Flucht und Migration / Sozialpolitik

RLP: Konzept zur Psychosozialen Versorgung für geflüchtete Menschen vorgestellt

Eine Person liegt auf einer Couch, im Vordergrund ist ein Kugelstoßpendel zu sehen
Bild: rawpixel.com

In der Sitzung des Ministerrates am 4. September stellten das Integrationsministerium und das Gesundheitsministerium ein umfangreiches Konzept zur Verbesserung der psychosozialen Versorgung von Schutzsuchenden vor. Ziel der Landesregierung ist es, bestehende Beratungs- und Therapieangebote für Geflüchtete zu verbessern und an den Bedarf anzupassen.

Verbesserung bestehender Beratungs- und Therapieangebote

„Wie und ob Integration von geflüchteten Menschen in unsere Gesellschaft gelingt, hängt von vielen Voraussetzungen ab. Psychische Gesundheit und eine gute psychosoziale Versorgung gehören dazu. Ein wichtiges Ziel der Landesregierung ist es deshalb, bestehende Beratungs- und Therapieangebote zu verbessern und an den Bedarf anzupassen“, sagten Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler und Integrationsministerin Anne Spiegel.

„Eine frühzeitige Erkennung von Traumata und deren Behandlung machen es leichter, in Rheinland-Pfalz anzukommen. Wir leisten damit einen Beitrag, dass sich psychische Störungen nicht verfestigen, die die Integration und gesellschaftliche Teilhabe hemmen. Aus diesem Grund haben wir auch die niedrigschwelligen Angebote in den Aufnahmeeinrichtungen für Asylbegehrende (AfA) des Landes ausgebaut. Dazu gehören Gesprächsgruppen und individuelle Beratungsangebote. Außerdem planen wir in der AfA Trier ein neues Screeningverfahren zu testen, damit Traumata und psychische Belastungsstörungen systematisch und möglichst früh erkannt werden“, erläuterte Integrationsministerin Anne Spiegel.

Übergänge zwischen Behandlungsangeboten erleichtern

„Aus der Praxis wurde uns berichtet, dass psychiatrische Kliniken oft erst in Notfallsituationen aufgesucht werden. Auch ambulante Leistungen werden aufgrund bürokratischer und finanzieller Hürden nicht so in Anspruch genommen, wie wir uns das wünschen. Daher gilt es, bürokratische Hürden abzubauen und Übergänge zwischen verschiedenen Behandlungsangeboten zu erleichtern. Deshalb beraten wir die Kommunen bei der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte für Flüchtlinge, die den Zugang zu Ärztinnen und Ärzten und auch die Abrechnung mit den Krankenversicherungen erleichtert. Wir fördern außerdem ein Vernetzungsprojekt zur Verbesserung der Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure der psychosozialen Versorgung vor Ort“, erklärte Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler. Auch die Akteurinnen und Akteure in der Regelversorgung haben sich bereits auf den Weg gemacht, beispielsweise mit speziellen Weiterbildungen im ambulanten Bereich und auch mit dem Aufbau von Transkulturellen Psychiatrischen Institutsambulanzen an den Kliniken.

Überblick über den Status quo

Das Konzept zur Verbesserung der psychosozialen Gesundheit von geflüchteten Menschen in Rheinland-Pfalz enthält einen Überblick über den Status quo und Vorschläge für künftige Verbesserungen. Das Konzept ergänzend wurde eine Sammlung von 33 geplanten bzw. sich bereits in Umsetzung befindlicher Maßnahmen verschiedener Akteure erstellt. Erarbeitet wurden die Unterlagen unter Federführung des Gesundheits- und des Integrationsministeriums, die hierzu eine interministerielle Arbeitsgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern aus verschiedenen Bereichen, u.a. der ambulanten und stationären psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung sowie aus der Jugendhilfe und der migrationsspezifischen Sozialen Arbeit einberufen hatten.

Hälfte der Geflüchteten in Rheinland-Pfalz betroffen

Genaue Zahlen darüber, wie viele der Geflüchteten in Deutschland und in Rheinland-Pfalz psychisch erkrankt sind, liegen nicht vor. Die Bundespsychotherapeutenkammer geht davon aus, dass mindestens die Hälfte betroffen ist. Neben den differenzierten Angeboten für psychisch Erkrankte im öffentlichen Gesundheitssystem bilden die sechs Psychosozialen Zentren für Flucht und Trauma und die landesweite Koordinierungsstelle zur Interkulturellen Öffnung des Gesundheitssystems in Rheinland-Pfalz eine wichtige Versorgungsstruktur und Anlaufstelle für geflüchtete Menschen mit Traumata. In den vergangenen Jahren wurden diese sukzessive ausgebaut und werden durch das Integrationsministerium aktuell mit über 1 Million Euro jährlich gefördert. Allein im vergangenen Jahr wurden insgesamt 3.735 Menschen in den Psychosozialen Versorgungszentren in Rheinland-Pfalz betreut.

Das Konzept zur Verbesserung der psychosozialen Gesundheit von Flüchtlingen sowie den Maßnahmenplan ist auf der Internetseite des Gesundheitsministeriums und auf der Internetseite des Integrationsministeriums zu finden.

Quelle: Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie des Landes Rheinland-Pfalz vom 05.09.2018

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