Flucht und Migration / Coronavirus

Aktionsgemeinschaft Junge Flüchtlinge NRW: Dezentrale Unterbringung jetzt!

Jugendlicher afrikanischer Herkunft sitzt mit dem Kopf auf die Knie gestützt an einer Mauer auf der Strasse.
Bild: © Daniel Ernst - fotolia.com

Das Coronavirus bedroht Geflüchtete Kinder und Jugendliche in Flüchtlingscamps an Europas Außengrenzen und in Aufnahmeeinrichtungen in Deutschland. Die Aktionsgemeinschaft Junge Flüchtlinge NRW appelliert an politische Entscheidungsträger, junge Geflüchtete vor Corona und Traumata zu schützen.

Die derzeitige Situation geflüchteter Menschen an den europäischen Außengrenzen hat sich durch die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie noch einmal enorm verschärft. In den grenznahen Flüchtlingscamps muss die Lage aufgrund der hygienischen und psychosozialen Bedingungen sogar als humanitäre Krise bewertet werden. Insbesondere die etwa 7.000 Kinder und Jugendlichen im Flüchtlingslager in Lesbos sind von körperlicher und sexualisierter Gewalt, Erkrankung und Traumatisierung bedroht. Über 1.000 von ihnen sind zudem als „Unbegleitete Minderjährige“ auf sich allein gestellt. Vor diesem Hintergrund wirkt das wochenlange und zähe Ringen der Bundesregierung über die Aufnahme von lediglich 47 unbegleiteten Minderjährigen am 18.04.2020 geradezu zynisch. Auch wenn das Land NRW sich bereit erklärt hat, mehrere hundert Geflüchtete aufzunehmen, müssen dem schnell Taten folgen.
 
Ferner ist die Situation in den Zentralen Unterbringungseinrichtungen in NRW für Kinder und Jugendliche traumatisierend und gefährdend. Mehrbettzimmer, fehlende Rückzugsmöglichkeiten und die Benutzung der Sanitäranlagen von vielen Personen bieten derzeit nicht die notwendigen Hygienestandards. In der Erstaufnahmeeinrichtung in Euskirchen wurden bereits 48 Personen positiv auf das Coronavirus getestet. Alle der rund 300 Bewohner/-innen stehen nun unter
Quarantäne. Kinder und Jugendliche sind in dieser Situation nicht nur von einer Ansteckung mit dem Coronavirus bedroht. Am 19.03.2020 setzte das Land NRW per Erlass die Zuweisung von Asylsuchenden in die Kommunen aus. Dadurch bleiben die ohnehin geringen Teilhabechancen an Bildung, Förderung und Freizeitangeboten noch länger eingeschränkt.

Forderungen der Aktionsgemeinschaft

Die Aktionsgemeinschaft Junge Flüchtlinge NRW

  • fordert die Räumung der grenznahen Flüchtlingscamps und insbesondere die beschleunigte Aufnahme – auch in NRW – von Kindern und Jugendlichen in dieser Krisensituation
  • appelliert an die Landesregierung, es umgehend zu ermöglichen, dass Kinder, Jugendliche und Familien mit Kindern, unabhängig von ihrer Bleibeperspektive, in die Kommunen zugewiesen und dezentral in Wohnungen untergebracht werden!
  • fordert mit Blick auf junge Geflüchtete die Schaffung von menschen- und kinderrechtskonformen Lebensbedingungen sowie Teilhabechancen – auch in der Krise!

Weitere Informationen

Informationen über die Aktionsgemeinschaft Junge Flüchtlinge in NRW sind auf der Webseite des Paritätischen zu finden.

Zur Aktionsgemeinschaft Junge Flüchtlinge in NRW gehören: Arbeitsgemeinschaft der evangelischen Jugend in NRW, Arbeitsgemeinschaft Offene Türen NRW e.V., Bund der Deutschen Katholischen Jugend NRW e.V., Deutscher Kinderschutzbund Landesverband NRW e.V., Diözesancaritasverbände in NRW, Jugendliche ohne Grenzen NRW (JOG), Katholische Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz NRW e.V., Landesarbeitsgemeinschaft Jugendsozialarbeit NRW, Landesjugendring Nordrhein-Westfalen e.V., Landesvereinigung Kulturelle Jugendarbeit NRW e.V., Paritätisches Jugendwerk NRW

Quelle: Aktionsgemeinschaft Junge Flüchtlinge in NRW

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