Ganztagsbildung / Jugendsozialarbeit

Bericht zur Fachtagung „Allein wirst du das Ziel nicht erreichen… – Kooperation zwischen Jugendhilfe und Schule“

Das Bild zeigt Publikum und Mikrophon zur Beteiligung.
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Die BVkE-Fachtagung vom 7. bis 08. November in Bonn hatte das Ziel Bedingungen und Wege zu einer gelingenden Kooperation zwischen den Systemen aufzuzeigen, sowohl durch theoretische Inputs als auch durch Good-Practice-Beispiele von Jugendhilfe und Schule. Die Tagungsdokmentation steht nun online zur Verfügung.

Schülerinnen und Schüler mit ausgeprägten Sozialstörungen stellen Lehrer/-innen, Erzieher/-innen und Sozialpädagog(en)innen vor besondere Herausforderungen: Sie zeigen ein wenig angepasstes Verhalten, entziehen sich pädagogischen Maßnahmen, sind oft aggressiv, laut, zerstörerisch oder aber völlig in sich gekehrt. Dabei zeigt sich, dass ein Zusammenwirken von Schule und Jugendhilfe nicht immer einfach und oftmals von gegenseitigem Unverständnis geprägt ist.

Ziel der Fachtagung, die vom Fachausschuss Schulische Bildung des BVkE veranstaltet wurde, war es, Bedingungen und Wege zu einer gelingenden Kooperation zwischen den unterschiedlichen Systemen aufzuzeigen, sowohl durch theoretische Inputs als auch durch zahlreiche gute Beispiele aus der Praxis von Jugendhilfe und Schule.

Prävention und Intervention von Schulabsentismus und Drop out

Zum Auftakt stellte Prof. Dr. Thomas Hennemann, Universität Köln, vor rund 120 Teilnehmer/-innen Konzepte zu Prävention und Intervention von Schulabsentismus und Drop out vor. Seine umfänglichen theoretischen Ausführungen wurden durch praktische Beispiele und filmische Szenen von Schülerinterviews und Hinweisen zu alltagstauglichen förderdiagnostischen Verfahren ergänzt.

Intervention und systematische Unterstützung durch multiprofessionelle Teams

Wie die emotionale und soziale Kompetenz von Kindern und Jugendlichen am wirkungsvollsten gefördert werden kann, zeigte Frau Prof. Dr. Ute Koglin, Universität Oldenburg, am zweiten Tag auf. Ihr Fazit: Viele Förderprogramme, die gut gemeint sind, sind nicht gut gemacht. Besonders Kinder und Jugendliche mit chronisch aggressivem und gewalttätigem Verhalten brauchen die Intervention und systematische Unterstützung durch multiprofessionelle Teams. Ohne eine Präventions- und Interventionsstrategie, die in den Kommunen und im Sozialraum verankert ist, und die dafür sorgt, dass es beispielsweise genügend Sonderpädagogen und Kinder- und Jugendpsychologen am Ort gibt, geht es nicht. Größter Hemmschuh für den Aufbau von wirkungsvollen vernetzten Hilfesystemen sind sowohl der häufig fehlende politische Wille als auch die unzureichende kommunale Finanzierung.

Praxisbeispiele aus Schulen und Einrichtungen

Was aber doch, trotz schwieriger Rahmenbedingungen, alles möglich ist, zeigten eindrucksvoll die Praxisbeispiele aus unterschiedlichen Schulen und Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe: Mit „Kick-off“ stellten Mitarbeiterinnen des Raphaelshaus, Dormagen, ein Programm zur gemeinsame Krisenintervention von Jugendhilfe und Schule vor. „LuSt auf Bildung“ vermittelt das gleichnamige Projekt des Christophorus Jugendwerks Breisach durch eine gemeinsame Hilfeplanung von Schule und stationärer Erziehungshilfe. Auch in der Pater-Petto-Schule der Johannesburg, Surwold, und in der St. Ansgar Schule Hildesheim arbeiten Förderschule und Jugendhilfeeinrichtung Hand in Hand, unter anderem mit der Methode der „Lerngeschichten“. Einen handlungs- und praxisbezogenen Ansatz vertreten die „Fliegenden Bauten –Schule in Arbeit“. Nach dem Motto „Chillen – Lernen – Arbeiten“ führen die CJG Antoniusschule und die Gesamtschule Reichshof sozial-ökologische Projekte durch, die Spaß machen, Fähigkeiten entdecken lassen und schon so manchen Jugendlichen bei der Berufsorientierung unterstützt haben.

Die Tagungsdokumentation steht zum Download auf den Seiten der BVkE zur Verfügung.

Quelle: Bundesverband katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfen e.V. (BVkE) / Newsletter 43/2017

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