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Europa / Kinder- und Jugendpolitik

Österreich: Mehr als 80 Organisationen fordern neue Kinderkostenstudie

Kleinfamilien auf gestapelten Euromünzen
Bild: © photographie alltag - fotolia.com

In einem offenen Brief fordert ein breites Bündnis von Organisationen von der künftigen Regierung eine neue Kinderkostenstudie. In dieser soll die finanzielle Lage von Familien neu berechnet werden. Die letzte Erhebung dieser Art fand im Jahr 1964 statt.

Mehr als 80 Organisationen, darunter unterschiedliche Kinder- und Jugendorganisationen, Beratungsstellen sowie Familien- und Berufsverbände, richteten sich Anfang Dezember mit einem Offenen Brief an die Parlamentsparteien und die Regierung. In dem Brief fordern die Organisationen eine Neuerhebung der finanziellen Lage von Familien, um familienpolitische Maßnahmen, insbesondere im Unterhaltsrecht und der Familienförderung an aktuelle Umstände anpassen zu können. Die letzte Erhebung wurde 1964 durchgeführt.

Die unterzeichnenden Organisationen fordern die rasche Umsetzung einer aktuellen Erhebung der Ausgabenlage von Familien. Ein erster Schritt dazu sei eine Verankerung im neuen Regierungsprogramm.

Aktuelle Zahlen für eine zeitgemäße Politik 

Die österreichische Bundesjugendvertretung (BJV) bekräftigte die Forderung nach einer Kinderkostenstudie nochmals eine Woche später. Die künftige Regierung müsse aktuelle Zahlen erheben, um zeitgemäße Politik für Familien umsetzen zu können. 

„Die letzte Erhebung der Kosten, die Familien für ihre Kinder aufwenden müssen, stammt aus dem Jahr 1964. Seitdem hat sich im Alltag von Kindern sehr viel verändert, was im damaligen Warenkorb noch nicht berücksichtigt werden konnte“, zeigt BJV-Vorsitzende Julia Herr den aktuellen Handlungsbedarf auf.

Die BJV kritisiert, dass sich aktuelle familienpolitische Berechnungen immer noch auf die veraltete Erhebung beziehen: „Um familienpolitische Maßnahmen den jetzigen Erfordernissen anpassen zu können, braucht es aktuelle Zahlen. Wir rufen die künftige Bundesregierung daher auf, eine neue Erhebung durchzuführen“, betont Herr.

Alleinerziehende überdurchschnittlich betroffen 

„Gerade wenn es um armutsbetroffene Familien geht, und da sind Alleinerzieherinnen überdurchschnittlich betroffen, müssen familienpolitische Maßnahmen endlich so getroffen werden, dass Kinder ohne Existenzängste aufwachsen können. Es kann nicht sein, dass Frauen auf sich alleine gestellt sind und fehlende Unterhaltszahlungen ausgleichen müssen. Wenn man sich vor Augen führt, dass sie in solchen Situationen meist auch die gesamte Kinderbetreuung übernehmen müssen, ist klar, dass sich das nicht ausgehen kann“, so Herr.

Die Durchführung einer neuen Kinderkostenstudie war bereits in mehreren vergangenen Regierungsprogrammen verankert. „Jetzt hat die neue Bundesregierung die Chance zu zeigen, wie wichtig ihnen Kinder und Familien tatsächlich sind“, betonte Herr abschließend.

Hintergrund 

Initiiert wurde der Brief neben der Bundesjugendvertretung von der Arbeiterkammer Wien, den Kinder- und Jugendanwaltschaften Österreichs, Katholischer Jungschar, Netzwerk Kinderrechte Österreich, Österreichische Liga für Kinder- und Jugendgesundheit, Österreichische Plattform für Alleinerziehende, SOS Kinderdorf und Volkshilfe Österreich. 

Der Offene Brief im Wortlaut steht online u.a. beim Netzwerk Kinderrechte Österreich zur Verfügung. 

Quelle: Bundesjugendvertretung vom 06.12. und 14.12.2017