Sie sind hier: Startseite  Im Fokus  Europa

Europa / Sozialforschung

Europa und die Zukunft der EU: neue Forschungsergebnisse aus unserem generationlab

Eine junge Frau und ein alter Mann im Rollstuhl
Bild: © qingwa - Fotolia.com

Österreich steht kurz vor der EU-Ratspräsidentschaft. Das generationlab des Wiener Instituts für Jugendkulturforschung hat dies zum Anlass genommen, sich mit dem Europabild von Jung und Alt näher zu beschäftigen. In der Bewertung der EU ist der persönliche Nutzen eines der wichtigsten Kriterien, und zwar bei Jung wie Alt. Probleme der EU nehmen die Generationen hingegen unterschiedlich wahr.

Wie sieht die Generation Y, die in und mit der EU aufwuchs und nichts anderes kennt als ein vereintes Europa, die EU? Und worin unterscheidet sich ihr Europabild von dem der Generation 60+? Welche Chancen verbinden Jung und Alt mit der EU? Wo gibt es aus ihrer Sicht Probleme? Und: Wie stehen junge und ältere ÖsterreicherInnen zur europäischen Idee? generationlab focus group insights, ein Eigenprojekt des Instituts für Jugendkulturforschung, liefert Antworten.

Europabild der Österreicherinnen und Österreicher

Sinnlose Regulierungen, Frieden und Wohlstand, Risiken, Krisenszenarien, Möglichkeiten des Reisens, berufliche Mobilität, Verschuldung, kultureller Austausch – all das ist Teil des Europabildes der Österreicherinnen und Österreicher. Das Verhältnis zur Europäischen Union ist, wie generationlab focus group insights zeigen, sowohl in der Generation Y also auch bei SeniorInnen der Generation 60+ ambivalent.

In der Bewertung der EU ist der persönliche Nutzen eines der wichtigsten Bewertungskriterien, und zwar sowohl bei Jung als auch bei Alt. Vor allem in den bildungsnahen Milieus werden Mobilitätschancen (Reisefreiheit, Bildungsmobilität) sowie die hohe Lebensqualität als sehr positiv erlebt.

Junge und Alt nehmen Probleme unterschiedlich wahr

Aus einer abstrakteren europapolitischen Perspektive ist das Verhältnis von institutioneller Ebene und Gesellschaft Thema. Der Eindruck, die EU sei in der Krise, ist bei Jung und Alt präsent. Zugleich werden aber auch die Notwendigkeit bzw. „Unverzichtbarkeit“ der EU und die Relevanz der europäischen Idee in Bezug auf Frieden, Austausch und Gemeinschaft betont.

Probleme der EU werden von jungen Erwachsenen und der Generation 60+ unterschiedlich wahrgenommen. Die Sorgen der jungen Erwachsenen beziehen sich vor allem auf zukünftige Entwicklungen der Europäischen Union, also die Frage: „Wie geht es weiter?“ Die Seniorinnen und Senioren kritisieren hingegen den Ist-Zustand: Visionslosigkeit der EU-Politik ist ein großes Thema in den Bildungsschichten; in der Gruppe „60+ mit niedriger und mittlerer Bildung“ sorgen hingegen die Migrations- und Fiskalpolitik für Unbehagen.

Wertschätzung für die EU als Friedensprojekt

Mit der EU verbundene Chancen werden generationenübergreifend insbesondere in den Bildungsschichten gesehen: Junge Erwachsene und Seniorinnen und Senioren mit höherer Bildung artikulieren Wertschätzung der Europäischen Union als Friedensprojekt. Auch auf die Bedeutung der EU im Hinblick auf Lösungen komplexer Probleme, die auf nationalstaatlicher Ebene nicht gelöst werden können, wird hingewiesen. Anknüpfungspunkte für eine gemeinsame „europäische Identität“ finden sich bei den bildungsnahen SeniorInnen alles in allem deutlich stärker als bei den bildungsnahen jungen Erwachsenen der Generation Y. Das Bild von Europa und der EU bleibt bei den Jungen also selbst in den Bildungseliten widersprüchlich.

Weitere Informationen

Ausführliche Ergebnisse finden sich im Dossier des Wiener Instituts für Jugendkulturforschung (2018) von Katharina Koller „Das ist ein Status quo, die EU, das ist kein Traum mehr!“ – Europa und die EU aus Sicht junger Erwachsener und der Generation 60+ im Vergleich. Die Veröffentlichung kann per Mail an studien@DontReadMejugendkultur.at mit dem Betreff „Europabild” und unter Angabe der Kontaktdaten bestellt werden. 

Weitere Informationen zum Institut für Jugendkulturforschung und dem generationlab stehen online zur Verfügung.

Quelle: Institut für Jugendkulturforschung