Flucht und Migration / Coronavirus

Paritätischer fordert sofortige Evakuierung der Flüchtlingslager in Griechenland

Junge in Gruppe Flüchtinge mit Rucksack aus dem ein Teddy guckt
Bild: © Lydia Geissler - Fotolia.de

Anlässlich der ersten Quarantänemeldung aus Griechenland fordert der Paritätische Wohlfahrtsverband eine sofortige Evakuierung der Hotspots auf den griechischen Inseln und an der Grenze zur Türkei und appelliert an die Bundesregierung, umgehend ihre Zusage einzulösen, Kinder und Jugendliche aus den Flüchtlingslagern in Deutschland aufzunehmen. Auch andere Verbände hatten sich zur Situation in Griechenland geäußert.

Die Zustände in den überfüllten Flüchtlingslagern in Griechenland seien menschenunwürdig und angesichts der Corona-Pandemie hochgefährlich. Es sei schamlos, wenn Deutschland und die EU eine solche humanitäre Katastrophe in Kauf nähmen, kritisiert der Paritätische Wohlfahrtsverband scharf.

Bundesregierung ist aufgefordert sofort zu Handeln

„Es ist ein Skandal, dass ausgerechnet in dieser Situation einer globalen Pandemie, die die Schwächsten am Härtesten trifft und bei der es um Leben und Tod geht, die Europäische Union Menschenrechte und Humanität über Bord wirft und einem solchen Leid tatenlos zusieht“, so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands. „Es darf keinen von uns kalt lassen, wenn tausende Menschen, in Lagern unter schrecklichen und angesichts der Coronakrise lebensgefährlichen Bedingungen zusammengesperrt sind. Wenn Politik hier nicht hilft, obwohl sie es könnte, ist das nicht nur grausam, sondern zutiefst inhuman“, so Schneider.

Seit Monaten werde die Diskussion geführt und schon vor Wochen hatte die Große Koalition erklärt, Kinder aus den griechischen Lagern aufnehmen zu wollen. „Es ist schlicht unerträglich, wie angesichts des Elends dieser Kinder die Zeit mit Diskussionen, Verhandlungen und Ausflüchten ins Land geht“, so Schneider. Der Paritätische fordert die Bundesregierung auf, jetzt sofort und im Zweifel auch ohne die Europäische Union oder weitere Länder tätig zu werden. Viele deutsche Städte hätten ihre Bereitschaft zur Aufnahme erklärt.

Weitere Verbände sprechen sich für schnelle Hilfen aus

Auch der Deutsche Caritasverband und die Diakonie Deutschland hatten zuvor auf die kritische Situation in Griechenland hingewiesen und hatten schnelle und unbürokratische Maßnahmen gefordert.

„Lassen Sie uns in diesen schwierigen Zeiten nicht diejenigen vergessen, die auf der Flucht sind“, betonte Caritas-Präsident Peter Neher. „Insbesondere für die Menschen in den Lagern auf den griechischen Inseln, stellt die Pandemie auch eine enorme Gefahr dar. Die hygienischen Bedingungen sind in den Lagern verheerend, medizinische Hilfe wird dort kaum gewährt. Jetzt kommt es darauf an, kranke Kinder und ältere Menschen, die bereits geschwächt sind, schnellstens aus den Lagern zu evakuieren, bevor es dort zu einer unaufhaltsamen Verbreitung der Krankheit kommt“, merkte der Caritas-Präsident an.

In den Lagern auf den griechischen Inseln leben etwa 40.000 Asylsuchende und bereits anerkannte Flüchtlinge. Deutschland hat sich für eine europäische Lösung zur Aufnahme von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge eingesetzt. Verabredet wurde, dass EU-weit bis zu 1.600 Kinder und Jugendliche aus den griechischen Flüchtlingslagern aufgenommen werden. Darauf hatten sich Mitte März die EU-Innenminister verständigt. Neben Deutschland gehören Frankreich, Irland, Finnland, Portugal, Luxemburg und Kroatien zu den aufnahmebereiten Ländern.

„Dies ist ein wichtiger Schritt und er muss jetzt schnell umgesetzt werden. Angesichts von 40.000 Menschen, die geschützt werden müssen und allein 5.000 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge ist dieser Beschluss jedoch völlig unzureichend. Aufgrund der Bedrohung durch Corona müssen die überfüllten Lager auf den griechischen Inseln aufgelöst werden“, so Diakonie-Präsident Ulrich Lilie. Es bestehe jetzt die dringende Notwendigkeit einer geordneten Verteilung aller Flüchtlinge aus den Lagern. „Wir haben in den vergangenen Tagen eindrucksvoll gesehen, was zum Schutz von Menschen möglich gemacht wurde. Dies müssen wir auch für Flüchtlinge tun. Zahlreiche Kommunen und soziale Träger wie die Diakonie haben schon ihre Unterstützung signalisiert.“ Nach jüngsten Umfragen ergibt sich eine sofortige Aufnahmekapazität von 25.000 Asylsuchenden in Deutschland.

Quelle: Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband, Gesamtverband e.V. vom 02.04.2020; Deutscher Caritasverband e. V. vom 27.03.2020; Diakonie Deutschland, Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung e.V. vom 24.03.2020

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