Bildungspolitik / Europa

Analphabetismus in Europa - Experten schlagen Alarm

Bunte Buchstaben
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Alarmierende Zahlen zu Analphabetismus in Europa: Jeder fünfte Jugendliche im Alter von 15 Jahren und jeder siebente Erwachsene in Europa können nicht richtig lesen und schreiben.

Zu diesem Ergebnis kommt ein EU-Bericht, den eine europäische Expertengruppe am 6. September in Nikosia in Zypern vorgestellt hat. Sie gibt den Mitgliedstaaten Ratschläge, wie sie die Lese- und Schreibfähigkeiten der Jugendlichen verbessern können.
 
EU-Bildungskommissarin Androulla Vassiliou hatte die Gruppe unter Leitung der niederländischen Prinzessin Laurentien vor zwei Jahren ins Leben gerufen. Deutsche Expertin ist Prof. Dr. Renate Valtin, Professorin für Allgemeine Grundschulpädagogik der Humboldt-Universität zu Berlin.
 
"Wir befinden uns in einer paradoxen Situation: Lesen und Schreiben sind in unserer digitalisierten Welt wichtiger und relevanter denn je, aber unsere Lese- und Schreibkompetenz hält nicht Schritt mit dieser Entwicklung", sagte Androulla Vassiliou. "Hier müssen wir dringend gegensteuern. Investitionen zur Verbesserung der Lese- und Schreibkompetenzen von Menschen jeden Alters sind wirtschaftlich sinnvoll – sie schaffen konkrete Vorteile für den Einzelnen und die Gesellschaft insgesamt, die sich langfristig gesehen zu Milliardenbeträgen summieren."
 
Die Experten raten beispielsweise, dass mehr Männer den Lehrerberuf ergreifen, damit sie Jungen als Vorbild dienen. Die Zahl der leseschwachen Jungen ist fast doppelt so hoch wie die der Mädchen. Außerdem empfehlen die Experten eine allgemeine und kostenlose hochwertige frühkindliche Betreuung, speziell ausgebildete Lehrkräfte sowie eine besser Förderung von Kinder und Jugendliche mit Lese- und Schreibstörungen.
 
Die EU-Bildungsminister haben sich das gemeinsame Ziel gesetzt, den Anteil der leseschwachen 15-Jährigen bis 2020 von derzeit 20 % auf 15 % zu senken. Projekte, die in Deutschland daran arbeiten, dieses europäische Ziel umzusetzen, sind  beispielsweise das "Hamburger Sprachförderkonzept", das Projekt  "Lesepaten" des VBKI-Bürgernetzwerks Bildung in Berlin und das Projekt "Niemanden zurücklassen - Lesen macht stark" vom Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig Holstein.
 
Hier finden Sie die vollständige Pressemitteilung.
 
Quelle: Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland vom 06.09.2012