Ganztagsbildung / Kinder- und Jugendarbeit

BKJ: Welche Grundlagen benötigt eine kinder- und jugendgerechte Ganztagsbildung?

Eine Schülerin sitzt im Unterricht, hört zu mit aufgestütztem Kopf und einem Stift in der Hand
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Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung im Grundschulalter ist auf dem Weg. Um diesen auf eine gute Basis zu stellen, beabsichtigt der Bund bis 2025 zwei Milliarden Euro in die Bildungsinfrastruktur zu investieren. Spätestens jetzt müssen die Ganztagskonzepte neu gedacht werden, um die Rechte von Kindern und Jugendlichen auf Persönlichkeitsentwicklung, Partizipation und Freiräume zu verwirklichen.

Die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe − AGJ hat in ihrem Positionspapier „Kind- und jugendgerechte Ganztagsbildung“ auf die bisherigen kritischen Entwicklungen ganztägiger Bildung hingewiesen. Sie spricht sich für einen jugendpolitischen Paradigmenwechsel aus und für eine Abkehr von einem von Schul-, Familien- und Erwerbspolitik geprägten Blick auf Ganztag.

„Perspektive Ganztag?!“

Dass dies auch ein zentrales Anliegen der Akteure der Kulturellen Bildung ist, formulieren Expert(inn)en im jüngst erschienen Fachbuch „Perspektive Ganztag?!“. Darin macht die Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e.V. (BKJ) sichtbar, welche konzeptionellen, jugendpolitischen und strukturellen Grundlagen eine kinder- und jugendgerechte Ganztagsbildung benötigt.

„Kinder und Jugendliche gehören ins Zentrum ganztägiger Bildung“, sagt Prof.in Dr.in Susanne Keuchel, Vorsitzende der BKJ. Das bedeutet auch, dass es Bildungsgelegenheiten braucht, die Kindern und Jugendlichen gerechte Chancen bieten, sowie ein Angebotsspektrum, das auf ihre Interessen und Bedürfnisse ausgerichtet ist. „Darauf haben sie ein Recht! Um dies zu realisieren, braucht es eine neue Diskussion des Verhältnisses von Kinder- und Jugendhilfe und Schule für den Ganztag: Sie muss aus der Perspektive der Kinder- und Jugendgerechtigkeit geführt werden. Die außerschulische Kinder- und Jugendarbeit hat dabei ein ganz spezifisches Potenzial für die Teilhabe und Bildung junger Menschen. Sie darf nicht zum Dienstleister für ein schulisches Bildungskonzept werden.“

Schulische und außerschulische Akteure als gleichberechtigte Partner

Die Haltung der BKJ ist es, dass schulische und außerschulische Akteure den Ganztag als gleichberechtigte Kooperationspartner gestalten können. Dafür müssen die rechtlichen Voraussetzungen gesichert und Qualitätsstandards formuliert werden.

Für die vielfältigen Aufgaben, die mit einem kinder- und jugendgerechten Ganztagskonzept einhergehen, sind mehr Ressourcen als bisher geplant nötig: für die Kinder- und Jugendhilfe mit ihren außerschulischen Trägern, für Ganztagsschulen, aber auch für die Kulturarbeit. Das Ganztagsfinanzierungsgesetz, im November vom Bundeskabinett als Errichtung eines Sondervermögens zum Ausbau der Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder beschlossen, ist ein wichtiger Schritt. Nun müssen sich Bund, Länder und Kommunen mit den Trägern der Kinder- und Jugendhilfe gemeinsam an den Tisch setzen, um Ressourcen, Qualitätskriterien und die Steuerungsverantwortung zu diskutieren.

Als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendhilfe diskutiert die BKJ wichtige Entwicklungen für Kinder und Jugendliche in Deutschland in den Gremien dieses Forums und Netzwerks bundeszentraler Zusammenschlüsse, Organisationen und Institutionen der freien und öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe.

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Über die BKJ

Die Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e. V. (BKJ) ist der Dachverband der kulturellen Kinder- und Jugendbildung in Deutschland. Sie ist ein Zusammenschluss von 56 bundesweit agierenden schulischen und außerschulischen Institutionen, Fachverbänden und Landesdachorganisationen der Kulturellen Bildung. Die Mitgliedsorganisationen repräsentieren die unterschiedlichen Künste, Kultursparten und kulturpädagogischen Handlungsfelder. Ihr Ziel ist die Weiterentwicklung und Förderung der Kulturellen Bildung: gesellschaftlich sensibel, nachhaltig, möglichst für jeden Menschen zugänglich, von Anfang an und ein Leben lang.

Quelle: Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e.V. (BKJ) vom 18.12.2019

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