Flucht und Migration / Sozialforschung

Antidiskriminierungsstelle besorgt über Antiziganismus

Grafik: Menschkreis schließt Figur anderer Farbe aus
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Vorurteile gegen Sinti und Roma sind in Deutschland weit verbreitet – und sie prägen in Teilen die Berichterstattung. Das ist das Ergebnis einer Studie zu „Antiziganismus in der deutschen Öffentlichkeit“.

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Die vom Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Auftrag gegebene Studie befasst sich mit subtilen Formen von Ressentiments und Denkstrukturen. An Beispielen wie dem Thema "Armutszuwanderung" und dem "Fall Maria", eines blonden Roma-Mädchens, wird aufgezeigt, wie tief verwurzelt antiziganistische Denkmuster sind und stereotype Vorstellungen bedient werden. Die Schlussfolgerung des Autoren der Studie, Markus End: In der Medienlandschaft gibt es nur wenig Sensibilität für antiziganistische Aussagen und Darstellungen. Er fordert Medienschaffende auf, ihre Rolle und Verantwortung stärker zu reflektieren.

"Die vorliegende Studie muss uns zu denken geben, weil sie aufzeigt, wie tief Vorurteile gegen die größte Minderheit Europas bei uns verankert sind", sagte die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, bei der Vorstellung der Studie. Kaum eine andere Gruppe in Deutschland sei so sehr von Diskriminierung betroffen wie Sinti und Roma. Als Beispiele nannte sie Benachteiligungen am Arbeitsmarkt sowie im Umgang mit der Polizei.

Zugleich sprach sich Lüders dafür aus, in den Wahlgesetzen der Länder eine Rechtsgrundlage für ein Verbot rassistischer Wahlwerbung zu schaffen. Außerdem plädierte sie für eine stärkere Einbindung der Minderheit in öffentlich-rechtliche Gremien, etwa in den Rundfunkräten. Sinnvoll seien auch Staatsverträge der Länder, die Minderheitenrechte und eine kulturelle Förderung festschrieben. Baden-Württemberg, Hessen, Bayern, Rheinland-Pfalz, Bremen und Schleswig-Holstein gingen hier mit gutem Beispiel voran.

Am 3. September will die Antidiskriminierungsstelle gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, die Großstudie „Bevölkerungseinstellungen zu Sinti und Roma“ vorstellen. Die von der ADS in Auftrag gegebene Studie schließt wichtige Forschungslücken zu Vorurteilen in Deutschland gegenüber Europas größter Minderheit.

Hier kann die Kurzfassung und die Langfassung der Studie heruntergeladen werden.

Quelle: Antidiskriminierungstelle des Bundes

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