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Gender / Jugendforschung

„Coming-out – und dann...?!“ – Acht von zehn queeren Jugendlichen erleben Diskriminierung

Bild: © Olesia Bilkei - Fotolia.com

Obwohl die Akzeptanz in Deutschland gegenüber sexueller und geschlechtlicher Vielfalt zugenommen hat, werden noch immer mehr als 80 Prozent der LSBT*Q Jugendlichen diskriminiert. Dies hat eine bundesweite Befragung von jungen Menschen zwischen 14 und 27 Jahren des Deutschen Jugendinstituts ergeben. Die Ergebnisse wurden im Buch „Coming-out – und dann...?!“ veröffentlicht.

Mehr als 80 Prozent der Jugendlichen, die lesbisch, schwul, bisexuell, trans* oder queer (LSBT*Q) sind, werden diskriminiert – obwohl in den vergangenen Jahren die Akzeptanz in Deutschland gegenüber sexueller und geschlechtlicher Vielfalt zugenommen hat. Am häufigsten erleben Jugendliche Diskriminierungen in der Öffentlichkeit, in Schule, Ausbildung und Beruf, aber auch in der Familie und im Freundeskreis. Diese Erfahrungen beschreiben die DJI -Wissenschaftlerinnen Claudia Krell und Kerstin Oldemeier in ihrem neuen Buch „Coming-out – und dann...?!“ Es basiert auf einer bundesweiten Online-Befragung von 5.000 Jugendlichen und jungen Menschen im Alter von 14 bis 27 Jahren und 40 persönlichen Interviews.

Diskriminierung in der Schule oder am Arbeitsplatz

Fast die Hälfte der Jugendlichen wird in der Schule oder am Arbeitsplatz diskriminiert. Dort sind sie teils Spott, Beleidigungen und Beschimpfungen ausgesetzt, teils werden sie sozial ausgegrenzt oder sogar körperlich attackiert. Häufig empfinden LSBT*Q Jugendliche den Umgang anderer mit ihrer geschlechtlichen Zugehörigkeit oder sexuellen Orientierung nicht als angemessen (siehe Abbildung).

Rückhalt durch Freund/-innen wichtig

In der Familie sind die Jugendlichen vor allem damit konfrontiert, dass ihre sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Zugehörigkeit nicht ernst genommen, ignoriert oder nicht mitgedacht wird. Auch im Freundeskreis kommt es neben vielen positiven Erfahrungen auch zu Diskriminierungen.

 

Einem Teil der Jugendlichen gelingt es, solche Erfahrungen konstruktiv zu verarbeiten. Dabei ist der Rückhalt durch Freund_innen wichtig. Auch das Internet spielt eine große Rolle, um sich aus zu tauschen, zu vernetzen und zu informieren – zum Beispiel über spezifische Beratungs- und Freizeitangebote. Eine zentrale Strategie im Umgang mit befürchteter Diskriminierung ist jedoch Vermeidung und Verzicht: So nehmen beispielsweise überdurchschnittlich viele der LSBT*Q Jugendlichen nicht am Vereinssport teil.

Reaktion auf das erste Coming-out fast durchgehend als sehr gut oder gut bewertet

Bis zum Coming-out vergehen meist mehrere Jahre. Aus Angst vor möglicher Ablehnung versuchen Jugendliche längere Zeit, ihr Empfinden zu unterdrücken, und ziehen sich sozial zurück. Dies kann mitunter zu psychischen Erkrankungen wie etwa Depressionen führen. Obwohl es insgesamt häufig zu Diskriminierungen kommt, wird die Reaktion auf das erste Coming-out fast durchgehend als sehr gut oder eher gut bewertet. Zwei Drittel der Jugendlichen vertrauen sich zuerst einer Person aus dem Freundeskreis an. Innerhalb der Familie spielen Mütter die wichtigste Rolle; an sie wenden sich 12 Prozent der Jugendlichen beim ersten Coming-out.

Vermeidung und Verzicht bei befürchteter Diskriminierung

Orte, an denen viele Jugendliche ein Coming-out vermeiden möchten, sind religiöse Gruppen/Gemeinden, soziale Netzwerke und Sportvereine. Es kann davon ausgegangen werden, dass sie dort aufgrund der heterosexuellen und binären Geschlechterordnung besonders negative Situationen befürchten. Welche Erfahrungen LSBT*Q Jugendliche in Freizeit und Sport konkret machen, erhebt aktuell eine weitere DJI-Studie.

Über das Buch

Das Buch „Coming-out –und dann...?!“ stellt die Diskriminierungserfahrungen und Coming-out-Verläufe LSBT*Q Jugendlicher dar und beschreibt, welche Relevanz die Ergebnisse für Jugendpolitik, pädagogische Praxis und Gesellschaft haben. Die dem Buch zugrunde liegende Studie wurde vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert.

Quelle: Deutsches Jugendinstitut vom 11.09.2017

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