Ganztagsbildung / Kinder- und Jugendpolitik

Jugendliche aus Sachsen-Anhalt bauen Prototypen für gute Schulen

Ein Schüler spricht durch ein Megaphon. Hinter ihm hängt ein Plakat, auf dem das Wort "homework" durchgestrichen ist.
Bild: © DKJS/A. Kolata

Ein ungewöhnliches Schulexperiment hat begonnen: In der Ganztagssekundarschule „Freiherr Spiegel“ in Halberstadt erarbeiten Jugendliche gemeinsam mit Politiker(inne)n, wie eine zukunftsfähige Schule aussehen kann. Die Teilnehmenden diskutieren Lösungsansätze und bauen anschließend mit Materialien und Werkzeugen greifbare Prototypen. Auch Schulleitungen, Schulträger sowie Vertreter/-innen von Verbänden, Universitäten und Bildungsverwaltung machen mit.

Zum Start des Camps sprach Bildungsminister Marco Tullner mit den Jugendlichen über aktuelle Herausforderungen an Schulen und über die Zukunft. „Schule wird und muss sich verändern. Dafür brauchen wir viel Offenheit und Veranstaltungen wie dieses Camp. Ich wünsche euch viel Erfolg und möglichst viele, auch verrückte Ideen“, sagte der Bildungsminister. Er sei schon gespannt auf die Ergebnisse.

Das Camp ist eine eigene Initiative der Jugendlichen

Schülerinnen und Schüler hatten selbst die Initiative ergriffen und das Camp ins Leben gerufen. „Für uns Jugendliche ist die Schule wie ein zweites Zuhause, das zurzeit immer mehr auseinanderfällt“, sagte Dario König, einer der Initiatorinnen und Initiatoren. „Deshalb wollen wir Schülerinnen und Schüler zusammen mit allen Schulakteuren hier vor Ort konkrete Lösungen erarbeiten, die anwendbar und zukunftsorientiert sind.“ Die Themen der Workshops wurden vorab über eine digitale Wunschbox ermittelt. Es geht um flexibel nutzbare Lernräume, praxisnahes und digital-vernetztes Lernen, Schulessen, Schülerbeförderung und Schule als Wohlfühlraum.

Im Reallabor entstehen Lösungsansätze und Modelle

Für den Bau der Prototypen stehen unter anderem ein Container mit Lernmöbeln, eine Technikkiste und digitale Tools zur Verfügung. Am Samstag, den 7. September, präsentieren die Teilnehmenden ihre Ergebnisse. Die Prototypen verbleiben anschließend in der Schule. Abgeordnete sowie Vertreterinnen und Vertreter von Verbänden und der Wissenschaft nehmen jedoch die konkreten Ergebnisse und Ideen mit, um daran weiterzuarbeiten.

„Dieses Camp ist ein Reallabor und wir sind gespannt, welche Lösungen hier durch gemeinsames Denken und Tüfteln entstehen. Vor allem die Perspektive der Schülerinnen und Schüler ist dabei wichtig, denn sie stecken voller Ideen und Energie – und sind Experten für die Qualitätsentwicklung von Schulen“, sagt Sylvia Ruge, Leitung der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung in Sachsen-Anhalt.

Neue unkonventionelle Ideen entwickeln

„Ich wünschte, Schülerinnen und Schüler würden viel öfter die Schulentwicklung in die Hand nehmen. Sie erleben täglich, ob ihre Schule gut funktioniert oder nicht. Wir Erwachsenen geben Geld aus und machen Vorgaben für Verbesserungen, finden aber zu selten Wege, Kindern und Jugendlichen zuzuhören und zuzusehen. Das Camp im Rahmen unseres Programms ‚LiGa – Lernen im Ganztag‘ zeigt, wie es geht“, erklärt Dr. Petra Strähle, Projektmanagerin von der Stiftung Mercator.

„Dieses erste Schulentwicklungscamp bietet aus unserer Sicht eine ganz besondere Chance, sich den komplexen Anforderungen an Schule hier und jetzt zu stellen. Gemeinsam werden wir bisherige Schulpraxis kritisch betrachten und völlig neue, spannende, auch unkonventionelle Ideen entwickeln, bauen, installieren und ausprobieren. Darauf freuen wir uns“, sagt Ines Petermann, Vorsitzende des Schulleitungsverbandes Sachsen-Anhalt.

Hintergrund

Das Schulentwicklungscamp #EnterSchool ist eine Veranstaltung im Rahmen von „LiGa – Lernen im Ganztag“, einer Initiative der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung und der Stiftung Mercator, die gemeinsam mit dem Land Sachsen-Anhalt entwickelt und umgesetzt wird. Das Camp findet in Kooperation mit dem Schulleitungsverband Sachsen-Anhalt e.V. und mit Unterstützung der GP Günter Papenburg AG statt.

Quelle: Deutsche Kinder- und Jugendstiftung vom 05.09.2019

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