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Europa / Sozialforschung

Jeder zweite junge Arbeitslose in der EU würde für einen Arbeitsplatz umziehen

Ein junger Mann steht vor einer Europa-Karte
Bild: © Pholio Agency - Fotolia.com

Laut aktuellen Zahlen von Eurostat würden die Hälfte der jungen Arbeitslosen in der EU ihren Wohnort für einen Arbeitsplatz wechseln. Diese Bereitschaft unterscheidet sich jedoch zwischen den Mitgliedsstaaten. Die Analyse belegt gleichzeitig, dass weniger als 1% der jungen Erwerbstätigen für ihren derzeitigen Arbeitsplatz in einen anderen EU-Mitgliedstaat gezogen sind.

In der Europäischen Union würden 50% der Arbeitslosen im Alter von 20 bis 34 Jahren den Wohnort für einen Arbeitsplatz nicht wechseln; 21% wären bereit, für einen Arbeitsplatz im selben Land umzuziehen, und 12% würden den Umzug in einen anderen EU-Mitgliedstaat in Erwägung ziehen. 17% wären sogar bereit, in ein nicht EU-Land umzuziehen. Eine Rolle spielt dabei der Bildungsstand der jungen Menschen. Junge Arbeitslose mit einem hohen Bildungsabschluss sind eher bereit, für einen Arbeitsplatz umzuziehen (23% sind zu einem Umzug im selben Land bereit, 16% zu einem Umzug innerhalb der EU) als junge Menschen mit einem mittleren (20% bzw. 11%) oder niedrigen Bildungsabschluss (21% bzw. 10%).

Berufliche Mobilität steigt mit dem Bildungsabschluss

Die Mehrheit der Erwerbstätigen im Alter von 20 bis 34 Jahren in der EU ist für ihren derzeitigen Arbeitsplatz nicht umgezogen (90%). Der Anteil der jungen Erwerbstätigen, die in einen anderen EU-Mitgliedstaat umgezogen sind, lag bei lediglich 1%, während 8% für ihren derzeitigen Arbeitsplatz innerhalb des Landes den Wohnort gewechselt haben.
Die berufliche Mobilität innerhalb eines Landes steigt bei jungen Erwerbstätigen mit höherem Bildungsabschluss (13% zogen um) im Vergleich zu Personen mit mittlerem (6%) oder niedrigem Bildungsabschluss (4%). Die Unterschiede im Bildungsabschluss sind für junge Erwerbstätige, die innerhalb der EU umzogen, jedoch nicht so ausgeprägt: 2% der Personen mit hohem und 2% der Personen mit niedrigem Bildungsabschluss gingen aus beruflichen Gründen in einen anderen Mitgliedstaat, bei den jungen Menschen mit mittlerem Bildungsabschluss lag dieser Wert bei 1%.

Unterschiedliche Bereitschaft für einen Arbeitsplatz umzuziehen

Mehr als zwei Drittel der Arbeitslosen im Alter von 20 bis 34 Jahren in Malta (73%), den Niederlanden (69%) und Zypern (68%) würden für einen Arbeitsplatz nicht umziehen. In siebzehn EU-Mitgliedstaaten ist mehr als die Hälfte der jungen Arbeitslosen nicht dazu bereit, den Wohnort zu wechseln, um Arbeit zu finden. Bei den Ländern, deren Stichprobengröße für Schlussfolgerungen ausreicht, zeigt sich, dass sich die höchsten Anteile junger Arbeitsloser in der EU, die zu einem Wohnortwechsel im selben Land bereit sind, in Rumänien und Deutschland (je 37%) sowie in der Tschechischen Republik und Irland (je 35%) finden. Die höchsten Anteile der Personen, die in ein anderes EU-Land ziehen würden, sind in Estland und Kroatien (je 26%) sowie in Slowenien (25%) zu verzeichnen. Den höchsten Anteil junger Arbeitsloser, die die EU verlassen würden, meldet Schweden (34%), gefolgt von Spanien, Finnland (je 28%) und Frankreich (27%).

Wohnungswechsel innerhalb des Landes oder in der EU

In den meisten Mitgliedstaaten ist der Anteil derer, die innerhalb des Landes den Wohnort wechseln würden, größer als der Anteil derer, die sich in einem anderem EU-Mitgliedstaat niederlassen würden. In acht Mitgliedstaaten wird jedoch einem Umzug innerhalb der EU der Vorzug gegeben. Dies ist am deutlichsten in Bulgarien zu beobachten, wo der Anteil derer, die bereit sind, in einen anderen EU-Mitgliedstaat zu ziehen (23%), doppelt so hoch ist wie der Anteil derer, die innerhalb des Landes umziehen würden (12%). Die Slowakei sticht ebenfalls hervor: 14% der Befragten würden innerhalb des Landes den Wohnort wechseln, 23% in einen anderen EU-Mitgliedstaat gehen.

Wenige Umzüge aus beruflichen Gründen in Italien, viele in Irland

In fünfzehn EU-Mitgliedstaaten zogen 90% oder mehr der jungen Erwerbstätigen im Alter von 20 bis 34 Jahren für einen Arbeitsplatz nicht um. Den höchsten Anteil verzeichnete Italien (98%), den niedrigsten Irland (60%). 12% der jungen Erwerbstätigen in Luxemburg, 9% in Malta und 7% in Irland zogen aus einem anderen Land für ihren derzeitigen Arbeitsplatz in diese Länder. Die höchsten Anteile derer, die aus beruflichen Gründen innerhalb des Landes umzogen, wurden in Irland (26%), Frankreich (16%), Finnland (14%) und Schweden (13%) gemeldet.

Hintergrund

Diese ausgewählten Ergebnisse, die von Eurostat, dem statistischen Amt der Europäischen Union, veröffentlicht werden, basieren auf Daten aus dem Ad-hoc-Modul „Junge Menschen auf dem Arbeitsmarkt“ der Europäischen Arbeitskräfteerhebung 2016. Dieses Modul liefert Informationen darüber, wie sich Unterschiede im Bildungsabschluss auf die Beschäftigungschancen auswirken und untersucht ferner, wie junge Menschen nach einem Arbeitsplatz suchen und ob sie bereit sind zu pendeln. Zudem gibt es darüber Aufschluss, aus welchen Gründen junge Menschen ihre Ausbildung nicht beendet haben.

Quelle: Eurostat vom 27.03.2018