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Europa / EU-Jugendstrategie

Mentale Hilfe: Parlamentarischer Abend würdigt Internationale und Europäische Jugendarbeit

Eine junge Frau hält einen kleinen Globus in der Hand und betrachtet diesen.
Bild: © contrastwerkstatt - Fotolia.com

Unter dem Motto "Grenzen überschreiten: Was leistet Internationale Jugendarbeit für junge Menschen in Übergangsphasen?" lud die Community zum Gespräch mit Bundestagsabgeordneten.

"Internationale Jugendarbeit war lange nicht so wichtig wie heute" - die Parlamentarische Staatssekretärin Caren Marks war des Lobes voll. Sie hob die Erkenntnisse, dass Internationale Jugendarbeit gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit helfe und persönliche Begegnungen „das beste Mittel gegen Vorurteile und für ein respektvolles Miteinander“ seien, angesichts der Flüchtlinge im Land auch als Mittel gegen Rechtsextremismus und Gewalt hervor. Mit Blick auf die aktuelle Shell-Studie freute sie sich, dass Jugendliche keinesfalls politisch desinteressiert, sondern zu politischem und sozialem Engagement bereit seien. "Das macht Mut", sagte sie, ebenso wie die aktuelle Bildungsdiskussion, in der Persönlichkeits- und Sozialkompetenzen wieder eine stärkere Rolle spielen, Kompetenzen, die Internationale und Europäische Jugendarbeit fördere und die so wichtig seien "wie Mathe oder Fremdsprachen".

Der gut besuchte 7. Parlamentarische Abend der Internationalen Jugendarbeit feierte den Internationalen Jugendaustausch. Neben den Veranstaltern JUGEND für Europa, IJAB, DFJW, DPJW, der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch, der Koordinierungsstelle Deutsch-Tschechischer Jugendaustausch und der Koordinierungsstelle Deutsch-israelischer Jugendaustausch waren viele Vertreterinnen und Vertretern der von der Staatssekretärin so genannten "tragfähigen zivilgesellschaftlichen Strukturen" gekommen. Deren "bewährte Arbeit" böte eine "eine hervorragende Grundlage" für Vielfalt, Toleranz und Demokratie, sagte die Staatssekretärin.

Mit Blick auf den Koalitionsvertrag bekräftigte sie, den Jugendaustausch für alle Jugendlichen stärken zu wollen, auch für diejenigen, die bisher unterrepräsentiert seien. Internationale Erfahrungen seien ebenso wichtig für eine eigenständige Lebensführung wie für bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. "Mobilität" war das Zauberwort für den Rest der Rede, in der Caren Marks "möglicherweise" eine eigene Mobilitätsinitiative des Ministeriums ankündigte.

Anerkennung gesucht

Vier thematische Foren boten den Rahmen für fachliche Diskussionen. Das von JUGEND für Europa und IJAB organisierte Forum stand unter der Überschrift "Persönlichkeit ist, wer ich bin und nicht nur, was ich arbeite – Internationale und europäische Jugendarbeit bildet ganzheitlich!".

Auch die hier anwesenden Bundestagsabgeordneten bekräftigten ihre Sympathie mit dem Arbeitsfeld. Hans-Georg Wicke (JfE) und Marie-Luise Dreber (IJAB) diskutierten mit MdB Paul Lehrieder von der CSU (Vorsitzender im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend), MdB Marianne Schieder von der SPD (Vertreterin im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung) und MdB Azize Tank von DIE LINKE (Vertreterin im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung, Auswärtige Kulturpolitik).

Hans-Georg Wicke betonte als Einführung, dass die gegenwärtige Diskussion um Förderziele eine Rangfolge, oft auch einen Gegensatz zwischen Beschäftigungs- und Persönlichkeitsförderung suggeriere. Stattdessen ginge es darum, beides als "zwei Seiten einer Medaille" wertzuschätzen und Internationale Jugendarbeit in allen Ausprägungen gesellschafts- und jugendpolitisch anzuerkennen. Marie-Luise Dreber wies darauf hin, dass Mobilität in der Wirtschaft und der akademischen Ausbildung geschätzt werde, demgegenüber die Internationale Jugendarbeit aber wenig Anerkennung erfahre. Um allen Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, internationale Erfahrungen zu machen, müssten auch nicht formale Angebote als bildungsrelevant anerkannt und zudem die einzelnen Initiativen der Ministerien abgestimmt werden.

Der Impetus – später unterstützt vom Publikum – wurde von den Bundestagsabgeordneten nur eingeschränkt aufgenommen. Man solle doch das eigene Licht nicht unter den Scheffel stellen, meinten Paul Lehrieder und Marianne Schieder. Während Lehrieder internationale Erfahrungen als charakterstärkend und bewusstseinserweiternd pries – beides auch nützlich für den Arbeitsmarkt -, bemerkte Schieder, dass interkulturelle Erfahrungen dem wachsenden Nationalismus in Europa entgegenwirken könnten. Azize Tank betonte, dass es um ein soziales Menschenrecht auf Bildung ginge, welches nicht nur die Schule erfülle, sondern auch nicht formale Angebote. Die hier gemachten Erfahrungen ließen sich nicht ökonomisch fassen, sondern müssten gesellschaftspolitisch als wichtig für eine "volle Entfaltung der Persönlichkeit" anerkannt werden.

Nun ist die politische Anerkennung ja nicht schon dadurch gegeben, dass man sich im kleinen Kreis über die Effekte Internationaler Jugendarbeit einig ist. Entsprechend ratlos schienen die Politikvertreter, wenn es über die persönlichen Erfahrungen hinausging. Einzelbeispiele gab es genügend, diese auf die Gesamtsituation nicht formaler Jugendarbeit und benachteiligter Zielgruppen zu übertragen viel schwer. So wusste man beispielsweise auf den Vorwurf, dass die Beratungen zum 2018 kommenden Validierungssystem hinter verschlossenen Türen verliefen, auch im Hinblick auf den Bildungsausschuss nichts zu sagen. Auf die Frage, wie Jugendlichen in der Ausbildung oder in Übergangsmaßnahmen die Teilnahme an internationalen Maßnahmen erleichtert werden könnten, reklamierte man die Machtlosigkeit von Abgeordneten gegenüber der Verwaltung. So manches Anliegen erwies sich als zu komplex, um zwischen Schnittchen und Wein erörtert zu werden. Das betraf unter anderem komplizierte rechtliche Hindernisse wie Visafragen oder solche, die zur Aussetzung von Leistungen nach SGB II und SGB III führen können, und gerade benachteiligte Jugendliche betreffen, aber eben auch unterschiedliche Rechts- und Politikkreise. Unterm Strich gingen Vorschläge wie die nach Bildungsurlaub für Auszubildende, einheitliche Regelungen für die deutschen Botschaften sowie Anweisungen für die Arbeits- und Sozialverwaltungen oder die Forderung nach Anerkennung im Bildungssystem zwischen der Beteuerung, wie wichtig man das alles findet, unter.

So gab es zwar viel mentale Hilfe von höherer Stelle. Aber im Hinblick auf handfeste politische Unterstützung können wir nur hoffen, dass die vielen Angebote für weitere, tiefergehende Gespräche auch eingelöst werden.

Quelle: JUGEND für Europa

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