Freiwilliges Engagement / Kinder- und Jugendpolitik

Engagement junger Menschen: Generation Z auch in der Krise besser als ihr Ruf

Eine Gruppe Jugendlicher veranstaltet Tauziehen auf einer Wiese
Bild: Anna Samoylova - unsplash.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Der Generation Z ist nicht alles egal – im Gegenteil: Junge Menschen wollen sich engagieren, sie wollen ihr Umfeld und die Gesellschaft mitgestalten. Das bestätigt eine qualitative Befragung, die die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) im Rahmen des Programms u_count letztes Jahr im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend durchgeführt hat.

Vor allem in der Krise hat sich gezeigt: Viele Jugendliche und junge Erwachsene haben Verantwortung übernommen und zum Beispiel ältere Menschen beim Einkaufen unterstützt, wie Jugendliche aus dem Jugendclub in Eibenstock, die sich selbstständig in einer Online-Gruppe organisierten. Eine örtliche Jugendfeuerwehr setzt sich in ihrer Kommune eigenständig für die Einhaltung der Hygienemaßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus ein und klärt vor Ort auf. 

„Wer sich freiwillig engagiert, merkt schnell: Jede und jeder Einzelne macht einen Unterschied und gestaltet unsere Gesellschaft mit. Genau diese Erfahrung sollen alle jungen Menschen machen können, denn sie stärkt unser Gemeinschaftsgefühl und damit unsere Demokratie. Das Bundesfamilienministerium ist das Engagementministerium der Bundesregierung. Es ist uns wichtig, die Rahmenbedingungen für freiwilliges Engagement zu verbessern. Um das zu erreichen, war für uns klar: Wir müssen diejenigen befragen, die sich vor Ort einbringen und sich kümmern. Die Ergebnisse der Befragung sind für unsere Kinder- und Jugendpolitik ein wichtiger und aufschlussreicher Impulsgeber”, so Dr. Franziska Giffey, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. 

In 34 regionalen Zukunftswerkstätten und 14 Jugendhearings, diskutierten insgesamt 1.187 Jugendliche und junge Erwachsene über ihr Verständnis von Engagement und ihre Motive, sich einzusetzen. Sie entwickelten Ideen, wie ihr Engagement konkret gefördert werden kann und formulierten Handlungsempfehlungen für Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft. 

Mitbestimmung und Anerkennung

Die Ergebnisse von u_count zeigen: Junge Menschen wollen sich für die Themen und Belange engagieren, die sie selbst beschäftigen. Hierfür wünschen sie sich Unterstützung, wie zum Beispiel jugendgerechte Informationen darüber, wie sie sich freiwillig einbringen können sowie Anerkennung für das, was sie leisten. Sie möchten durch ihr Handeln mitbestimmen und wünschen sich außerdem ein besseres Ansehen für bürgerschaftliches Engagement in unserer Gesellschaft. 

Ausschließlich digitales Engagement ist für die meisten Befragten nicht vorstellbar. Ihnen fehle dabei der persönliche Kontakt. Wie auch der Dritte Engagementbericht feststellt, werden bestehende Formen des Engagements durch digitale Tools ergänzt und von jungen Menschen als positive Unterstützung wahrgenommen. 

„Die Rückmeldungen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind nicht nur wertvoll, sondern unabdingbar. Ohne einen ernsthaften Diskurs mit jungen Menschen als Expertinnen und Experten ihres Lebens kann es keine Lösungen für die anstehenden Herausforderungen geben; das geht nur gemeinsam.“ sagt Heike Kahl, Geschäftsführerin der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung. 

Die wichtigsten Ergebnisse von u_count im Überblick

Der Abschlussbericht des Programm u_count (PDF-Datei) steht auf den Internetseiten der dkjs zum Download zur Verfügung.

Hohe Engagementbereitschaft

65,8 % der befragten jungen Menschen engagieren sich bereits in Freiwilligendiensten und freiwilligen Engagements. Von den noch nicht Engagierten gaben – nachdem ihnen erläutert wurde, was freiwilliges Engagement im Sinne der u_count-Befragung bedeutet und welche Möglichkeiten es bietet –  58,9 % an, sich eine solche Tätigkeit vorstellen zu können.  

Fehlende Informationen

31,8 % der Teilnehmenden geben an, sich nicht zu engagieren, weil sie nicht wissen, welche Stärken sie in ein Engagement einbringen könnten. Öffentliche Informationen über Möglichkeiten sich freiwillig zu engagieren, erreichen junge Menschen häufig nicht. Von den nicht engagierten Teilnehmenden geben 45,5 % an, dass sie nicht wissen, wie und wo sie sich freiwillig engagieren können.  

Zu der Frage, was gegen einen Freiwilligendienst spricht, sagen 26,0 %, ihnen fehle Wissen über das Format. Junge Menschen wünschen sich deshalb insbesondere an Schulen mehr Informationen zu freiwilligem Engagement und Freiwilligendiensten. Auch soziale Medien, vor allem Instagram und YouTube, bieten Potenziale, um für freiwilliges Engagement zu werben. 

Ansehen in der Gesellschaft stärken

Als besonders hemmenden Faktor, beschreiben die Befragten das teilweise negative Ansehen von freiwilligem Engagement in unserer Gesellschaft. Gerade bei nicht engagierten Gleichaltrigen stoßen die Teilnehmenden punktuell auf abweisende Reaktionen, die sie davon abhalten, sich zu engagieren oder ihr Engagement öffentlich zu kommunizieren. Deshalb regen die jungen Menschen an, Maßnahmen und Kampagnen durchzuführen, die das Ansehen von freiwilligem Engagement in unserer Gesellschaft stärken.

Anerkennung aus dem direkten Umfeld 

Für ihr Engagement wünschen sich die Teilnehmenden mehr Anerkennung, insbesondere Lob und Zuspruch aus dem Freundeskreis, von Lehrkräften oder der Familie, aber auch Qualifikationsnachweise und Zertifikate als wichtige Bausteine für ihren Lebenslauf. Von der Schule wünschen sie sich, dass ihr Engagement als Lernort anerkannt wird und sie deshalb dafür freigestellt werden.

Junge Menschen wollen im Engagement mitbestimmen und mitgestalten

Insgesamt scheinen sich viele junge Menschen in ihrem Engagement noch nicht hinreichend gehört und beteiligt zu fühlen. 56,3 % der Befragten engagieren sich, weil sie mitbestimmen und ihr Umfeld mitgestalten wollen. Viele wünschen sich von Erwachsenen mehr Vertrauen und Kommunikation auf Augenhöhe, und sie wollen echte Entscheidungsspielräume in ihrem Engagement. 

Zwischen Verein und Selbstorganisation

51,5% der Jugendlichen und jungen Erwachsenen engagieren sich ganz klassisch – im Verein. Es ist aber eine Tendenz zu selbstorganisiertem Engagement zu erkennen: 47,4 % der befragten Teilnehmenden engagieren sich in anderen Formaten, wie z.B. in Projektgruppen. 

Großes Interesse an den Engagementfeldern Schule, Jugendarbeit und Umweltschutz

Die jungen Menschen engagieren sich am liebsten in folgenden Bereichen: Schule, außerschulische Bildungs- und Jugendarbeit sowie Felder, in denen man andere unterstützt, wie etwa bei der Obdachlosenhilfe. Auch herrscht großes Interesse am Umweltschutz, vor allem bei den noch nicht Engagierten. 

Jugendlichen engagieren sich, um anderen zu helfen

Die Hauptgründe, warum sich junge Menschen engagieren, sind, anderen helfen zu wollen und Spaß zu haben. 

Freundeskreis ist wichtigster Zugang zu Engagement

Über die Hälfte der Teilnehmenden wurde von Freundinnen und Freunden dazu inspiriert, ein Engagement aufzunehmen. Darüber hinaus spielten weitere persönliche Kontakte aus dem Umfeld wie Lehrkräfte und Familie eine entscheidende Rolle für den Zugang zum Engagement. 

Hohe Bereitschaft einen Freiwilligendienst zu absolvieren

56,3 % der jungen Menschen können sich vorstellen, einen Freiwilligendienst zu absolvieren. Dabei wollen sie sich vor allem persönlich weiterentwickeln, anderen helfen oder etwas Neues erleben. Gegen einen Freiwilligendienst sprechen aus Sicht der Befragten aber attraktivere Alternativen, wie Studium oder Ausbildung, sowie die finanziellen und zeitlich nicht ausreichend flexiblen Rahmenbedingungen. 

Zwei ausgewählte Beispiele für junges Engagement

  • Das Jugendteam Torgau ist ein Netzwerk junger Menschen, dass Perspektiven und Angebote in Nordsachsen schaffen möchte. In einem von zahlreichen Projekten gibt das Team Social-Media-Workhops für Unternehmen und hilft diese potenziellen Auszubildende anzusprechen. Außerdem setzen sich die jungen Menschen für die Gründung eines Jugendstadtrates in ihrer Kommune ein oder beteiligen sich u. a. an der Planung eines Skateparkes.  Mehr unter: www.jugendteam-torgau.de
  • Im Anyway in Köln, einem Treff für junge LGBTIQ+-Menschen, rockt ein ehrenamtliches Thekenteam das Café und eine Filmcrew produziert YouTube-Videos, um aufzuklären und zu unterhalten. Andere geben im Bildungsprojekt WiR* Workshops für Schulklassen und Jugendgruppen. Mehr unter: www.anyway-koeln.de

Quelle: Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) vom 10.06.2020

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