Sie sind hier: Startseite  Im Fokus  Europa

Europa / Bildungspolitik

Stärkerer Akzent auf Bildung und Forschung im EU-Haushalt gefordert

Eine Flagge der Europäischen Union vor blauem Himmel
Bild: Christian Wiediger - unsplash.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Die für Bildung und Forschung vorgesehenen Fördermittel des neuen siebenjährigen EU-Finanzrahmens und des Corona-Konjunkturprogramms „Next Generation EU“ bleiben aus Sicht der Wissenschaftsorganisationen DAAD, DFG und HRK bislang klar hinter den Erwartungen und künftigen Erfordernissen zurück. Sie fordern Nachbesserungen, um die Programme „Horizon Europe“ und „Erasmus+“ finanziell besser auszustatten.

Die Hochschulrektorenkonferenz, die Deutsche Forschungsgemeinschaft und der Deutsche Akademische Austauschdienst begrüßen, dass das EU-Parlament fraktionsübergreifend Nachbesserungen für mehr Innovationskraft und eine erfolgreiche Krisenbewältigung anmahnt. DFG-Präsidentin Prof. Dr. Katja Becker, HRK-Präsident Prof. Dr. Peter-André Alt und DAAD-Präsident Prof. Dr. Joybrato Mukherjee fordern, die Programme „Horizon Europe“ und „Erasmus+“ finanziell besser auszugestalten, um den europäischen Wissenschaftsstandort langfristig zu sichern und zu stärken.

Prof. Dr. Peter-André Alt, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK): „Wir begrüßen, dass die europäischen Regierungschefs eine Einigung erzielt haben und die EU eine gemeinsame Antwort auf die Corona-Krise geben kann. Das einzigartige Paket aus Wiederaufbauplan und mehrjährigem Finanzrahmen ist jedoch noch zu wenig auf die Zukunft ausgerichtet. Dafür ist ein stärkerer Akzent auf Bildung und erkenntnisgeleitete Forschung unerlässlich. Hier liegen die Grundlagen für Innovation und eine erfolgreiche Krisenbewältigung, was erfreulicherweise auch im EU-Parlament fraktionsübergreifend so gesehen wird. Notwendig ist eine gezielte Erhöhung der Fördermittel für die europäische Wissenschaft, insbesondere ein ausgewogenes ‚Horizon Europe‘-Programm. Ich appelliere an die Bundesregierung, im Sinne des Ziels der eigenen Ratspräsidentschaft für ein nachhaltigeres und innovativeres Europa, die Initiative des Europaparlaments zu unterstützen.“

Die Präsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Prof. Dr. Katja Becker: „Die EU-Kommission und insbesondere die deutsche Ratspräsidentschaft haben sich mit dem Begriff Resilienz hohe Ziele zur Bewältigung unterschiedlicher Dimensionen von Krisen in der EU gesetzt. Dies reicht von der aktuellen Pandemie über ökonomische Herausforderungen bis hin zu Fragen der Rechtsstaatlichkeit und der Souveränität. Diese Dimensionen zeigen besonders deutlich, wie wichtig unabhängige und neugiergetriebene Forschung ist. Nur auf Basis eines breit angelegten Wissensspeichers können passgenaue Antworten auf die aktuell brennenden Fragen der EU erarbeitet werden und gerade aus dieser Erkenntnis heraus ist nun Weitsichtigkeit in der Forschungsfinanzierung gefordert. Mangelnde Investitionen in die Forschung würden Europa auf systemischer Ebene langfristig schwächen. Die Ziele der Europäischen Union können daher nur mit einem starken Forschungsbudget erreicht werden, das die Breite der Forschungsansätze ausschöpft und die Grundlagenforschung – die durch die geringe Zuwendung über den ‚Next Generation‘ Recovery Fund ohnehin geschwächt wird – adäquat ausstattet.“

Prof. Dr. Joybrato Mukherjee, Präsident des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD): „Wir brauchen gut ausgebildete, mehrsprachige und interkulturell erfahrene junge Menschen für die Zukunfts- und die Innovationsfähigkeit Europas. Deshalb ist es enttäuschend und nicht angemessen, dass das beschlossene Budget für Erasmus+ und Horizon Europe hinter den notwendigen und auch schon veranschlagten Aufwüchsen zurückbleibt. Der DAAD unterstützt daher die Forderung des Europäischen Parlaments, die geplanten Budgets für diese beiden Programme aufzustocken. Für ein inklusiveres, digitales und nachhaltigeres Erasmus+ Programm ist die ursprünglich geplante Verdopplung des Budgets zielführend. In diesem Zusammenhang sehen wir mit besonderer Sorge die Gefährdung von neuen Initiativen wie den Europäischen Hochschulnetzwerken. Diese bereits erfolgreich im Erasmus+ Programm begonnene Initiative ist schon jetzt unterfinanziert.“

Quelle: Hochschulrektorenkonferenz, Deutsche Forschungsgemeinschaft und Deutscher Akademischer Austauschdienst vom 24.07.2020

Info-Pool