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Europa / Kinder- und Jugendpolitik

#Youth4Climate Ostbelgien: Tut die Politik genug für den Klimaschutz?

Viele Jugendliche halten leere Sprech- und Gedankenblasen hoch
Bild: © PHOTOMORPHIC PTE. LTD. - Fotolia.com

Jugendliche und Politiker tauschten sich am 25. Oktober 2019 im Parlament der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens über Klimafragen, Umweltschutz und Konsumverhalten aus. Dass Taten zählen, stand außer Frage. Wie man aber persönliche Gewohnheiten umwerfen kann oder ob die Politik dazu etwas regeln muss, daran schieden sich die Geister.

Auf Einladung des Parlaments waren Jugendliche aus Ostbelgien in den Plenarsaal gekommen, um zu hören, welche konkreten Antworten Politiker auf die Fragen zum Thema Klimaschutz haben. Seit Monaten gehen in Europa Jugendliche auf die Straße, um für mehr Klimaschutz und besseres Konsumverhalten zu demonstrieren. Am 4. April 2019 hatte das Parlament bereits zu einer Anhörung der Jugendlichen eingeladen. Die Politik hielt sich damals zurück. Nun aber sollten die Politiker sehr konkret auf die Anliegen der Jugend antworten.

Lebendige Demokratie besteht aus Austausch

Karl-Heinz Lambertz begrüßte die rund 25 Teilnehmer an der Veranstaltung. Der Einsatz der Jugendlichen weltweit habe einen bedeutenden Eindruck hinterlassen, bescheinigte der Parlamentspräsident. Lebendige Demokratie bestehe aus Austausch und es sei wichtig, auch über das Thema Klimawandel zu reden.
 
Auf dem Podium waren verschiedene Entscheidungsebenen und alle im PDG vertretenen Fraktionen anwesend. Bürgermeister Erwin Güsting (Raeren) vertrat die Gemeinde, Anne Kelleter (ECOLO) sprach für die Region. Für das Parlament saßen Freddy Cremer (ProDG), Jerôme Franssen (CSP), Charles Servaty (SP), Michael Balter (VIVANT) und Gregor Freches (PFF) auf dem Podium. Die Regierung wurde von Daniel Hilligsmann vertreten.

„Warum tut ihr nichts?“

Den gleich zu Eingang geäußerten Vorwurf, dass die Politik nichts tue, wollten die Politiker nicht stehen lassen. Es gebe in den Parteiprogrammen Maßnahmen für den Klimaschutz, sagten die einen. Viel zu wenig, sagten die anderen. Aber nicht nur die Politik sei gefordert, sondern jeder Bürger müsse etwas tun. Dennoch, die Jugendlichen blieben am Ball und ließen nicht locker. „Warum macht ihr nichts, wenn ihr doch einen Plan habt?“, stutzte eine Schülerin. Die Diskussion wurde dann lebhaft und ging auf zahlreiche konkrete Punkte ein, von der Mülltrennung zu alternativen Energien.

Für den Klimaschutz zusammenarbeiten

Dass sich auf kommunaler Ebene einiges bewege, bescheinigten Daniel Hilligsmann und Erwin Güsting. Für den „Integrierten Energie- und Klimaplan“ hätten alle ostbelgischen Gemeinden eine Zusammenarbeit vereinbart. Man müsse sich zusammentun, um die Ziele zu erreichen. In den Gemeinden würden zahlreiche Maßnahmen direkt umgesetzt, von den Solaranlagen auf Gemeindegebäuden bis hin zur Anpflanzung klimafreundlicheren Mischwaldes, bescheinigte der Bürgermeister.

Die Umsetzung von Maßnahmen sei allerdings nicht immer beliebt, gab Anne Kelleter zu bedenken, da sie Einschnitte in den Alltag der Menschen zur Folge hätte und zum Teil finanzielle Auswirkungen habe. Höhere Steuern für klimaschädliche Fahrzeuge zum Beispiel, kämen erstmal nicht gut an.

Konkret und persönlich – was tun Sie?

„Was tun sie selber für die Umwelt?“, wollte eine Jugendliche wissen. Bäume pflanzen oder pflanzen lassen, Energie einsparen, LED Leuchten nutzen, Photovoltaik einsetzen, seine Lebensweise anpassen, regional essen – die Politiker hatten viele praktische Antworten.

Die Fragen der Jugendlichen an die Politik betrafen sehr konkrete Maßnahmen und deckten das gesamte Spektrum des Konsumverhaltens ab. Die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel, die Einrichtung besserer Fahrradwege, Mitfahrbänke, Mülltrennung und weitere Projekte wurden angesprochen.

Kontroverse Themen

Bei bestimmten Fragen wurde die Diskussion recht kontrovers. „Was halten Sie von der Fridays for future Bewegung?“ war eine davon. Die Meinungen der Politiker gingen zum Teil weit auseinander. Während die einen das Engagement der Jugend für wichtig und bewundernswert hielten, waren andere eher skeptisch. Jugendliche und alle, die an den Protesten teilnehmen, müssten sich mehr über die Hintergründe informieren. Ein kritisches Engagement sei gefragt. Und die Tatsache, dass die Jugend in der Schulzeit demonstriere, traf auch nicht bei allen Teilnehmenden auf Unterstützung.

Fazit

„Tut die Politik genug in Sachen Klimaschutz?“, wurden die Teilnehmern zu Beginn der Veranstaltung gefragt. Nein, sagten 100% der jungen Gäste zu Beginn der Diskussion. Und auch am Ende der Debatte waren die meisten noch davon überzeugt, dass da noch mehr geht, nämlich 87%. Die Politiker versprachen, am Ball zu bleiben. Klimaschutz werde im Alltag gemacht und man müsse an einem Strang ziehen, um Maßnahmen umzusetzen und damit etwas zu erreichen. Auch die Deutschsprachige Gemeinschaft könne einiges erreichen, auch in ihren Politikbereichen.

Quelle: Parlament der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens

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