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Europa / Kinder- und Jugendpolitik

Erasmus+: Schweizer Jugend verlangt vollwertiges Austauschprogramm

Bundeshaus der Schweiz
Bild: © portishead5 - fotolia.com

Die Verhandlungen über eine Erasmus+-Vollassoziierung sollen per sofort wieder aufgenommen werden - mit dem Ziel, dass die Schweiz und ihre Jugend ab 2018 wieder vollumfänglich am Programm teilnehmen können. Bereits Ende August übergab eine breite Allianz von 26 Jugendorganisationen knapp 10.000 Unterschriften für eine entsprechende Petition.

Nach der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative, welche vorübergehend die Ausdehnung der Personenfreizügigkeit auf Kroatien verhinderte, wurden die Verhandlungen zur Vollmitgliedschaft der Schweiz an Erasmus+ sistiert. Nach der Ratifizierung des Kroatienprotokolls Ende 2016 stünde der Verhandlungsaufnahme eigentlich nichts mehr im Weg. Dennoch schlug der Bundesrat in seiner Botschaft im April 2017 unter Nennung angeblicher administrativer und finanzieller Hürden die Verlängerung der seit 2014 laufenden unzureichenden Übergangslösung als Schweizer Lösung bis mindestens 2020 vor.

Wichtiges Anliegen der Schweizer Jugendlichen 

„Die geplante Schweizer Lösung ist mit grossen Nachteilen verbunden: Die Berufsbildung und der ausserschulische Jugendbereich werden benachteiligt“, sagt Lea Meister, Projektleiterin Politik der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände (SAJV): „Durch die minimalistische Finanzierung von Kooperationsprojekten wird Schweizer Institutionen nahezu verunmöglicht, Schweizerische Erfolgsmodelle zu teilen und in internationaler Zusammenarbeit zu verbessern“. Elisabeth Widmer, Co-Präsidentin der SAJV fügt hinzu: „Wir sind mit dem unzureichenden Vorschlag des Bundesrates überhaupt nicht einverstanden, und haben deswegen die Petition lanciert. Die breite Unterstützung zeigt klar, dass die Assoziierung an Erasmus+ ein wichtiges Anliegen der Jugendlichen in der Schweiz ist.“

Nutzen von Erasmus+ für die Schweiz

Der Nutzen von Erasmus+ für die Schweiz ist gross: Auslandsaufenthalte stärken die persönlichen und interkulturellen Kompetenzen, Kinder und Jugendliche profitieren in ihrer Entwicklung hin zu verantwortungsvollen StaatsbürgerInnen und qualifizierten Mitgliedern des Arbeitsmarktes. Ebenso wichtig ist die durch Erasmus+ unterstützte institutionelle Kooperation und Projektfinanzierung: Bildung ist die einzige Ressource der Schweiz und die Gefährdung der exzellenten internationalen Kooperation unserer Institutionen kann schwerwiegende langfristige Folgen nach sich ziehen. Von der mangelhaften Finanzierung des ausserschulischen Bereiches sind insbesondere Jugendverbände stark betroffen, was der ausgeprägten Schweizer Partizipations- und Demokratiekultur diametral widerspricht.

Bildung muss die Investition in Erasmus+ wert sein 

„Ich verstehe die Empörung der Jugendorganisationen über die Verlängerung der Übergangslösung, welche keinerlei Bekenntnis zu einer geplanten Verhandlungsaufnahme enthält. Das Parlament muss die Bedenken der Jugend ernst nehmen und entsprechend auf schnellstmöglicher Verhandlungsaufnahme bestehen.“, sagt Rosmarie Quadranti, Nationalrätin der BDP. Nadine Masshardt, Nationalrätin der SP, fügt hinzu: „Die vorgesehene Lösung benachteiligt eine ganze Generation und zieht nicht abschätzbare Konsequenzen nach sich – die Bildung muss der Schweiz die Investition in Erasmus+ wert sein.“

Die Parlamentarierinnen Nadine Masshardt (SP), Rosmarie Quadranti (BDP) und Lisa Mazzone (Grüne) unterstützen die Jugendorganisationen bei ihrer Forderung. Die fast 10.000 gesammelten Unterschriften der jungen Generation seien ein klares Signal, anlässlich der Herbstsession Massnahmen voranzutreiben, welche die schnellstmögliche vollwertige Beteiligung der Schweiz an Erasmus+ ermöglichen. 

Weitere Informationen zur Petition stehen auf der Webseite der SAJV zur Verfügung. 

Quelle: Schweizerische Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände

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