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EU-Bildungsmonitor

Mangelhafte IT-Ausstattung und digitale Kompetenz an deutschen Schulen

Ein Lehrer unterrichtet seine Schulklasse mit Laptop und Whiteboard.
Bild: Stefan Meller - Pixabay

Innerhalb und zwischen den EU-Ländern bestehen bei der digitalen Bildung weiterhin große Unterschiede. Die digitalen Fertigkeiten der Schülerinnen und Schüler verbessern sich, sie sind aber keine „digital natives“. Dies geht aus dem aktuellen Monitor der Europäischen Kommission für die allgemeine und berufliche Bildung hervor.

Der Anteil der Lernenden in Deutschland mit grundlegendem computergestütztem Denkvermögen liegt bei 67 Prozent und stagniert seit 2013. Der Monitor präsentiert auch die Ergebnisse einer internationalen Studie zur Computer- und Informationskompetenz (ICILS). Danach sind unterdurchschnittliche Leistungen selbst zu Kenntnissen grundlegendster IT-Anwendungen in der EU weit verbreitet, in Deutschland bei 33,2 Prozent der Lernenden, in Frankreich bei 43,5 Prozent, in Italien sogar bei 62,7 Prozent.

Die digitale Ausstattung der deutschen Schulen bleibt hinter dem EU-Durchschnitt zurück. Dies ist besonders in der Primarstufe der Fall, wo 2017/2018 nur 9 Prozent der Schülerinnen und Schüler eine gut digital ausgestattete und vernetzte Schule besuchten. Drei Viertel der deutschen Schülerinnen und Schüler haben Zugang zu digitalen Lernressourcen (64 Prozent offline und 73 Prozent online), aber 9 Prozent haben keinen Zugang zum Schulinternet.

Nur jede dritte Schule auf Lockdown vorbereitet

Die meisten Lehrer (90 Prozent) verwenden Notebooks im Unterricht, zwei Drittel ihre privaten Geräte. Nur ein Drittel der Schulen war auf den Lockdown digital gut vorbereitet. 35 Prozent der Lehrer konnten sehr regelmäßigen Kontakt mit allen ihren Schülerinnen und Schülern halten, etwa 10 Prozent hatten sehr wenig oder keinen Kontakt. 43 Prozent der Eltern gaben an, für häuslichen Unterricht während der Lockdownphase nicht genug Zeit zu haben.

In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt des Monitors auf Lehren und Lernen im digitalen Zeitalter. Die Coronaviruskrise hat gezeigt, wie wichtig digitale Lehr- und Lernlösungen sind, und bestehende Mängel aufgezeigt. Der Bericht wird während des heutigen Hackathons für digitale Bildung vorgestellt.

Die Kommissarin für Innovation, Forschung, Kultur, Bildung und Jugend, Mariya Gabriel, erklärte: „Ich freue mich, dass die digitale Bildung das Hauptthema des diesjährigen Monitors für die allgemeine und berufliche Bildung ist, dem richtungsweisenden Bericht der Kommission über die Bildungssituation in Europa. Wir glauben, dass tiefgreifende Veränderungen im Bereich der digitalen Bildung nötig sind, und wir sind entschlossen, die digitale Kompetenz in Europa zu erhöhen. Erst kürzlich hat die Kommission ein Paket von Initiativen vorgeschlagen, darunter den neuen Aktionsplan für digitale Bildung 2021-2027. Damit soll die allgemeine und berufliche Bildung stärker zur Erholung der EU von der Coronaviruskrise beitragen und den Aufbau eines grünen und digitalen Europas unterstützen.“

Unzureichende digitale Kompetenzen bei Schülern und Lehrern

Obwohl die Mitgliedstaaten in den letzten Jahren bereits in die digitale Infrastruktur für die allgemeine und berufliche Bildung investiert haben, bestehen sowohl zwischen den als auch innerhalb der Länder nach wie vor große Unterschiede. Umfrageergebnisse weisen darauf hin, dass viele Lernende nicht über ausreichende digitale Kompetenzen verfügen. Mehr als 15 Prozent der Schülerinnen und Schüler in allen befragten Ländern weisen unzureichende digitale Kompetenzen auf. Des Weiteren geht aus OECD-Daten hervor, dass Lehrkräfte der Sekundarstufe I in den EU-Ländern nur selten in der Verwendung von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) im Unterricht geschult werden und dass Lehrerinnen und Lehrer einen starken Bedarf an beruflicher Weiterbildung im Bereich der Anwendung von IKT-Kompetenzen im Unterricht haben.

Fortschritte dank stabiler Investitionen in die Bildung

In ihrer jährlichen Bewertung zur den großen Herausforderungen im Bildungsbereich innerhalb der Bildungssysteme in der Europäischen Union hebt die Kommission die Fortschritte bei der Senkung der Schulabbrecherquote und bei der Erhöhung der Teilnahme an allen Bildungsstufen – von der frühkindlichen Erziehung bis zur Hochschulbildung – hervor. Der Monitor weist jedoch darauf hin, dass es nach wie vor schwierig ist, allen jungen Menschen grundlegende Kompetenzen zu vermitteln.

Rund ein Fünftel der 15-Jährigen verfügt nicht über ausreichende Kompetenzen in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften, um vollständig am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Da die Leistung der Schülerinnen und Schüler in der allgemeinen und beruflichen Bildung stark von ihrem sozioökonomischen Hintergrund abhängt, ist es von entscheidender Bedeutung, etwaige Benachteiligungen in der allgemeinen und beruflichen Bildung zu reduzieren und die digitale Kluft zwischen den Schülerinnen und Schülern zu verringern.

Die Mitgliedstaaten erkennen an, dass angemessene Investitionen in die Bildung zum Wirtschaftswachstum und zur sozialen Inklusion beitragen und haben den jüngsten Angaben des Monitors zufolge die öffentlichen Ausgaben für Bildung auf einem Niveau von ca. 10 Prozent der öffentlichen Gesamtausgaben beibehalten.

Über den Monitor für die allgemeine und berufliche Bildung

Im Monitor für die allgemeine und berufliche Bildung werden die wichtigsten Herausforderungen für die europäischen Bildungssysteme analysiert und die politischen Maßnahmen erläutert, mit denen die Bildung besser auf die Erfordernisse der Gesellschaft und des Arbeitsmarktes zugeschnitten werden kann. Der Bericht enthält einen Ländervergleich und 27 ausführliche Länderberichte.

Bildung steht nach wie vor weit oben auf der politischen Agenda der EU. Am 30. September hat die Kommission zwei Initiativen angenommen, die den Beitrag der allgemeinen und beruflichen Bildung zur Erholung der EU nach der Coronavirus-Krise erhöhen werden. Zum einen hat die Kommission eine Vision für den europäischen Bildungsraum entworfen, der bis 2025 umgesetzt werden soll. Vorgesehen sind neue Initiativen, umfassendere Investitionen und eine verstärkte Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten, damit Europäerinnen und Europäer aller Altersgruppen das reiche Bildungs- und Berufsbildungsangebot in der EU ausschöpfen können. Zum anderen hat die Kommission einen neuen Aktionsplan für digitale Bildung angenommen. Darin zieht sie Lehren aus der Coronavirus-Krise und skizziert einen Plan für ein leistungsfähiges digitales Bildungsökosystem mit ausgeprägten Kompetenzen für den digitalen Wandel.

Quelle: Europäische Kommission vom 12.11.2020

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