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Europa / Kinder- und Jugendpolitik

Paradigmenwechsel: Auch die Niederlande setzen auf "positive" Jugendpolitik

Die holländische Fahne als Ball
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Die Jugendpolitik in den Niederlanden befindet sich in einem wichtigen Transformationsprozess, der nicht nur eine Strukturveränderung darstellt, sondern auch mit dem Versuch eines Wandels im öffentlichen und fachlichen Bewusstsein einhergeht.

Ausgangspunkt der Reform war, wie so oft, das Geld. Wie in vielen anderen europäischen Staaten, so verzeichnen auch die Niederlande einen Anstieg der Zahl von Kindern und Jugendlichen, die sich in speziellen Maßnahmen der Jugendhilfe befinden.  

Ein erster Meilenstein der Reform ist die Aufhebung der Zersplitterung von Zuständigkeiten in der Kinder- und Jugendhilfe, was außerdem als zentraler Motor für Einsparungen gesehen wird. So wird die Verantwortung für den Bereich der „Jugendfürsorge“ von der nationalen auf die lokale Ebene übertragen, womit dann alle Felder der Jugendhilfe in kommunaler Verantwortung vereint sind. Der Staat verspricht sich dabei Einsparungen in Höhe von 80. Mio. € in 2015 und 300. Mio. € bis 2017.

Bis Ende 2012 soll der gesamte Bereich der präventiven Maßnahmen, der allgemeinen Angebote und speziellen Erziehungs- und Unterstützungsleistungen in der Zuständigkeit der Kommunen liegen. Dieser Aspekt der strukturpolitischen und finanziellen Neuregelung ist aber nur eines von mehreren Reformelementen. Viel spannender für die Fachkräfte in Deutschland ist dabei die fachpolitische Innovation, die mit der Reform einhergehen soll. Die Niederlande wollen weg von ihrem jugendpolitischen Konzept, das in erster Linie Angebote für Kinder, junge Menschen und Familien in risikobelasteten Lebenssituationen bietet. Sie will hin zu einem modernen Verständnis von Jugendpolitik, das in erster Linie die Entwicklung, Erziehung und Bildung von Kindern und jungen Menschen fördert und dafür alle Potenziale von Kindern, Jugendlichen, Erziehungsberechtigen und kommunalen Akteuren aktiviert. Die niederländischen Reformer haben – ähnlich wie ihre englischen Kollegen – diesen Ansatz mit „Positive Jugendpolitik“ überschrieben (siehe auch NEWS).

Die zentralen Entscheidungsträger glauben, dass die Veränderung weg von einer hauptsächlich risikoorientierten, von Behörden gestalteten Sichtweise hin zu einer mehr nachfrageorientierten Politik, die sich flexibel und offen für individuelle Lebenslagen präsentiert, insgesamt eine effizientere und effektivere Form des Handelns darstellt. Als Gegenbild sehen sie die Jugendhilfe der „Vergangenheit“, die eine Art „Feuerwehrfunktion“ einnahm, auf Prävention und Kontrolle setzte und dennoch diejenigen Menschen nicht erreichte, die Unterstützung am meisten benötigen.

Mit der „Positiven Jugendpolitik” soll ein Bewusstsein gefördert werden, das einen Teil der Verantwortung für die Entwicklung und Erziehung von Kindern und jungen Menschen der Gesellschaft zuschreibt. Frei nach der Erkenntnis „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen“ wird hier eine geteilte Verantwortung angestrebt. Die Gesellschaft investiert in eine leicht zugängliche sozialpädagogische Infrastruktur, die die Familien und Menschen im täglichen Leben unterstützt. Die niederländische „Positive Jugendpolitik“ nimmt die Entwicklungsphasen von Kindern und Jugendlichen mit ihren Chancen und Schwierigkeiten, ihren Bedürfnissen und Potenzialen in den Blick und bietet all denjenigen fachliche und professionale Hilfe, die an der Erziehung beteiligt sind. Kurz gesagt, der angekündigte Paradigmenwechsel sieht den Ausgangspunkt des öffentlichen Handelns in der Unterstützung der „eigenen Kräfte“ der Familie oder des einzelnen Jugendlichen und nicht mehr in einem von der Norm abweichenden Verhalten.

Empowerment von Kindern und Jugendlichen, Förderung von Stärken und Talenten, aktive Bürgerschaft, Partizipation sowie positive Kindererziehung sind nur einige der Schlüsselelemente im Konzept der "positiven Jugendpolitik" in den Niederlanden.

Lesen Sie mehr über den Paradigmenwechsel der niederländischen Jugendpolitik auf den Seiten von JUGEND für Europa.

Quelle: jugendpolitikineuropa.de