Flucht und Migration / Jugendsozialarbeit

BAG EJSA zum Bildungsbericht: Integrationsleistungen verstärken und Zugang zu Bildung erleichtern

Kinderhand bedient Abacus

„Es reicht nicht, das Problem zu benennen“, sagt Michael Fähndrich, Geschäftsführer der Bundessarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit (BAG EJSA) nach einer ersten Sichtung der Ergebnisse aus dem vierten nationalen Bildungsbericht „Bildung in Deutschland 2012“, der am 22. Juni vorgestellt wurde. „Es müssen dringend gezielte Anstrengungen unternommen werden, um jungen Menschen mit Migrationshintergrund den Übergang von Schule und Ausbildung in das Erwerbsleben zu ermöglichen.“

Die BAG EJSA will bei ihrer Einschätzung der Ergebnisse aus dem Bildungsbericht 2012 besonders auf zwei Aspekte aufmerksam machen:

Integrationsleistungen im Bildungssystem müssen erhöht werden

Aufgrund der demografischen Entwicklung steigt der Anteil von Personen mit Migrationshintergrund in der jüngeren Bevölkerung seit Jahren an. Die Autoren des Bildungsberichts 2012 weisen daher auf die Herausforderungen für das Bildungswesen hin. In diesem, aber auch in den bisher erschienenen nationalen Bildungsberichten, werden junge Menschen mit Migrationshintergrund in Bezug auf Bildungsabschlüsse und den Einstieg ins Erwerbsleben immer wieder als „Problemgruppe“ benannt.

Es hilft nicht weiter, wenn immer wieder einzelnen Personengruppen die Probleme zugewiesen werden. Damit werden die eigentlichen Gründe wie z. B. sozio-ökonomische Ursachen und die frühzeitige Selektion im Schulsystem ausgeblendet. „Diese jungen Menschen sind ein Teil der Zukunft unseres Landes. Deswegen müssen die Integrationsleistungen im Bildungssystem verbessert werden“, sagt Michael Fähndrich.

Die Arbeit der Jugendmigrationsdienste (JMD, www.jmd-portal.de) leistet hier seit vielen Jahren einen wertvollen Beitrag zur Integration. In Zusammenarbeit mit Schulen, anderen Bildungseinrichtungen; Kompetenzagenturen, Betrieben und weiteren AkteurInnen in den Kommunen, setzen sie sich mit dafür ein, dass alle jungen Menschen im Bildungsprozess erfolgreich sind und den Einstieg in das Erwerbsleben schaffen.

Flächendeckende Bildungs- und Förderangebote sind im demografischen Wandel besonders wichtig

Der Bildungsbericht 2012 weist auch auf den Rückgang der allgemeinbildenden Schulen in Ostdeutschland hin. Nicht nur bei den Schulen gibt es einen Rückgang. Auch die Angebote der Jugendhilfe würden als Folge der demografischen Entwicklung und wegen Ausgabenkürzungen in den Haushalten von Ländern und Kommunen dramatisch zurückgefahren, so Michael Fähndrich. Besonders fatal sei dies für die ostdeutschen Bundesländer, in denen junge Menschen die Auswirkungen deutlich spüren. Schon jetzt sei es dort in den ländlichen Regionen für einen wachsenden Anteil von ihnen schwer oder sogar unmöglich, Bildungs- und Förderangebote zu erreichen.

Welche Strategien und Konzepte nötig und hilfreich sind, hier demokratische Bildungsansätze zu stärken und der demografischen Entwicklung Rechnung zu tragen, wird zurzeit in dem Projekt „Demokratische Jugendhilfe im de-mografischen Wandel (DEMO)“ der BAG EJSA erkundet (www.bagejsa.de/handlungsfelder/modellprojekte/demo/).

„Sieht man Bildung als Investition in die Zukunft und als eine Antwort auf die Herausforderungen des demografischen Wandels“, so Michael Fähndrich, „dann müssen sowohl die schulischen als auch die außerschulischen Bildungsangebote und die Förderangebote, die benachteiligten jungen Menschen den Zugang zu Bildung erleichtern, flächendeckend in guter Qualität erhalten und ausgebaut werden.“

Mehr Informationen zum Bildungsbericht: www.bildungsbericht.de

Quelle: Bundessarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit (BAG EJSA)

Info-Pool