Sie sind hier: Startseite  Im Fokus  Europa

Europa / Qualifizierung

EU-Agenda für Erwachsenenbildung – Stand der Umsetzung und (ungewisse) Zukunft

Fachkräfte sitzen in Reihe
Bild: © contrastwerkstatt - Fotolia.com

Die Europäische Agenda für Erwachsenenbildung ist zunächst zeitlich auf die Jahre bis Ende 2020 begrenzt, im Rahmen der Arbeitsplanungen für die neue EU-Kommission wird zurzeit auch über die Zukunft einer neuen Agenda zur Erwachsenenbildung nachgedacht. Die Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung berichtet über den Stand der Dinge.

Die Europäische Agenda für Erwachsenenbildung wurde Ende 2011 als Entschließung des Europäischen Rates verabschiedet, um der Erwachsenenbildung in Europa ein größeres Gewicht zu verleihen. Es wurden prioritäre Handlungsfelder für die Umsetzung definiert, zentral war die Werbung für eine stärkere Stellung der Erwachsenenbildung in der Bildungskette sowie die Steigerung der Beteiligung an Erwachsenen- und Weiterbildung auf durchschnittlich 15 Prozent.

Schwerpunktsetzung der EU

Mit der kommissionsinternen Verlagerung der Zuständigkeit für den Agenda-Prozess in die Generaldirektion Beschäftigung in den Jahren 2015/16 erfolgte eine stärkere Fokussierung auf die berufliche Weiterbildung, ohne dass Themen der allgemeinen Erwachsenenbildung, etwa die politische Bildung, ausgeschlossen wurden.

Mit der EU-Ratsempfehlung „Upskilling Pathways“ (Weiterbildungspfade) vom Dezember 2016 wurde auch die thematische Schwerpunktsetzung der Agenda auf diese neue Empfehlung ausgerichtet. Hierin empfiehlt der Europäische Rat den Mitgliedstaaten, insbesondere auch den Bildungsanbietern und Sozialpartnern, spezielles Augenmerk auf die Bewertung von Kompetenzen zu legen, ein dafür maßgeschneidertes und flexibles Lernangebot zu ermöglichen und schließlich die Anerkennung und Validierung nichtformalen und informellen Lernens zu fördern.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert in diesem Zusammenhang beispielsweise das Pilotprojekt „Valikom“. In diesem wurde ein Validierungsverfahren entwickelt und erprobt, mit dem Berufskompetenzen, die außerhalb des formalen Berufsbildungssystems erworben wurden, in Bezug auf einen anerkannten Berufsabschluss bewertet und zertifiziert werden können.

Prioriäten in Deutschland

Im Sinne der „Upskilling Pathways“ spielt auch die Förderung der Grundkompetenzen im Bereich Lesen, Schreiben, Rechnen und Digitales eine wichtige Rolle für die Umsetzung der Agenda Erwachsenenbildung in Deutschland. Letzteres Thema ist seit Beginn des Agenda-Prozesses in Deutschland ein Schwerpunkt der Umsetzung und wurde vom Begleitausschuss der Agenda wieder als Priorität festgesetzt. Zweite Priorität für die kommende Förderphase (2020 – 2021) ist die Implementierung der Empfehlung „Upskilling Pathways“.

Nach jetziger Planung werden auch in der kommenden Förderperiode verschiedene Veranstaltungsformate hierfür eingesetzt. So sind zur weiteren Diskussion prioritärer Themen Expertentreffen geplant, die Agenda plant beispielsweise mit der Koordinierungsstelle der Alpha-Dekade im BIBB eine Veranstaltung zum Thema „Politische Grundbildung“ für das Frühjahr 2020. Regionalkonferenzen sind geplant zur Implementierung der Ratsempfehlung „Upskilling Pathways“ am Beispiel des Landes Baden-Württemberg oder zum Thema „Ökonomische Grundbildung“ zusammen mit dem Land Niedersachsen. Weitere Regionalkonferenzen werden 2021 folgen.

Zukunft der Agenda Erwachsenenbildung

Die weitere Zukunft der Agenda Erwachsenenbildung über das Jahr 2021 ist noch nicht entschieden (Stand: Februar 2020). Angesichts der steigenden Bedeutung der Erwachsenen- und Weiterbildung und der zu erwartenden verbesserten Finanzausstattung der Erwachsenenbildung im neuen Erasmus+-Programm bleibt jedoch zu hoffen, dass auch ein bildungspolitisch relevanter Prozess mit klaren thematischen Prioritätensetzungen die kommenden Jahre begleiten wird.

Quelle: Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung vom 06.02.2020

Info-Pool