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Europa / Bildungspolitik

Saarländischer Bildungsminister wird Beauftragter der Länder im EU-Ministerrat

Europaflagge vor blauen Himmel
Bild: © moonrun - fotolia.com

Ulrich Commerçon, saarländischer Bildungsminister, ist als Beauftragter der Länder für den Bereich Bildung im Rat der Europäischen Union benannt worden. Schwerpunkte seiner Arbeit auf EU-Ebene werden u.a. die Förderung der Sprachkompetenzen, die Medienkompetenzförderung sowie die Weiterentwicklung der Teilhabe an hochwertiger Bildung sein.

Der saarländische Bildungsminister Ulrich Commerçon ist als Beauftragter der Länder für den Bereich Bildung im Rat der Europäischen Union benannt worden. Somit vertritt Minister Commerçon offiziell die Interessen der Länder der Bundesrepublik Deutschland im Rat „Bildung, Jugend, Kultur und Sport“ und wirkt in herausgehobener Position an Verhandlungen auf der europäischen Ebene mit.

Mehr Bildungsgerechtigkeit

„Mein übergeordnetes Ziel ist mehr Bildungsgerechtigkeit in Europa. Es ist eine Zumutung, dass heutzutage der Zugang zu hochwertiger Bildung immer noch vom Geschlecht, ethnischer oder sozialer Herkunft, ökonomischer Leistungsfähigkeit und religiöser oder politischer Anschauung abhängt. In Europa darf für den Bildungserfolg auch nicht entscheidend sein, in welchem Land Kinder und Jugendliche aufwachsen. Wir brauchen gleiche Chancen für alle Kinder. Und da haben wir noch viel zu tun“, betont Commerçon.

Jugendarbeitslosigkeit in Europa

Das Problem der grassierenden Jugendarbeitslosigkeit in Europa ist für den saarländischen Bildungsminister eines der zentralen Handlungsfelder innerhalb der Europäischen Union. Commerçon: „Wir müssen die Probleme junger Menschen auf dem europäischen Arbeitsmarkt anpacken. Unser Ziel muss es sein, dass junge Menschen in ganz Europa ihre Zukunft und ihr Glück selbst in die Hand nehmen können. Dazu brauchen sie Zugang zu hochwertiger Bildung, mit der sie eine Berufsausbildung oder ein Studium erfolgreich abschließen können. Denn Bildung dient nicht nur dem beruflichen Erfolg, sondern zunächst einmal der eigenen Persönlichkeitsentwicklung und führt zu einem selbstbestimmten Leben.“

In Europa könne die Bundesrepublik Deutschland mit ihrem Erfolgsmodell der dualen Ausbildung vielfältige Erfahrungen einbringen. Das gilt auch für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit, die im Saarland schon seit langem Praxis ist: „Das Saarland ist mit seiner Tradition der deutsch-französischen Partnerschaften im Kultur-, Schul-, Hochschul- und Berufsbildungswesen beispielgebend für grenzüberschreitende Zusammenarbeit“, sagt Commerçon.

Frankreichstrategie des Saarlandes

Mit der Frankreichstrategie hat sich das Saarland unter anderem das Ziel gesetzt, dass Französisch innerhalb einer Generation zur zweiten Umgangs- und Bildungssprache wird.

Motor für dieses Ziel sind dabei die Kindertagesstätten und Schulen. Ein bundesweites Alleinstellungsmerkmal ist, dass in mehr als einem Viertel aller Grundschulen Französisch ab Klasse 1 und an allen anderen Grundschulen ab Klasse 3 unterrichtet wird. An den weiterführenden Schulen lernen zudem alle Schülerinnen und Schüler Französisch und Englisch. In rund 200 Kindergärten – über 40 Prozent der saarländischen Kitas – wird Französisch bereits jetzt schon ganz selbstverständlich in den Tagesablauf integriert.

Saarland als europaweit anerkanntes Best-Practice-Beispiel

„Im Saarland kann man spüren, was die Idee Europas ausmacht“, sagt Commerçon. Die EU-Kommission bezeichnete das Saarland daher auch als ein europaweit anerkanntes Best-Practice-Beispiel. „Das Saarland ist eines der Bundesländer, in dem die Menschen den europäischen Gedanken in ihrem Alltag wie selbstverständlich leben. Wir überwinden hier täglich Grenzen: In vielen Schulen und Kitas werden Kinder und Jugendliche gemeinsam unterrichtet oder betreut, bei Kultur- und Sportveranstaltungen ist die Fahrt ins Nachbarland längst Alltag und zehntausende Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer pendeln täglich in die Großregion.“

Schwerpunkte seiner Arbeit auf der EU-Ebene werden für Commerçon unter anderem die Förderung der Sprachkompetenzen sein, die Digitalisierung und Medienkompetenzförderung, die Weiterentwicklung der individuellen Teilhabe an hochwertiger Bildung.

Hintergrund zum EU-Ministerrat

Im Rat der Europäischen Union (EU-Ministerrat) sind die Regierungen der EU-Mitgliedsstaaten vertreten. Die zuständigen Minister treten in diesem Gremium zusammen, um Gesetze zu erlassen (in Fällen, in denen die Verträge dies zulassen) und politische Maßnahmen zu initiieren und koordinieren. Der EU-Ministerrat tagt in zehn verschiedenen Formationen drei bis vier Mal im Jahr. Ein Vertreter der Europäischen Kommission ist bei den Sitzungen ebenfalls vertreten.

Im Rat „Bildung, Jugend, Kultur und Sport“ überträgt die Bundesregierung die Verhandlungsführung in den Beratungsgremien sowie bei Ratstagungen auf eine Vertreterin oder einen Vertreter der Länder. Das ist vor allem im Bereich Bildung der Fall. Deshalb sitzt bei den EU-Ministerratssitzungen zum Thema Bildung neben der Bundesbildungsministerin stets ein Minister oder eine Ministerin mit am Verhandlungstisch: Ab sofort wird das Ulrich Commerçon sein. Informationen zum  EU-Ministerrat „Bildung, Jugend, Kultur und Sport“ finden sich auf der Webseite des Ministerrats. Der nächste EU-Bildungsministerrat findet am 20./21. November 2017 in Brüssel statt.

Quelle: Ministerium für Bildung des Saarlandes vom 13.11.2017