Flucht und Migration / Gesundheit

Primus-Preis für sexualpädagogisches Bildungsprojekt für junge Flüchtlinge

Ein Mädchen und ein Junge stehen an einer Wand
Bild: fcscafeine - Fotolia

Sexualkunde ist an deutschen Schulen eine Selbstverständlichkeit. Anders sieht das in den Herkunftsländern aus, aus denen viele Flüchtlinge stammen. Diese Lücke versucht ein Bremer Projekt zu schließen, das für sogenannte Vorbereitungs-Klassen konzipiert ist. Persönlichkeitsentwicklung und sexuelle Mündigkeit stehen im Mittelpunkt der Bildungsarbeit, die sich an 15- bis 19-Jährige richtet.

Die Stiftung Bildung und Gesellschaft hat die Bremer Initiative mit dem Primus des Monats März ausgezeichnet, bei der minderjährige Geflüchtete sexualpädagogischen Unterricht angeboten bekommen. Der Preis ist mit 1.000 Euro dotiert.

"Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen sollen eine selbstbestimmte und verantwortungsvoll gelebte Sexualität entwickeln", nennt die freischaffende Sexualpädagogin Nora Dilling das Ziel des von ihr in Zusammenarbeit mit pro familia angestoßenen Projekts.

Liebe, Beziehungen, Sexualität

Im Rahmen des Unterrichts sollen sechsteilige Workshop-Reihen rund um "Liebe, Beziehungen, Sexualität" angeboten werden. Sie umfassen jeweils eineinhalb bis drei Zeitstunden. Zu den Themenblöcken zählen Fragen der eigenen Identität und kulturellen Normen, Partnerschaft und Geschlechterrollen. Es geht aber auch um Aufklärung beispielsweise zu Verhütung oder sexuell übertragbaren Krankheiten sowie um Themen wie Jungfräulichkeit und Beschneidung. Übungen zur Selbst- und Fremdwahrnehmung runden das Programm ab, zu dessen Abschluss auch juristische wie moralische "Rechte und Grenzen" behandelt werden.

Ein Pilotprojekt wurde im Frühjahr 2017 durch Projektgelder der pro familia Bremen finanziert. Derzeit sucht die Initiative tragfähige Finanzierungsmöglichkeiten, um die sexualpädagogische Bildungsarbeit für junge Flüchtlinge fortzusetzen. Das Interesse der Schulen an dem Angebot ist groß.

"Das Projekt greift einen wichtigen Integrationsaspekt auf", sagt Birgit Ossenkopf, stellvertretende Geschäftsführerin der Stiftung Bildung und Gesellschaft. "Es belässt es nicht nur bei Information, sondern bietet auch ein Forum zum Austausch über Ängste, Sorgen und Unsicherheiten."

Über den Primus-Preis

Der Primus-Preis wird jeden Monat an ein kleines, vorbildhaftes Projekt vergeben. Die Stiftung Bildung und Gesellschaft will damit Initiativen fördern, die ein konkretes Problem in der Kita oder in der Schule vor Ort aufgreifen und lösen wollen. Wichtig ist, dass die Projekte auf alle Regionen übertragbar sind und nicht parallel agieren, sondern an das staatliche Bildungssystem andocken. Lokale Akteure – wie Arbeitsagenturen oder Schulämter, aber auch Unternehmen sowie kulturelle Einrichtungen – sollten einbezogen sein. Zusätzlich schreibt die Stiftung Bildung und Gesellschaft den Sonder-Primus Digital aus, um zivilgesellschaftliche Initiativen zu würdigen, die Kinder und Jugendliche auf das Leben in einer digitalen Welt vorbereiten. Aus allen von Januar bis Dezember ausgezeichneten Projekten wird der Primus des Jahres gewählt und mit 5.000 Euro Preisgeld prämiert.

Quelle: Stiftung Bildung und Gesellschaft vom 13.03.2018

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