Flucht und Migration / Sozialforschung

Chancengerechtigkeit? Erforschung und Gestaltung der deutschen Migrationsgesellschaft

Eine Gruppe unterschiedlicher Personen und auch Kinder vor weißem Hintergrund
Bild: rawpixel.com

Forschung kann einen Beitrag zur empirischen Aufklärung politischer Herausforderungen in der Migrationsgesellschaft leisten. Am „Zentrum für Bildungsintegration – Diversity und Demokratie in Migrationsgesellschaften“ der Universität Hildesheim forschen und lehren Expertinnen und Experten zu Schlüsselfragen der Einwanderungsgesellschaft. Im Fokus stehen die Erforschung von Bildungsungleichheit und die Schaffung von mehr Bildungsgerechtigkeit und Teilhabe. Am 29. Januar 2020 feiert das Zentrum für Bildungsintegration sein fünfjähriges Bestehen.

Bildungsungleichheit und Schaffung von mehr Bildungsgerechtigkeit

„Die aktuellen Ergebnisse von PISA dokumentieren, dass das wichtigste Ziel der Bildungspolitik der vergangenen Jahre verfehlt wurde. Denn der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Kompetenzentwicklung konnte in Deutschland nicht weiter abgebaut werden. Immer noch ist der Bildungserfolg in Deutschland stark von den sozioökonomischen Umständen des Aufwachsens und damit vom Elternhaus abhängig. Hier sind Kinder aus Einwandererfamilien besonders betroffen, weil sie oft sozio-ökonomisch benachteiligt sind. Die Erforschung von Bildungsungleichheit und die Schaffung von mehr Bildungsgerechtigkeit bleiben daher im Fokus der Forschung am Zentrum für Bildungsintegration", sagt Professorin Viola B. Georgi. Die Erziehungswissenschaftlerin ist Expertin für Fragen der Bildung in der Einwanderungsgesellschaft und leitet das Forschungszentrum.

Diversity und Demokratie in Migrationsgesellschaften

Vor fünf Jahren hat das „Zentrum für Bildungsintegration – Diversity und Demokratie in Migrationsgesellschaften“ mit der Förderung durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur seine Arbeit aufgenommen. Durch Forschung, Lehre und Transfer konnten seither wichtige Impulse für die Erforschung und Gestaltung der deutschen Migrationsgesellschaft gegeben werden.

Im Fokus der Forschung stehen unter anderem interkulturelle Schul- und Unterrichtsentwicklung, Mehrsprachigkeit, Bildungsungleichheit, historisch-politisches Lernen, Bildungsmedien, kommunale Integrationspolitik, kulturelle Bildung, Integration durch Sport und transkulturelle Musikbildung.

Zur Arbeit des Zentrums gehören Forschungs- und Transferprojekte mit regionalen, nationalen und internationalen Partnern, ein Promotionskolleg, Tagungen, Publikationen und die Lehre im Bereich Migration und Partizipation. Vielfältige Kooperationen mit wissenschaftlichen, politischen, zivilgesellschaftlichen und kulturellen Akteuren haben das Zentrum zu einer wichtigen Plattform für Forschung und Austausch zu Chancengerechtigkeit und Teilhabe in der deutschen Migrationsgesellschaft gemacht.

15 Doktorandinnen und Doktoranden befassen sich im Rahmen des „Promotionskollegs Bildungsintegration“ in ihren Dissertationen mit wichtigen bildungspolitischen Fragestellungen der Migrationsgesellschaft.

Festakt am 29. Januar 2020

Die Feierstunde beginnt am Mittwoch, 29. Januar, um 16:00 Uhr im Atrium im Forum am Universitätsplatz. Professorin Naika Foroutan hält den Festvortrag „Die postmigrantische Gesellschaft. Ein Versprechen der pluralen Demokratie“. Naika Foroutan ist Professorin für Integrationsforschung und Gesellschaftspolitik an der Humboldt-Universität zu Berlin,  Direktorin des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) und Leiterin des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) e.V.

Stellungnahme von Prof. Dr. Viola B. Georgi, Direktorin des Zentrums für Bildungsintegration:

„In Sachen Bildungsintegration bleibt viel zu tun. Wir sind noch lange nicht am Ziel“

„Die aktuellen Ergebnisse von PISA dokumentieren, dass das wichtigste Ziel der Bildungspolitik der vergangenen Jahre verfehlt wurde. Denn der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Kompetenzentwicklung konnte in Deutschland nicht weiter abgebaut werden. Immer noch ist der Bildungserfolg in Deutschland stark von den sozioökonomischen Umständen des Aufwachsens und damit vom Elternhaus abhängig. Hier sind Kinder aus Einwandererfamilien besonders betroffen, weil sie oft sozio-ökonomisch benachteiligt sind. Die Erforschung von Bildungsungleichheit und die Schaffung von mehr Bildungsgerechtigkeit bleiben daher im Fokus der Forschung am Zentrum für Bildungsintegration.

Unsere Demokratie steht auf dem Prüfstand. Wir beobachten eine zunehmende politische und gesellschaftliche Polarisierung. Populistische Parteien und nationalistische Bewegungen verstärken diese Entwicklung und schüren sämtliche Formen von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, die immer häufiger auch in Hasskriminalität übersetzt wird. Wir stehen vor einer schwierigen und komplexen Aufgabe und haben viel zu tun, wenn es um den Erhalt unserer Demokratie, die Achtung der Menschenrechte und die Wertschätzung und Akzeptanz von Diversität geht. Politische Debatten, besonders zum Thema Migration und Integration, werden verschärft geführt und verschiedene gesellschaftliche Gruppen und soziale Milieus stehen zunehmend gegen- oder nebeneinander. Hier wird besonders deutlich spürbar, dass dem Politischen nicht hintergehbare Momente des Dissenses innewohnen, die sich nicht auflösen lassen und daher innerhalb einer demokratischen Streitkultur bearbeitet werden müssen. Hierzu wollen wir als ZBI einen Beitrag leisten, innerhalb unserer Hochschule und darüber hinaus.

Intensiv diskutieren wir über die gesellschaftlichen Integrationsprozesse all derjenigen, die seit 2015 als Flüchtlinge anerkannt wurden und damit ein langfristiges Aufenthaltsrecht in Deutschland erhielten. Zentral sind dabei z.B. Fragen nach der gesellschaftlichen Teilhabe, der Ermöglichung vielfältiger Bildungswege, der sprachlichen und beruflichen Weiterqualifikation, der Anerkennung im Ausland erworbener Qualifikationen und der Vermittlung von demokratischen Werten und rechtlichen Grundlagen der deutschen Verfassung. Es geht aber auch darum, Räume für Begegnung und Dialog zu schaffen, in denen die Geschichten, Hoffnungen und Aspirationen der zugewanderten Menschen artikuliert werden können. Das ZBI greift die hieraus erwachsenden Themen auf und übersetzt sie in Forschung, Lehre und Transfer.“

Quelle: Stiftung Universität Hildesheim vom 27.01.2020

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