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Europa / Jugendforschung

Österreichische Jugendwertestudie 2019: Jugendliche äußern sich zu den großen Themen der Zeit

Eine Person hält einen Kompass hoch, im Hintergrund sind Wälder und Berg zu sehen
Bild: Pexels - pixabay.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Insgesamt 1.000 junge Menschen zwischen 16 und 29 Jahren aus ganz Österreich legen offen, wie sie mit Facebook, Instagram und Co. umgehen, wie sie Migranten und Flüchtlinge sehen und welche Themen ihnen gegenwärtig sonst noch unter den Nägeln brennen. Was halten sie von „Fridays For Future“? Wie wichtig sind ihnen Familie, Freunde, Religion und Politik? Und wie ist es um ihr Vertrauen zu großen Unternehmen, Religionsgemeinschaften, politischen Parteien und den wichtigen Institutionen des Staates bestellt?

Die Österreichische Jugendwertestudie 2019 des Instituts für Jugendkulturforschung wurde vom 5. bis 18. September 2019 durchgeführt. Dabei wurden 1000 Jugendliche im Alter zwischen 16 und 29 Jahren in ganz Österreich interviewt, quotiert nach Alter, Geschlecht, Bildung, Wohnbundesland und Migrationshintergrund. Die Studie ist representativ für die 16- bis 29-jährigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Österreich.

Je jünger desto weniger Facebook

Die Studie zeigt den langsamen Untergang von Facebook in den jungen Zielgruppen. Je jünger desto weniger Facebook. In der Altersgruppe der 16-bis  29-jährigen nutzen gegenwärtig lediglich 27% der Jugendlichen Facebook häufig. Im Gegensatz dazu werden Instagram (75%) und Snapchat (62%) deutlich häufiger genutzt. Instagram ist das neue dominierende Medium im Jugendsegment. Es  triumphiert  ein  neues  BILDMEDIUM  (Instagram)  über  ein  altes TEXTMEDIUM (Facebook). Insgesamt zeigt sich, dass Medien, die sich einer präsentativen Symbolik bedienen, das Diskursmedium Facebook aus dem Feld schlagen. Auf Facebook sind die jungen Migranten stärker vertreten, auf  Instagram dominieren Jugendliche ohne Migrationshintergrund. Tinder und Twitter sind die absoluten Loser-Medien im Jugendsegment. 75% nutzen Tinder nie, 67% nie Twitter.

Spitzenreiter im Vertrauensranking sind Polizei, Gerichte und Militär

Eine absolute Renaissance unter Jugendlichen erlebt die Familie. Sie ist ihr wichtigster Lebensbereich (76%), gefolgt von Freunden und Bekannten (71%). Religion (13%) und Politik (13,5%) sind in der Lebenswelt der Jugendlichen nahezu irrelevant. Für Migranten ist Religion deutlich wichtiger als für Jugendliche ohne Migrationshintergrund. 26% finden, dass Religion sehr wichtig für sie ist, weitere 20% finden sie wichtig. Bei den autochthonen Österreichern finden sich lediglich 9%, denen die Religion sehr wichtig ist. Zeitungen und der ORF genießen lediglich unter 6% bzw. 7% der jungen Österreicher großes Vertrauen. Spitzenreiter im Vertrauensranking sind Polizei, Gerichte und Bundesheer.

Mehr als zwei Drittel wählen das geringste Übel

Das absolute Schlusslicht im Vertrauensranking bilden die politischen Parteien, denen gerade einmal 3% der jungen Österreicher vertrauen.  Alarmierend ist die Zustimmung der Aussagen der jungen Österreicher zur Politik. Der Aussage „Die meisten Politiker haben keine Ahnung, wie es den meisten Menschen geht“, können über 80% zustimmen. Weitere 67% glauben, dass der Wohlstand zurückgehen wird und es ihnen einmal schlechter gehen wird als ihren Eltern. Auch  ein interessantes Ergebnis im Rückblick auf die gerade erfolgten Nationalratswahlen in Österreich. Fast 70% stimmen mit keiner Partei wirklich überein und wählen bei Wahlen nur das geringste Übel.

Weitere Informationen zur Jugendwertestudie 2019 stehen beim Institut für Jugendkulturforschung zur Verfügung.

Hintergrund

Seit 2001 bietet das Institut für Jugendkulturforschung in Wien praxisrelevante Jugendforschung. Seit 2016 betreibt das Institut darüber hinaus ein generationlab mit Forschung, Fortbildung und Beratung zu Generationenfragen. Das Institut für Jugendkulturforschung verfolgt einen lebensweltlichen Forschungsansatz und bedient sich neben quantitativer Verfahren auch erprobter qualitativer Methoden, um Alltagskulturen zu erschließen. Weitere Informationen: www.jugendkultur.at

Quelle: Institut für Jugendkulturforschung vom 07.10.2019