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Freiwilliges Engagement / Kinder- und Jugendpolitik

Diakonie fordert neue Konzepte und finanzielle Unterstützung für sechsmonatigen Zivildienst

"Wo Zivildienstleistende im unmittelbaren Dienst am Menschen eingesetzt sind, ist die Umstellung auf einen sechsmonatigen Zivildienst problematisch", sagt Kerstin Griese, Sozialpolitischer Vorstand im Diakonie Bundesverband. Mit über 12.000 Zivildienstleistenden im Einsatz sind die diakonischen Einrichtungen und Verbände der größte Träger von Zivildienst in Deutschland.

"Der Gesetzgeber muss den verkürzten Zivildienst so gestalten, dass weder den jungen Männern, noch den betreuten Menschen, noch den Einrichtungen und Diensten Nachteile entstehen. Dazu sind auch jugend-, bildungs- und sozialpolitische Handlungsansätze notwendig ", so Griese. Hintergrund ist, dass die Bundesregierung eine Verkürzung der Wehrpflicht und damit des Zivildienstes auf sechs Monate anstrebt.

"Wir setzen uns dafür ein, dass die sozialen Freiwilligendienste ausgebaut und pro Platz deutlich besser finanziert werden. Gleichzeitig fordern wir, im Anschluss an den Zivildienst einen Freiwilligendienst oder andere freiwillige Maßnahmen zu ermöglichen. Die leider missverständlich formulierte Passage im Koalitionsvertrag, die das ausschließt, muss zeitnah geklärt werden. Sonst entsteht durch die neuerliche Dienstzeitverkürzung eine "biografische Lücke" zwischen Zivildienst und Ausbildung bei den jungen Männern", erklärt Griese. Außerdem schaffe eine Verkürzung tiefgreifende Veränderungen und Probleme in Einsatzbereichen, in denen Zivildienstleistende unmittelbar mit Menschen zu tun haben. Fast zwei Drittel der Zivildienstleistenden in der Diakonie und ihren Einrichtungen sind in der Pflege und Betreuung tätig.

"Wir brauchen daher dringend neue Konzepte für einen sechsmonatigen Zivildienst, die auch eine finanzielle Entlastung der Einsatzstellen und Landesverbände vorsehen", hebt Griese hervor. Dies sei auch vor dem Hintergrund erforderlich, dass mehr als 20.000 Zivildienstplätze in der Diakonie nicht kurzfristig durch Freiwilligendienste ersetzt werden könnten. Eine Umstellung auf Freiwilligendienste werde in jedem Fall mehr Geld kosten.

Damit der Zivildienst weiterhin ein sozialer Lerndienst sein könne, müssten die Tätigkeiten der jungen Männer diesem Anspruch gerecht werden, betont Griese. Das Bildungskonzept müsse an die verkürzte Dienstzeit angepasst werden. Dabei sei zu gewährleisten, dass allen Zivildienstleistenden die gleiche Anzahl an Bildungstagen zugute komme.

Wenn das bevorstehende Gesetzgebungsverfahren solche neuen Rahmenbedingungen nicht oder nur unzureichend berücksichtige, befürchte die Diakonie, dass viele diakonische Einrichtungen aus dem Zivildienst aussteigen könnten. Dies gehe aus zahlreichen Rückmeldungen der Träger an den evangelischen Wohlfahrtsverband hervor, erklärt Kerstin Griese. Schon heute besetzten diakonische Träger Zivildienstplätze in sensiblen Bereichen nicht mehr. 

Kirche und Diakonie haben seit der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht und des Rechts auf Kriegsdienstverweigerung die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass junge Männer einen gesellschaftlich anerkannten Friedensdienst leisten. Er hat viel zur Versöhnung der Völker in Europa beigetragen. Durch die Arbeit in Kirchengemeinden und diakonischen Einrichtungen konnten junge Männer persönliche und soziale Kompetenzen erlangen. Annähernd 70 Prozent der belegten Zivildienstplätze befinden sich in der freien Wohlfahrtspflege. In der Diakonie, dem evangelischen Wohlfahrtsverband, sind 12.013 sind Zivildienstleistende tätig, etwa 65 Prozent davon in Pflege und Betreuung. 

Die Stellungnahme der Diakonie zur Verkürzung des Zivildienstes auf sechs Monate finden Sie hier.

Quelle: Diakonisches Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) e.V.