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Bremen

Berufsorientierung ohne Klischees

Zwei Schülerinnen sitzen vor einem Laptop und lächeln
Bild: © auremar - fotolia.com

Unvoreingenommen Stärken erkunden, eigene Interessen ausloten und Klischees kritisch hinterfragen – darum geht es in dem Projekt „Be oK – Berufsorientierung und Lebensplanung ohne Klischees“ der Bremischen Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau (ZGF). Das Projekt ist jetzt, zunächst an der IGS Lilienthal, in die Praxisphase gestartet.

Entwickelt und organisiert wird „Be oK“ von der Bremischen Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau. Das Projekt wurde im Jahr 2018 im Rahmen des Ideenwettbewerbs „Bildung & Fachkräfte“ der Metropolregion Nordwest ausgewählt, anschließend eine erfolgreiche Förderung beantragt. Neben der Metropolregion Nordwest wird das Projekt durch die Arbeitsagentur Bremen-Bremerhaven, die Handelskrankenkasse Bremen, die Arbeitnehmerkammer Bremen sowie den Landkreis Osterholz finanziert. Über 50 regionale Netzwerkpartnerinnen und -partner aus den Bereichen Wirtschaft, Bildung, Soziales und Wissenschaft unterstützen das Projekt.

Be oK – Berufsorientierung und Lebensplanung ohne Klischees setzt am Beginn des Berufsfindungsprozesses Jugendlicher an und soll langfristig dazu beitragen, dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken. Neben der Sensibilisierung für Berufsorientierung und Lebensplanung findet innerhalb der Projektwoche auch eine Auseinandersetzung mit der eigenen Gesundheit statt – denn eine sinnvoll wahrgenommene Tätigkeit bildet die Grundlage für den Erhalt der Gesundheit und damit der Arbeitsfähigkeit.

Während der Laufzeit des Projekts bis Ende November 2022 wird innerhalb eines Netzwerks aus verschiedenen regionalen Partner(inne)n speziell für die Metropolregion Nordwest das Format „Erlebnis-Projekttage“ sowie ein neuer pädagogischer Ansatz entwickelt. Geplant sind rund 20 Durchgänge an Schulen des Landkreises Osterholz, der Seestadt Bremerhaven und der Freien Hansestadt Bremen – erreicht werden sollen etwa 2.100 Jugendliche sowie deren Eltern und Lehrkräfte.

„Jungs machen später irgendwas mit Technik“ – „Soziale Berufe sind Frauensache!"

„Grundlage für die Berufswahl sollten die Begabungen und Interessen der Kinder und Jugendliche sein und nicht Rollenklischees, die Berufsbilder Männern oder Frauen zuschreiben,“ sagte Landesfrauenbeauftragte Bettina Wilhelm, die „Be oK“ zusammen mit Projektleiterin Cordula Keim entwickelt hat. Kinder und Jugendliche dabei zu unterstützen, ihre Talente zu entdecken und ihnen zu verdeutlichen, wie wichtig es ist, den eigenen Interessen zu folgen, bilde das Fundament auch für spätere Lebensentscheidungen, so Wilhelm. Das Projekt startete mit vier Projekttagen, an welchen Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 6 in verschiedenen Modulen spielerisch ihre Neigungen und Fähigkeiten in Bezug auf Berufsfelder und die eigene Lebensgestaltung erkundeten. Neben Stationen zum Entdecken der eigenen Stärken und Zukunftswünsche und deren Verbindung mit Berufsfeldern umfasste die Projektwoche auch Module zur Auseinandersetzung mit konkreten beruflichen Möglichkeiten und daraus resultierenden Chancen für den Lebensweg. Input unmittelbar aus der Praxis erhielten die Jugendlichen von jungen Fachkräften und Auszubildenden aus jeweils männer- bzw. frauenuntypischen Berufen: so genannte Role Models aus der Wirtschaft und sozialen Einrichtungen berichteten von ihrem beruflichen Werdegang und wie sie Hürden und Klischees überwunden haben. In einem weiteren Modul stand das Thema Gesundheit im Fokus. Die Schülerinnen und Schüler gingen spielerisch der Frage nach, wie Berufswahl so gelingen kann, dass Menschen in ihrem Beruf zufrieden und gesund bleiben.

Klischees früh aufbrechen

„Geschlechterbezogene Klischees haben schon sehr früh prägenden Einfluss, deswegen setzen wir mit ‚Be oK‘ bereits in der Jahrgangsstufe 6, also deutlich früher als die klassische Berufsorientierung an. Schülerinnen und Schüler bringen in diesem Alter noch eine große Offenheit mit. Es geht uns darum, einen unvoreingenommen Blick auf die eigenen Stärken zu ermöglichen: Was kann ich gut? Und nicht: Was passt zu mir, weil ich ein Mädchen bin?,“ erklärte Bettina Wilhelm. Neben den Jugendlichen bezieht das Projekt auch deren Erziehungsberechtige und Lehrkräfte mit ein. In begleitenden Elternabenden, Workshops und Fortbildungen werden sie für ihre Vorbildfunktion sensibilisiert und dazu bewegt, eigene Klischees zu hinterfragen. Bettina Wilhelm: „Es ist uns wichtig, auch das Umfeld der Jugendlichen zu erreichen, denn gerade Eltern, Lehrkräfte und Gleichaltrige spielen eine entscheidende Rolle, was die Prägung von Klischees angeht.“

Pädagogischen Ansatz verankern

Qualitative Begleitung erfährt das Projekt durch einen überregionalen 18-köpfigen Beirat aus Wissenschaft, Bildung, Kammern, Verbänden und Wirtschaft, der die Praxisphase fachlich begleiten wird. „Ausgehend von den Erfahrungen und Erkenntnissen werden wir einen Transfer in die Region angehen – so dass wir eine valide erprobte und breit verankerte Struktur klischeefreier Berufsorientierung vorweisen können,“ erklärte Bettina Wilhelm. Übergeordnetes Ziel sei es, einen neuen pädagogischen Ansatz in Lehre, Fachkräftefortbildung, Wissenschaft sowie Unternehmenskultur zu implementieren und damit langfristig einen Beitrag dazu zu leisten, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Quelle: Pressestelle des Bremer Senats vom 14.04.2021

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