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Medienkompetenz / Europa

Zustimmung zu Europa bei „Digital Natives“

Smartphone
Bild: Cheon Fong Liew   Lizenz: BY-SA

Keine EU-Verdrossenheit in der jungen Generation - die Negativkampagne der EU-Gegner hat sie nicht beeindruckt. Erste Ergebnisse über das Informationsverhalten der „Digital Natives“ liefert ein Forschungsprojekt der Hamburg Media School.

Was denkt die Generation der „Digital Natives“ über Europa? Hatte die Kampagne der EU-Gegner bei den jungen Erwachsenen Erfolg? Fühlen sich die jungen Smartphone-User ausreichend informiert, um über die EU urteilen zu können? Die Antworten überraschten Neun von zehn jungen Erwachsenen identifizieren die Europäische Union in Brüssel mit der Euro-Zone: die einheitliche Währung
in 18 Mitgliedstaaten bedeutet für sie die größte Leistung. Vier von fünf freuen sich zudem über die Reisefreiheit im EU-Raum. Und jeder zweite ist von der kulturellen Vielfalt und der internationalen Solidarität überzeugt.

Drei Tage vor dem EU-Wahlgang Ende Mai 2014 wurden 1.100 junge Erwachsene über ihre Haltung zur EU befragt. Das Ergebnis: Die überwiegende Mehrheit dieser „Digital Natives“ hat eine ausgesprochen positive Einstellung zur EU und zur Europa-Idee. Die EU-feindliche Propaganda rechtskonservativer Gruppen und Parteien macht offenbar auf die überwiegende Mehrheit dieser jungen Erwachsenen keinen Eindruck. Am wichtigsten sind ihnen die positiven Errungenschaften, in erster Linie der Zuwachs an Freiheiten, das Gefühl von Gemeinschaft und Solidarität sowie die Erfahrung kultureller Vielfalt. 89 Prozent votierten für die gemeinsame Euro-Währung; kein anderes Kennzeichen erzielte eine ähnlich große Zustimmung. Zwar findet ein Drittel, dass in der EU Steuergelder verschwendet würden. Doch nur jeder zehnte nannte weitere negative Merkmale, wie zum Beispiel die Zunahme der Kriminalität oder Verlust an kultureller Eigenständigkeit. Eher unschlüssig verhält sich die Generation der „Digital Natives“, wenn gefragt wird, ob die Europäische Union zu schnell gewachsen sei. Dasselbe gilt für die von den Europagegnern verbreitete Überzeugung, die EU-Gesetze hätten einen zu starken Einfluss in unserem Alltag.

Als „Digital Natives“ bezeichnet man die erste Generation, die mit Computerspielen, Internet und Handy aufgewachsen ist („Generation Y“). Sie informiert sich ganz anders als die älteren Generationen, die regelmäßig Zeitung und Fernsehnachrichten konsumieren. Umso erstaunlicher ist es, dass diese „Digital Natives“ über das EU-Europa dieselben Wertvorstellungen äußern wie die etablierte Generation der 35- bis 55-jährigen Zeitungsleser: Ob Euro-Errungenschaft, Reisefreiheit oder internationale Solidarität: Die geringen Unterschiede zwischen beiden Zielgruppen verbleiben innerhalb des Streubereichs.

Eckdaten über die Erhebung:

Seit März 2014 führt das Team des HMS Think Tank Journalismusforschung unter Leitung von Prof. Michael Haller in Kooperation mit dem Business-Netzwerk XING und TrendResearch Hamburg jeden Monat eine Erhebung zum aktuellen Informationsverhalten durch. Diese ist Teil des Forschungsprojekts „Die Zukunft der Medien“. Befragt werden 1.700 junge Berufstätige zwischen 23 und 35 Jahren mit mindestens mittlerer Reife als formaler Bildung. Die Befragung im Mai fand drei Tage vor dem EU-Wahlgang statt. Für Vergleichszwecke wurden dieselben Fragen zeitgleich 207 etablierten Berufstätigen im Alter zwischen 36 und 55 Jahren gestellt, die regelmäßige Tageszeitung und Fernsehnachrichten konsumieren und sich für gut informiert bezeichnen.

Quelle: Hamburg Media School