Flucht und Migration / Europa

Kindern auf griechischen Inseln schnellstmöglich helfen – Notfalls im Alleingang

Eine Gruppe von vier ernstschauenden Kindern
Bild: Fabiola Penalba - unsplash.com

Auf den griechischen Inseln Lesbos, Chios, Samos, Leros und Kos leben derzeit etwa 41.000 Migrantinnen, Migranten und Flüchtlinge, unter ihnen 14.000 Kinder. Die Lebensbedingungen in den Aufnahmezentren seien verheerend, sagt die Caritas und fordert schnelle und solidarische Hilfe. Notwendig sei eine gesamteuropäische Lösung, gelinge das nicht, müsse Deutschland in Vorleistung treten.

Europa dürfe die menschenunwürdigen Bedingungen für Schutzsuchende auf den griechischen Inseln nicht länger hinnehmen, mahnt Caritas-Präsident Peter Neher. Er fordert die EU-Staaten auf, besonders Schutzbedürftige, wie unbegleitete Minderjährige, aber auch begleitete Kinder und deren Eltern, von den griechischen Inseln aufzunehmen und angemessen zu versorgen.

Hilfe vor Ort intensivieren – solidarisch Handeln

Die Unterbringungssituation auf den griechischen Inseln sei verheerend, da die Aufnahmezentren auf den Inseln für lediglich 5.400 Personen Platz bieten. Derzeit leben dort 41.000 Menschen, wovon 14.000 Kinder sind. Die Unterkünfte und hygienischen Bedingungen seien nicht angemessen, Lebensmittel nicht ausreichend verfügbar und notwendige gesundheitliche Maßnahmen nicht gewährleistet. Die Caritas vor Ort und ihre Partnerorganisationen berichten, dass vor allem kranke Menschen, Schwangere, Frauen mit Neugeborenen und Kinder, von denen geschätzt etwa 1.000 unbegleitet dort leben, unter der prekären Situation auf den griechischen Inseln massiv leiden. „Zumindest diesen Menschen muss schnellstmöglich geholfen werden“ betont Neher.

„Die Hilfe vor Ort muss intensiviert werden. Dies allein reicht aber in der akuten Situation nicht aus. Es braucht daher dringend solidarisches Handeln und gelebte Humanität der Mitgliedstaaten der Europäischen Union“, so Neher. Gelingt es nicht, eine gesamteuropäische Lösung zu erreichen, muss Deutschland in Vorleistung treten und im Alleingang handeln.  Die Caritas unterstützt nachdrücklich die zahlreichen Initiativen von Kommunen, zivilgesellschaftlichen Organisationen und kirchlichen Akteuren in Deutschland, unverzüglich ein Kontingent unbegleiteter Minderjähriger aufzunehmen.

Zur Not sei Alleingang Deutschlands gefragt

Die Caritas bringt sich auf vielfältige Weise bei der Aufnahme, Versorgung und Integration von Geflüchteten in Deutschland ein. Auf der Insel Lesbos wiederum betreut Caritas international, das internationale Hilfswerk der Caritas, viele Menschen, die als "besonders schutzbedürftig" eingestuft wurden, darunter Folteropfer, Menschen mit Behinderung und hochschwangere Frauen. Ein Schwerpunkt der Unterstützung liegt in der psychologischen Arbeit mit Frauen und Männern, welche die Erlebnisse vor und während ihrer Flucht verarbeiten müssen.

Um derart untragbare Verhältnisse an den Außengrenzen der EU künftig zu verhindern, braucht es unbedingt ein funktionierendes gemeinsames europäisches Asylsystem, das solidarisch und humanitär ausgestaltet ist. Dies müsse der Leitgedanke für die Überlegungen zu dem von der EU-Kommission angekündigten Europäischen Asyl- und Migrationspakt sein, bekräftigt Neher.

Mehr Informationen zur Situation in den griechischen Flüchtlingslagern finden sich bei Caritas International.

Quelle: Deutscher Caritasverband e.V. vom 19.02.2020

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