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Europa / Sozialforschung

Europäischer Städtevergleich „Kultur und Kreativität“

Eine Europakarte ist mit Pins markiert, die mit Schnüren verbunden sind.
Bild: TheAndrasBarta, pixabay (CC0 Public Domain)

Wie europäische Städte im Bereich Kreativität und Kultur abschneiden, zeigt ein am 6. Juli 2017 von der EU-Kommission vorgestellter Vergleichsmonitor. Auch die Stärken und Verbesserungsmöglichkeiten von 15 deutschen Städten werden darin beleuchtet.

Der neue Anzeiger vom wissenschaftlichen Dienst der Europäischen Kommission vergleicht 168 Städte verschiedener Größe aus den EU-Mitgliedstaaten, der Schweiz und Norwegen miteinander. Dies bietet vergleichbare Daten dazu, wie europäische Städte in neun Dimensionen aus dem Bereich Kultur und Kreativität abschneiden, und veranschaulicht, wie diese Leistungen zur sozialen Entwicklung, zum Wirtschaftswachstum und zur Schaffung von Arbeitsplätzen beitragen.

Lokale Stärken und Verbesserungsbedarf

Der Städtevergleich „Kultur und Kreativität“ wird politische Entscheidungsträger sowie die Kultur- und Kreativwirtschaft dabei unterstützen, lokale Stärken und Bereiche mit Verbesserungsbedarf zu ermitteln, und es ihnen ermöglichen, von vergleichbaren Städten zu lernen. Zugleich wird die enge Beziehung zwischen kultureller Dynamik und verschiedenen Aspekten des städtischen Lebens, etwa der sozialen Vielfalt und dem Wirtschaftsleben, beleuchtet.

Die wesentlichen Untersuchungsergebnisse

  • Führende Städte in puncto Kultur und Kreativität: Paris, Kopenhagen, Edinburgh und Eindhoven schneiden im Vergleich zu ähnlich großen Städten am besten ab.
  • Kultur, Kreativität und Wohlstand: Kultur und Kreativität sorgen für mehr Wirtschaftswachstum und sind daher für Städte mit geringen Einnahmen von großer Bedeutung.
  • Größe ist nicht alles: Die Größe einer Stadt ist nicht ausschlaggebend für ihre kulturelle und kreative Leistung; im Durchschnitt schneiden kleine und mittlere Städte gegenüber größeren recht gut ab.
  • Hauptstädte sind vorne dabei, aber nicht immer an der Spitze: Die Hauptstädte belegen zwar oft den ersten Platz, werden in Österreich, Belgien, Italien, Deutschland, Polen, Spanien, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich jedoch von anderen Städten überholt.

München und Stuttgart liegen weit vorn

Auf dem Feld „Kreative Wirtschaft“ belegt München unter den 21 größten „XXL“-Städten den zweiten Rang, Stuttgart belegt unter 34 verglichenen „XL“-Städten Platz eins, Karlsruhe kommt unter 36 „L“-Städten auf Rang zwei. Auch Berlin, Frankfurt, Nürnberg und Heidelberg belegen in ihren Größenklassen Top-Ten-Plätze bei „Kreativer Wirtschaft“. Weimar kommt in der Klasse der „S-M“-Städte auf Rang fünf bei „Kultureller Lebendigkeit“.

Kultur und Kreativität für sozioökonomisches Wohlergehen

Tibor Navracsics, EU-Kommissar für Bildung, Kultur, Jugend und Sport, der auch für die Gemeinsame Forschungsstelle zuständig ist, sagte: „Mein Ziel ist es, Kultur und Kreativität in den Mittelpunkt der europäischen Politikagenda zu rücken. In Zeiten großer gesellschaftlicher Veränderungen und eines immer schärferen globalen Wettbewerbs zwischen den Städten genügt es nicht, sich nur mit den klassischen Wachstumsquellen und dem sozioökonomischen Wohlergehen zu befassen, sondern wir müssen auch die Rolle der Kultur in dynamischen, innovativen und vielfältigen Städten unter die Lupe nehmen. Die Publikation ‚Kultur und Kreativität im Städtevergleich‘ zeigt auf, welche europäischen Städte eigene Wege zur Ausschöpfung ihres kulturellen und kreativen Potenzials gefunden haben, um Entwicklung und Innovation voranzutreiben, Arbeitsplätze zu schaffen und die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger zu verbessern. Das Instrument bietet eine solide Faktengrundlage, anhand derer die politischen Entscheidungsträger feststellen können, wo ihre Städte gut abschneiden und wo Verbesserungen wünschenswert wären.“

Hauptstädte sind nicht automatisch an der Spitze

Deutlich wird auch, dass es die in kultureller und kreativer Hinsicht „ideale“ Stadt nicht gibt: Sie wäre eine Mischung aus den Städten, die bei den einzelnen Indikatoren Bestleistungen erzielen. Die „ideale“ Stadt hätte demnach die Dichte der Kultureinrichtungen des irischen Cork, die kulturelle Attraktivität und das Angebot an kreativen Jobs von Paris, das Innovationspotenzial von Eindhoven, den Zuwachs an kreativen Arbeitsplätzen des schwedischen Umea, die Offenheit und Toleranz von Glasgow, das Verkehrsverbindungen von Utrecht und die Verwaltungsqualität von Kopenhagen. Fünf dieser acht Städte haben weniger als 500.000 Einwohner (Cork, Eindhoven, Umeå, Löwen und Utrecht). Das belegt, dass Hauptstädte nicht automatisch an der Spitze sind.

Hintergrund des Städtevergleichs „Kultur- und Kreativität“

Seit der Annahme der ersten „Europäischen Kulturagenda im Zeichen der Globalisierung“ (2007) hat die Kultur in der Politikgestaltung der EU stetig an Bedeutung gewonnen. Die systematische, vergleichbare europaweite Erfassung der kreativen Ressourcen, ihres Werts und ihrer Wirkung bleibt jedoch eine Herausforderung, da es insbesondere auf kommunaler Ebene keine gemeinsamen Definitionen oder Parameter gibt.

Der Städtevergleich soll alle zwei Jahre aktualisiert werden, damit er sowohl konzeptionell als auch statistisch für alle Länder und Städte auf dem neuesten Stand bleibt und auch die Entwicklung der Städte erfasst wird.

Weiterführende Informationen zum Städtevergleich und den Untersuchungsergebnissen finden sich in der Pressemitteilung der Europäischen Kommission.

Quelle: Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland / Europäische Kommission vom 06.07.2017

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