Flucht und Migration / Familienpolitik

Sachsen-Anhalt: Damit Migrantinnen den Sprung in den Arbeitsmarkt schaffen

Ein Kleinkind bekommt einen dicken Kuss von seiner Mutter
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Die neu eingerichtete Fach- und Servicestelle „Blickpunkt: Migrantinnen“ in Sachsen-Anhalt wird künftig Beratungs-, Begleit- und Coachingmaßnahmen für migrantische und geflüchtete Frauen entwickeln und anbieten, die besondere Bedarfe der Zielgruppe berücksichtigen. Eine wissenschaftliche Begleitung wird Handlungsempfehlungen für die Gestaltung integrationspolitischer Maßnahmen für Frauen erarbeiten.

Rund zehn Prozent aller Geflüchteten, die in Sachsen-Anhalt einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nachgehen, sind weiblich. Der Anteil der Frauen unter allen ausländischen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hierzulande beträgt 27 Prozent. „Wir möchten die Voraussetzungen dafür schaffen, dass mehr migrantische Frauen den Sprung in den Arbeitsmarkt schaffen“, sagte Staatssekretärin Susi Möbbeck, Integrationsbeauftragte des Landes, heute bei einer Fachtagung der LIGA der freien Wohlfahrtspflege Sachsen-Anhalt.

Neue Fach- und Servicestelle „Blickpunkt: Migrantinnen“

Zu Jahresbeginn 2020 ist die Fach- und Servicestelle „Blickpunkt: Migrantinnen“ zur Arbeitsmarktintegration migrantischer Frauen beim Caritasverband für das Bistum Magdeburg e.V. gestartet. Weitere Träger sind Minor - Projektkontor für Bildung und Forschung gemeinnützige GmbH aus Berlin und das Europäische Bildungswerk für Beruf und Gesellschaft gGmbH (EBG) mit Hauptsitz in Magdeburg. Susi Möbbeck: „Mit der Fach- und Servicestelle möchten wir Frauen ermutigen, ihre Potentiale einzubringen.“ Die Mitarbeitenden setzen die erfolgreiche Arbeit der Servicestelle für Migrantinnen und geflüchtete Frauen in Sachsen-Anhalt fort, die seit dem 1. Mai 2018 ebenfalls beim Caritasverband angesiedelt war. Das neue Verbundprojekt wird über zweieinhalb Jahre mit mehr als einer Million Euro aus EU- und Landesmitteln gefördert.

 „Wo liegen die Ursachen für diese niedrige Arbeitsmarktquote? Sind Maßnahmen zur beruflichen Integration frauenspezifisch und familienorientiert konzipiert? Wie sollen die Maßnahmen konzipiert werden, damit sie für Frauen zugänglich und attraktiv sind?“ Mit diesen Fragen beschreibt Monika Schwenke, Abteilungsleiterin Migration und Integration beim Caritasverband die Herausforderungen, auf die das Verbundprojekt Antworten liefern soll.

Erkenntnisse früherer Erhebungen

Erste Handlungsempfehlungen gibt eine Veröffentlichung zu Lebenssituationen, Ressourcen und Wünschen von Migrantinnen und geflüchteten Frauen in Sachsen-Anhalt, die durch Caritas im Jahr 2019 für dieses Thema landesweit erstmalig erhoben wurden.

Aus einer Expertenrunde von Akteuren der Arbeitsmarktintegration konnten drei wichtige Thesen herausgearbeitet werden, die als Grundlage für die neue Fach- und Servicestelle dienen:        

  • Frauen fliehen überdurchschnittlich häufig mit Kindern. Damit tragen sie während und nach der Flucht nicht nur die Verantwortung für sich selbst, sondern auch für ihre Kinder. Um gleiche Integrationschancen zu schaffen, wird es deshalb wesentlich darauf ankommen, bei der Gestaltung der Integrationsmaßnahmen der Kinderbetreuung Priorität einzuräumen.
  • Die Regelstrukturen müssen sich stärker für die Zielgruppe der Frauen öffnen.
  • Geflüchtete Frauen sind keine homogene Gruppe. Es braucht flexible Maßnahmen für die spezifischen Bedarfe und Lebenslagen dieser Zielgruppe.

Aufgaben der Fach- und Servicestelle

Demnach soll die Fach- und Servicestelle individuelle und flexible Beratungs-, Begleit- und Coachingmaßnahmen für migrantische und geflüchtete Frauen entwickeln und anbieten. Dabei werden die besonderen Bedarfe im Hinblick auf Mobilität, flexible Kinderbetreuungsmöglichkeiten, sowie Teilzeitausbildungs- und Qualifizierungsangeboten berücksichtigt. Die Frauen sollen bestmöglich informiert, für den Arbeitsmarkt motiviert und aktiviert werden. Abbrüche von begonnenen Maßnahmen sollen verhindert werden.

Die wissenschaftliche Begleitung soll Handlungsempfehlungen für die Landesregierung ableiten, wie die integrationspolitischen Maßnahmen für Frauen am effektivsten gestaltet werden sollen.

Quelle: Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration des Landes Sachsen-Anhalt vom 22.01.2020

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