Flucht und Migration / Europa

„Es reicht! Wir haben Platz!“ - Breites Bündnis fordert menschenwürdige Flüchtlingspolitik

Papierschnitt von Menschen, die gemeinsam für eine Sache demonstrieren.
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Zeitgleich finden am 20. September 2020 Demonstrationen in zahlreichen europäischen Städten statt. Mit der Aktion „Es reicht! Wir haben Platz!“ fordern über 60 Organisationen eine sofortige Evakuierung aller griechischen Lager. In mehreren deutschen Städten engagieren sich u.a. die Evangelische Kirche, Fridays for Future und der Deutsche Kinderschutzbund im Rahmen des Aktionsbündnisses.

Am 20. September um 14 Uhr ruft ein breites Bündnis, bestehend aus dem Aktionsbündnis Antirassismus, We’ll Come United, Europe Must Act, Flüchtlingsrat Berlin, Links*kanax, Migrantifa, der Paritätische, ProAsyl, SEEBRÜCKE Berlin, Wir Packen’s An und vielen weiteren Vertreterinnen und Vertretern der solidarischen Zivilgesellschaft zu einer Demonstration vom Wittenbergplatz zum Großen Stern auf, um die sofortige Evakuierung aller Menschen aus Moria und den anderen griechischen Lagern zu fordern. Zeitgleich finden Demonstrationen in zahlreichen weiteren europäischen Städten statt.

Die katastrophalen Bedingungen in Moria und anderen Lagern sind lange bekannt, die aktuelle Situation gleicht einer Eskalation, die vorhersehbar war. Vera Magali Keller von Sea Watch und Fenix auf Lesbos sagt: „Seit Tagen müssen die Menschen hier auf der Straße leben. Sie haben so gut wie keinen Zugang zu medizinischer Unterstützung, Wasser oder Essen. Unter ihnen sind Überlebende von Gewalt und Folter – und sie alle liegen auf der Straße. Das Leid hier ist Teil einer Zermürbungstaktik, damit die Menschen wieder in ein geschlossenes Camp gehen.“

Aufnahmebereitschaft von Bund und Ländern nicht blockieren

Das Bündnis fordert die Bundesregierung auf, die Aufnahmebereitschaft der Kommunen und Länder nicht länger zu blockieren. Tareq Alaows von Seebrücke Berlin sagt dazu: „Die Zeit des bequemen Verweisens auf eine nie kommende europäische Lösung ist vorbei. Deutschland kann – und muss – jetzt bei der Aufnahme vorangehen! Und zwar mit wirklichen Lösungen, und nicht in Form neugebauter Lager an den Außengrenzen. Ein weiteres Moria darf es nicht geben.”

Auch die Diakonie unterstützt die Forderungen und ruft die Bundesregierung zum Handeln auf. Präsident Ulrich Lilie sagt: „Es reicht! Jetzt muss Schluss sein mit ergebnislosen langen Verhandlungen. Unsere Werte sind am Ende, wenn wir gemeinsam Banken retten, aber nicht diese 12.000 obdachlosen und verzweifelten Flüchtlinge aus Lesbos in andere Länder evakuieren können. Es ist überdeutlich geworden: Gewalt und geschlossene Lager an europäischen Außengrenzen sind jetzt nicht die angemessene Antwort, sondern eine schnelle und faire Umverteilung innerhalb Europas.”

Mustafa von We’ll Come United bestärkt: “The German government has to lead by example and offer a real solution to this crisis. We cannot afford to wait any longer. Germany has the full responsibility for the refugees in Moria and the bad conditions they are living in now. We demand from the government to immediately open the borders and admit all refugees.”

Veranstwortungsbewusstes Demonstrieren mit Masken und Abstand

Ceren Türkmen vom Aktionsbündnis Antirassismus betont: „Das Massenleiden in Moria ist handgemacht und das Ergebnis der menschenfeindlichen deutschen Abschottungspolitik. Wir haben Platz und fordern, dass alle Lager sofort evakuiert werden. In Moria entscheidet sich, ob unsere Gesellschaft eine solidarische und demokratische für Alle sein wird, oder ob wir noch mehr Leichen im Mittelmeer versinken lassen.“

Den Veranstaltenden ist es wichtig, verantwortungsbewusstes Demonstrieren für alle Menschen zu ermöglichen. Bei der Demonstration wird die Einhaltung von Maskenpflicht und Abstandsregeln beachtet.

Das Bündnis hat in einem gemeinsamen Aufruf klare Forderungen an die Bundesregierung formuliert. Den offiziellen Aufruf sowie eine Liste der Unterzeichnerinnen und Unterzeichner finden sich auf der Website von Seebrücke.

Quelle: Diakonie Deutschland, Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung e.V. vom 15.09.2020

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