Kinder- und Jugendarbeit / Europa

Jugendbegegnung beim Friedenscamp in Tschechien

Im Rahmen des Programms „Jugend gestaltet Zukunft" hat der Landschaftsverband Rheinland (LVR) im tschechischen Lety ein Friedenscamp für Jugendliche organisiert.

Köln. 7. Juni 2010. Ziel des Programms: Bildungsbenachteiligte Jugendliche sollen mit europäischen Ländern und Menschen in Kontakt kommen, ein Zeichen gegen neonazistische Tendenzen setzen und Orte der Erinnerung bewahren. Während ihres Aufenthaltes arbeiten die Jugendlichen ganz konkret daran mit, dass die Verbrechen des Dritten Reiches nicht in Vergessenheit geraten.

Wie dies aussehen kann, haben zwei jungen Frauen und vier junge Männer, die von der Jugendhilfe Köln betreut werden, in Lety gezeigt. Gemeinsam mit tschechischen Berufsschülern haben sie während des zweiwöchigen Friedenscamps beim Ausbau einer KZ-Gedenkstätte mitgewirkt. Von 1941 bis 1944 befand sich in Lety ein Konzentrationslager, in dem weit über 1.000 Roma gefangen gehalten und zur Arbeit gezwungen wurden. Die meisten von ihnen wurden nach Auschwitz deportiert und ermordet. Unter den Opfern waren viele Säuglinge und Kinder. Bisher erinnerte nur ein Gedenkstein an die Gräueltaten. Mit Hilfe der Jugendgruppe wurde ein „Gedächtnispfad" vom Dorf Lety zum Mahnmal errichtet und Hinweisschilder mit Informationen zur Geschichte des Lagers aufgestellt. Im Zuge der Überarbeitung der Gedenkstätte halfen die Jugendlichen bei den Landschaftsarbeiten, um dem Ort ein würdevolles Äußeres zurückzugeben.

Die beiden 17-Jährigen Ronja und Caro aus Köln waren beim Friedenscamp dabei. „Am Anfang war alles so neu und viele wollten zurück nach Hause, aber die tschechischen Jugendlichen waren so offen und freundlich, dass wir am Ende der Fahrt alle gerne noch geblieben wären. Für mich selbst nehme ich von dem Austausch mit, dass man auch mal durchhalten muss und dass man Menschen erst einmal kennen lernen sollte, bevor man Vorurteilen glaubt", erzählt Ronja. „Wir konnten uns zwar nur mit Händen und Füßen verständigen, aber wir haben trotzdem Freundschaften geschlossen und die Tschechen werden uns in Köln besuchen", ergänzt Caro und fügt hinzu „Das Friedenscamp war aber nicht nur lustig. Wenn man die Massengräber bei der Gedenkstätte sieht, realisiert man erst so richtig, was dort passiert ist". Der Leiter des tschechischen Gedenkstättenverbundes aus Lidice, Milous Cervencel, sprach der Gruppe ein großes Lob aus: „Sie haben Deutschland würdig vertreten."

Zur Wiedereröffnung der Gedenkstätte reisten unter anderem der tschechische Regierungsbevollmächtigte für Menschenrechtsfragen, Michael Kocab sowie eine Delegation des LVR nach Lety. Astrid Natus-Can, stellvertretende Vorsitzende des Landesjugendhilfeausschusses (CDU / Kreis Düren) und Christoph Gilles vom LVR-Landesjugendamt legten zum Gedenken an die zahlreichen Opfer des Lagers einen Kranz am Mahnmal nieder. „Unter grauenvollen Bedingungen wurden im Internierungslager Lety Menschen eingesperrt und misshandelt. Die Jugendlichen haben im Rahmen des Friedenscamps daran mitgewirkt, dass diese Verbrechen nicht in Vergessenheit geraten und gleichzeitig zur Völkerverständigung beigetragen. Ich war sehr beeindruckt, wie sie diese für sie neue Situation gemeistert haben. Gegenseitiges Kennenlernen ist immer noch das wirksamste Mittel gegen Intoleranz und Rassismus", so Natus-Can.

Der LVR organisiert im Rahmen des Programms „Jugend gestaltet Zukunft - Internationale Jugendbegegnungen an Orten der Erinnerung in Europa" Friedenscamps für junge Menschen, die sich in schwierigen Lebenslagen befinden, die Schule abgebrochen haben und in Einrichtungen wie der Jugendhilfe Köln nach Orientierung suchen. Die Camps finden unter anderem in Maillé (Frankreich), Baranivka (Ukraine), Viannos (Griechenland) und Sant' Anna di Stazzema (Italien) statt. Finanziert wird der internationale Jugendaustausch aus LVR- und Landesmitteln. LVR-Jugenddezernent Reinhard Elzer erläutert die Bemühungen des Landschaftsverbandes: „Durch die Auseinandersetzung mit dem dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte wird den Jugendlichen plastisch vor Augen geführt, welche Folgen Fremdenhass und rechtes Gedankengut haben können. Uns war es wichtig, auch bildungsbenachteiligten Jugendlichen die Chance zu geben, von einem internationalen Jugendcamp zu profitieren und ihnen Erfahrungen zu ermöglichen, die sie stark gegen Rechts machen. In unseren Friedenscamps werden Freundschaften geschlossen, Vorurteile abgebaut und gleichzeitig europäische Orte der Erinnerung bewahrt und ausgebaut."

ik

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