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Feldstudie

Junge Männer bei Frauenberufen im Nachteil

Zwei junge Männer sitzen nebeneinander vor einem Gebäude und lächeln.
Bild: © Sergey Nivens - fotolia.com

In Deutschland, den Niederlanden, Spanien und dem Vereinigten Königreich führen Bewerbungen von Männern auf typische Frauenberufe seltener zum Vorstellungsgespräch. Umgekehrt gilt das nicht für Frauen, die sich auf typische Männerjobs bewerben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Forscher/-innen des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) gemeinsam mit der Universität Oslo, der Universität Carlos III in Madrid und der Universität Amsterdam.

Frauen verdienen im Schnitt noch immer weniger als Männer und besetzen seltener Führungspositionen. Als ein wichtiger Grund für die Benachteiligung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt wird ihre Diskriminierung bei Einstellungsverfahren genannt. Diskriminierung ist jedoch schwer zu messen, und frühere Studien haben für verschiedene Länder unterschiedliche Ergebnisse gezeigt.

Erste länderübergreifende Feldstudie zur geschlechterspezifischen Differenzierung

Die Studie, die in der Zeitschrift European Sociological Review erschienen ist, füllt diese Lücke. Sie ist die erste länderübergreifende Feldstudie zur geschlechtsspezifischen Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt. Analysiert wurden die Antworten von Arbeitgebern auf rund 4.300 Schreiben fiktiver Bewerber/-innen in sechs Ländern (Deutschland, den Niederlanden, Norwegen, Spanien, dem Vereinigten Königreich und USA). Hier hatten sich junge Frauen und Männer (22 bis 26 Jahre) auf offene Stellen für sechs Berufe beworben: Lohnbuchhalter/-in, Empfangsmitarbeiter/-in, Vertriebsmitarbeiter/-in, Koch/Köchin, Verkäufer/-in, Softwareentwickler/-in.

Die Forschenden fanden in keinem Land und für keinen der untersuchten Berufe Hinweise auf eine systematische Benachteiligung von jungen Frauen – auch nicht in einem männerdominierten Beruf wie der Softwareentwicklung. Für weiblich dominierte Berufe werden Frauen als geeigneter angesehen. Diskriminiert wurden dagegen männliche Bewerber in Deutschland, den Niederlanden, Spanien und dem Vereinigten Königreich. Wenn sich Männer hier auf typische Frauenberufe bewarben, war die Wahrscheinlichkeit, dass sie Rückmeldung erhielten, zwischen fünf und neun Prozent geringer als bei Frauen. „In Deutschland mussten bei Stellenangeboten als Verkäufer männliche Bewerber zum Beispiel fast doppelt so viele Bewerbungen schreiben, um zum Vorstellungsgespräch eingeladen oder um weitere Informationen gebeten zu werden“ erklärte WZB-Forscher Jonas Radl. In Norwegen und den USA hingegen stellten die Forscher/-innen im Durchschnitt keine Diskriminierung männlicher Bewerber fest.

„Wir müssen unsere Annahmen überprüfen, dass Frauen immer die benachteiligte Gruppe sind. Geschlechtsspezifische Diskriminierung ist offensichtlich komplexer“, sagte Studienautorin Gunn Elisabeth Birkelund von der Universität Oslo.

Einschränkend muss gesagt werden, dass die Studie nur die frühe Phase bei Einstellungsverfahren untersucht. Zudem handelt es sich um junge Bewerbende mit vier Jahren Berufserfahrung. Die vorgelegten Befunde widersprechen darum nicht der Tatsache, dass Frauen im späteren Verlauf ihrer Karriere beim Verdienst oder der Beförderung diskriminiert werden.

Quelle: Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung vom 04.11.2021

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