Flucht und Migration / Freiwilliges Engagement

5 Jahre Sommer der Migration: „Beachtliche Erfolge dürfen nicht klein geredet werden“

Eine Familie mit Gepäck ist als Schatten auf einer Mauer zu sehen.
Bild: © Jonathan Stutz - fotolia.com

Vor fünf Jahren ging eine große Solidaritätswelle durch Deutschland. Auch heute engagieren sich immer noch viele Menschen haupt- und ehrenamtlich für Geflüchtete. Und es gibt viele gelungene Integrationsgeschichten. Die Caritas blickt zurück und fordert, weiter daran zu arbeiten, Integrationshürden zu überwinden.

„Mit Corona sind wir wieder in einer Situation, welche die gesamte Gesellschaft vor große Herausforderungen stellt. Die Kreativität, die Flexibilität und die Solidarität von damals sind auch jetzt gefragt“, sagt Caritas-Präsident Peter Neher.

Hürden zur Integration beseitigen

Neher warnt zugleich davor, dass sich politische Entscheidungsträger von jenen treiben lassen, die Angst und Vorurteile gegenüber Menschen in Not schüren. „Wir fordern von den politisch Verantwortlichen, dass sie weiter daran arbeiten, die Hürden zur Integration zu überwinden“, so der Caritas-Präsident. „Rückblickend können wir feststellen, dass weder alle Befürchtungen eingetreten sind, noch dass sich alle Hoffnungen von damals erfüllt haben. Aber bei der Caritas wissen wir um die vielen gelungenen Geschichten der Integration und des Ankommens. Aus den Menschen, die damals Schutz bei uns gesucht haben, sind Nachbarn, Kolleginnen und Kollegen, und nicht selten sogar Freunde geworden.“

Aufbruchsstimmung trotz Anfeindungen

Im Sommer und Herbst 2015 zeigte sich die Zivilgesellschaft in Deutschland von ihrer starken Seite. Das freiwillige Engagement trug maßgeblich dazu bei, die Überlastung der Hilfestrukturen auszugleichen. Haupt- und Ehrenamtliche, staatliche Stellen, Kirchen, Wohlfahrtsverbände und Zivilgesellschaft arbeiteten Hand in Hand. Trotz vieler Probleme und Herausforderungen – zum Beispiel die zu lange Unterbringung in Zelten oder Turnhallen, die Anfeindungen gegenüber Schutzsuchenden und Helfer(inne)n aber auch ungenügende Grenzkontrollen – war die Zeit von einer positiven Aufbruchsstimmung geprägt. Negative, pessimistische und teilweise menschenverachtende Stimmen drohen manchmal die Diskussionen in unserem Land zu dominieren. „Angst und Vorurteile dürfen die öffentliche Diskussion und die politischen Entscheidungen rund um Migration und Integration aber nicht beherrschen. Das müssen wir verhindern“, unterstreicht Neher.

„Das tut weh“

„Ich habe damals unglaublich viel Hilfe erfahren“, erzählt Walid Al Jarjiri, der im Oktober 2015 nach Wolfenbüttel kam. "Ich habe hier eine neue Heimat gefunden und unheimlich viel gelernt. Aber ich merke, es hat sich etwas geändert. Einige Menschen hier denken: ‘Die Flüchtlinge sind alle nach Deutschland gekommen, um unser Geld zu nehmen.‘ Das tut weh.“

Interviews: www.caritas.de/sommer-der-migration

Film der Caritas NRW: So kann Integration in einer toleranten und gastfreundlichen Gesellschaft gelingen

Quelle: Deutscher Caritasverband e.V. vom 26.08.2020

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