieg in diesem Zeitraum um +155% in Elektrotechnik/Informationstechnik (2008: 1.787; 2017:4.560) auf über 16% und in der Informatik um +183% (2008: 6.432; 2017:18.182) auf fast 25 %. Auch im Bauingenieurwesen und im Studiengang Maschinenbau/Verfahrenstechnik hat sich der Anteil und die Anzahl von Frauen im 1. Fachsemester deutlich erhöht und liegt bei knapp unter 30 %  (5.626) im Bauingenieurwesen. In Maschinenbau/Verfahrenstechnik liegt er mit über 22% (12.406) so hoch wie nie zuvor.

Stärkere MINT-Orientierung entlang der Bildungskette

Trotz der insgesamt positiven Entwicklung seit 2008 fällt beim Vergleich der Zahlen aus den Studienjahren 2016 und 2017 auf, dass sich der über die Jahre zu verzeichnende positive Trend in dieser Periode teilweise etwas abgeschwächt hat. Im Bauingenieurwesen beispielsweise beginnen -0,1% (-8) weniger Frauen ein Studium. In der Informatik steigt zwar die Zahl der weiblichen Studienanfängerinnen 2017 im Vergleich zu 2016 mit +0,3% leicht an, durch den höheren Zuwachs bei den Männern sinkt ihr prozentualer Anteil aber von 25,1% auf 24,8%. Dies macht deutlich, wie wichtig es ist, eine stärkere MINT-Orientierung entlang der gesamten Bildungskette durch Projekte und Maßnahmen gezielt weiter zu verfolgen und dadurch mehr Schulabgängerinnen und -abgänger für ein MINT-Studium zu gewinnen. Die Vernetzung der Akteurinnen und Akteure aus Schule, Hochschule, Politik, Medien, Verbänden und Unternehmen unter dem Dach von „Komm, mach MINT.“ ist dafür eine wichtige Voraussetzung.

Anstieg der Absolventinnenzahlen führt zu mehr weiblichen MINT-Fachkräften

Aufgrund der insgesamt positiven Entwicklung der MINT-Erstsemesterzahlen in den letzten Jahren ist auch die Zahl der Absolventinnen und Absolventen im MINT-Bereich deutlich gestiegen, und zwar von 102.373 (Prüfungsjahr 2008) auf 184.779 (Prüfungsjahr 2017). In der Fächergruppe Ingenieurwissenschaften hat sich die Zahl der Absolventinnen von 11.004 in 2008 auf 29.964 in 2017 erhöht und liegt damit bei 23,1%**. Den höchsten Anstieg (+8,4 Prozentpunkte seit 2008) kann der Anteil an Absolventinnen im Bauingenieurwesen verzeichnen: Er beträgt im Prüfungsjahr 2017 31%. Auch die Studiengänge Elektrotechnik/Informationstechnik und Informatik haben diesbezüglich deutlich aufgeholt. In beiden Bereichen zeigt sich seit 2008 ein deutlicher Anstieg: In Elektrotechnik/Informationstechnik von 889 in 2008 auf 1.711 im Prüfungsjahr 2017 und in der Informatik von 3.799 in 2008 auf 5.141 in 2017. Der Anteil der Absolventinnen, die ein Studium der Elektrotechnik/Informationstechnik absolviert haben stieg damit von 8,9% in 2008 auf 11,4% in 2017. In der Informatik stieg er von 15,1% auf 19,5%.

Durch die positive Entwicklung der MINT-Absolventinnenzahlen stehen dem Arbeitsmarkt zunehmend gut ausgebildete weibliche Fachkräfte zur Verfügung. „Komm, mach MINT.“ arbeitet mit seinen Partnerinnen und Partnern daran, den Weg vom Studium in den Beruf weiterhin zu verbessern.

Weitere Informationen zu den Frauenanteilen in MINT-Studiengängen finden sich auf der Webseite von „Komm, mach MINT.“

Quelle: Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V. vom 17.10.2018