Flucht und Migration / Kinder- und Jugendarbeit

Integration im Sport: Geflüchtete formulieren ihre Anliegen an Sportvereine und -verbände

Junge geflüchtete Frauen und Männer führen ein Theaterstück auf
Bild: DKJS / Dorothea Tuch   Lizenz: INT 4.0 – Namensnennung – nicht kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen CC BY-NC-SA 4.0

Junge Sportlerinnen und Sportler mit Fluchthintergrund haben auf einer Veranstaltung ihre Anliegen für mehr Teilhabe von Geflüchteten im Sport präsentiert. Das Programm „Willkommen im Fußball“ leitet auf der Basis dieser Ergebnisse fünf Handlungsempfehlungen für Vereine und Verbände ab.

Auf der Veranstaltung „Mittendrin statt außen vor“ haben Sportlerinnen und Sportler mit Fluchthintergrund ihre Anliegen für mehr Teilhabe von Geflüchteten im Sport auf kreative Weise in Form einer Theaterperformance vorgestellt. Wie leicht haben sie ein passendes Sportangebot gefunden, bei dem sie sich akzeptiert gefühlt haben? Konnten sie an diesem Angebot alle gleichberechtigt teilnehmen? Was kann in Zukunft verbessert werden?

Sport ist nicht allen Menschen zugänglich

Die geflüchteten Sportlerinnen und Sportler haben darauf hingewiesen, dass Sport längst nicht allen Menschen zugänglich ist. Oftmals fehlen geflüchteten Menschen Informationen über das komplexe Vereins- und Verbandssystem. Auch Rassismus und Vorurteile seien im Sport genauso verbreitet wie in anderen Gesellschaftsbereichen. Viele Geflüchtete möchten sich gerne in Sportvereinen engagieren – insbesondere dort, wo ihre Kompetenzen anerkannt werden und das Ehrenamt unsere vielfältige Gesellschaft widerspiegelt.

Im Anschluss an ihre Präsentation haben die jungen Geflüchteten gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Staatsministerin für Integration, der DFL Stiftung und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) über diese Anliegen im Refugio Berlin gesprochen. „Der Fußball ist für viele Geflüchtete ein neues Zuhause und schafft ein Stück Heimat. Teamgeist ist hier das Fundament und die gemeinsame Sprache. Diese Erfolgstaktik müssen wir auch jenseits des grünen Rasens für unsere Gesellschaft nutzen“, sagt Annette Widmann-Mauz, Staatsministerin für Integration.

Geflüchtete werten Erfahrungen im Sport in Deutschland aus

Die vorgestellten Anliegen haben 20 Frauen und Männer mit Fluchthintergrund im Rahmen des Programms Willkommen im Fußball entwickelt. In mehreren Workshops haben sie dafür ihre Erfahrungen im Sport in Deutschland ausgewertet. Havere Morina und Seid Ihres waren an diesem Prozess beteiligt. Beide haben im Anschluss an die Theaterperformance gemeinsam mit Dr. Heike Kahl, Vorsitzende der Geschäftsführung der DKJS und Maximilian Türck, Leiter Projekte und Kommunikation bei der DFL Stiftung, über die Ergebnisse und ihre persönlichen Erfahrungen geredet. „Sportvereine können ein enorm wichtiger Anker für Geflüchtete sein. Insbesondere, wenn sich die Vereine nicht nur als Anbieter von Trainings verstehen, sondern als soziale Player, die gut vernetzt sind und die Vielfalt der Gesellschaft bei ihren Mitgliedern und Gremien abbilden. Es ist wichtig, dass Vereine dafür die nötige Unterstützung erhalten“, erklärt Dr. Heike Kahl, Vorsitzende der Geschäftsführung der DKJS.

Handlungsempfehlungen für Vereine und Verbände

Das Programm Willkommen im Fußball fasst die Anliegen der Geflüchteten in der Publikation „Mittendrin statt außen vor: Fünf Handlungsempfehlungen für mehr Teilhabe von Geflüchteten im Sport“ (PDF 1,4 MB) zusammen. Diese Empfehlungen verdeutlichen, dass diverse Vereins- und Sportstrukturen für potenzielle Mitglieder unterrepräsentierter Gruppen besonders ermutigend und bereichert sein können. Gleichzeitig sollten die Vereine und Verbände selbstkritisch bzw. lernbereit sein und sich aktiv mit dem Thema vorurteilsbewusstes Handeln auseinandersetzen. Damit Geflüchtete den Zugang zu den entsprechenden Angeboten finden, sind Informationen über das komplexe Vereins- und Verbandssystem bzw. die Anmeldung von großer Bedeutung. Vertrauens- oder Ansprechpersonen, z.B. aus Schulen oder Beratungsstellen, können hier oftmals die passende Unterstützung geben. „Der Einsatz für den Zusammenhalt in der Gesellschaft ist der DFL Stiftung und den Clubs der Bundesliga und der 2. Bundesliga ein großes Anliegen.

Seit 2015 befähigt und motiviert unser Leuchtturmprojekt ,Willkommen im Fußball‘ junge Geflüchtete mit Angeboten aus den Bereichen Fußball, Berufsorientierung und der Qualifikation für das Ehrenamt sich in die Gesellschaft einzubringen und ein fester Bestandteil von ihr zu werden. Dass sich Teilnehmende dieses Projekts aktiv engagieren und ihre Erfahrungen einbringen, kann dem Programm nur guttun und ist ein weiterer Beleg für seinen Erfolg“, betont Stefan Kiefer, Vorstandsvorsitzender der DFL Stiftung.

Informationen zu Willkommen im Fußball

Das Programm Willkommen im Fußball ermöglicht seit 2015 jungen Geflüchteten bis 27 Jahren durch niedrigschwellige Angebote den Zugang zu Sport und unterstützt so, auch über den organisierten Fußball hinaus, die Teilhabe und das gesellschaftliche Miteinander. Das Programm setzt dabei auf Bündnisse. Dahinter steht die Kooperation eines Clubs der Bundesliga oder 2. Bundesliga mit lokalen Bildungsträgern, bürgerschaftlichen Initiativen oder kommunalen Akteuren sowie Amateurfußballvereinen. Neben regelmäßigen Trainingsangeboten bieten die lokalen Bündnisse auch Kultur-, Bildungs-, Qualifizierungs- und Vernetzungsangebote an.

Folgende Fußball-Clubs engagieren sich im Rahmen von Willkommen im Fußball: FC Augsburg, Hertha BSC, 1. FC Union Berlin, DSC Arminia Bielefeld, VfL Bochum 1848, Eintracht Braunschweig, SV Werder Bremen, SV Darmstadt 98, Borussia Dortmund, Fortuna Düsseldorf, Sport-Club Freiburg, SpVgg Greuther Fürth, Hamburger SV, FC St. Pauli, Hannover 96, FC Ingolstadt 04, RB Leipzig, Bayer 04 Leverkusen, 1. FSV Mainz 05, 1. FC Nürnberg, SC Paderborn 07, VfB Stuttgart, VfL Wolfsburg.

Willkommen im Fußball ist ein Programm der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, initiiert und gefördert von der DFL Stiftung und der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration.

Quelle: Deutsche Kinder- und Jugendstiftung vom 06.12.2019

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