Kinder- und Jugendarbeit / Europa

Deutsch-Polnisch-Ukrainisches Projekt untersucht die Medienberichterstattung um das Thema Vertreibungen

„Die sehr unterschiedliche Darstellung von historischen Ereignissen um die Vertreibungen hat mich überrascht. Erst durch eine gemeinsame umfassende Prüfung mancher Vorgänge und Gespräche mit Zeitzeugen konnte uns helfen, sich eine eigene Meinung zu bilden“, sagt die Teilnehmerin Frauke Spangenberg. „Grundsätzlich sind wir zu der Überzeugung gelangt, das gemischtnationale Historikergruppen sich intensiver mit dem Thema auseinandersetzen sollten, um eine stärkere Objektivität zu gewinnen.“

„Es war nicht einfach sich diesem Thema zu nähern, weil sowohl Ukrainer, Polen und Deutsche von Vertreibungen während und nach dem 2. Weltkrieg betroffen waren, aber die Vorgänge oft unterschiedlich bewerten“, betont die djo-Bundeskulturreferentin Zuzanna Krzysztofik. „Wir alle werden - bewusst oder unbewusst - von negativen Stereotypen und überkommenen Feindbildern beeinflusst. Es ist wichtig, das wir als gesellschaftliche Akteure versuchen, die Wirkung dieser Einflüsse immer wieder aufs Neue zu begrenzen.“

Am 30. Juli fand in der Vertretung des Landes Brandenburg beim Bund die Projektpräsentation „Richtig berichtet? - Feindbilder kritisch hinterfragt“ statt. Jeweils acht junge Menschen aus Deutschland, Polen und der Ukraine befassten sich im Rahmen des Projekts mit den Pressedebatten um das Zentrum gegen Vertreibungen und um die Vertreibungen in Polen nach dem Ende des 2. Weltkrieges (die sogenannte „Aktion Weichsel“) vor ihren historisch-politischen Hintergründen. Sie analysierten ausgewählte Presseartikel zu diesem Thema, suchten darin nach Stereotypen, Vorurteilen und Feindbildern und hinterfragten diese kritisch mit Hilfe von Zeitzeugen, Experten und Originalquellen. Die Ergebnisse werden in Kommentaren und Beiträgen zusammengefasst, die sich auf die Recherchen stützen. Im Oktober werden diese in Form einer dreisprachigen Zeitschrift veröffentlicht, die auf Anfrage bei der djo-Bundesgeschäftsstelle kostenfrei zugesandt werden kann.

Das Projekt wurde durch das Programm „Europeans for Peace“ der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ und durch das Deutsch-Polnischen Jugendwerk gefördert. Die Projektpartner sind die Vertretung des Landes Brandenburg beim Bund, der MOE-Kultur/Newsletter, die Gazeta Olszty≈Ñska und die Bäckerei Beumer&Lutum.

Quelle: djo vom 30. Juli 2010

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