Flucht und Migration / Sozialforschung

Ankommen im Alltag? Report zur Lebenswelt und Integration jugendlicher Geflüchteter

Ein Student afrikanischer Herkunft sitzt auf einer Treppe und liest in einem Buch.
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Für junge Geflüchtete haben sich in den letzten Jahren umfangreiche Unterstützungsstrukturen gebildet, wie die Internationalen Förderklassen in den NRW-Berufskollegs, in denen Lehrkräfte und Sozialpädagogen engagierte Arbeit leisten. Aber in einem normalen Leben sind viele dieser Jugendlichen noch nicht angekommen. Es gibt Knackpunkte, die das Einleben in der fremden Kultur erschweren, und Herausforderungen im Behördenalltag, bei Wohnen, Mobilität und Gesundheitsversorgung. Das zeigt ein aktueller Report aus dem Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen (UDE).

Die bildungs- und arbeitsweltliche Integration von jungen Geflüchteten setzt das Mitdenken von Einflüssen weiterer Lebensbereiche voraus, da sie gesellschaftliche Teilhabe maßgeblich mitbeeinflussen.

Während sich in den Bereichen Bildung und Arbeit in den letzten Jahren Unterstützungsstrukturen für junge Geflüchtete gebildet und weiterentwickelt haben, gibt es in Bezug auf lebensweltliche Herausforderungen weniger strukturelle Unterstützungsmöglichkeiten und wenig aktuelle Impulse, dass sich diese entwickeln.

Lebensweltliche Aspekte von besonderer Bedeutung

Die IAQ-Forscherinnen Karola Köhling und Marina Ruth haben die Situation jugendlicher Geflüchteter und ihre Integration in Schule und Arbeitsleben untersucht und analysiert, was die Arbeit von Akteuren aus Bildungssystem, Arbeitsverwaltung und Jugendhilfe beeinflusst. Dabei zeigte sich, dass neben Schul- und Arbeitswelt auch die lebensweltlichen Aspekte von besonderer Bedeutung sind. „Junge Geflüchtete erleben teilweise erhebliche Einschränkungen, weil Angebote fehlen. Sie sind auf das Engagement von Mitarbeiter/-innen in verschiedenen Institutionen oder Betrieben und aus der Zivilgesellschaft angewiesen, um in den unterschiedlichsten Lebensbereichen klar zu kommen“, so die Autorinnen.

Unterstützung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge oft nur bis 18 Jahre

Sie stellten verschiedene Problemfelder fest: So wird die Unterstützung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge lokal sehr unterschiedlich gehandhabt und oft nur bis zum Alter von 18 Jahren gewährt. Für junge Männer ist vor allem die Wohnsituation schwierig, insbesondere wenn der Auszug aus einer Gemeinschaftsunterkunft (aufgrund aufenthaltsrechtlicher Regelungen) nicht möglich ist und dort Rückzugs- und Lernorte fehlen.

Engpässe im lokalen Wohnungsmarkt können dazu führen, dass junge Geflüchtete mit der Volljährigkeit wohnungslos werden, weil z.B. Jugendhilfeleistungen eingestellt werden. Insbesondere Frauen drohen durch eine Schwangerschaft ausgeschlossen zu werden, da begonnene Sprachkurse und Schulbesuche abgebrochen werden (müssen).

NRW startet Initiative „Gemeinsam klappt’s“

Aufgrund des dringenden Handlungsbedarfs hat das Land NRW die Initiative „Gemeinsam klappt’s“ unter Federführung des Ministeriums für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration initiiert. Durch lokale Bündnisse sollen die Integrationschancen von jungen Geflüchteten zwischen 18 und 27 Jahren verbessert werden, wobei neben der Integration in Arbeit und Ausbildung auch lebensweltliche Aspekte aktiv miteinbezogen werden. Die Landesinitiative wird vom IAQ wissenschaftlich begleitet.

Weitere Informationenstehen auf den Seiten der Universität Duisburg-Essen zur Verfügung.

Kontakt

Dr. Karola Köhling, Tel. 0203/37 91839, karola.koehling@uni-due.de;
Marina Ruth, Tel. 0203/37 91817, marina.ruth@uni-due.de

Quelle: Universität Duisburg-Essen vom 10.03.2020

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