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Europa / Freiwilliges Engagement

"Das Beste, was wir in Europa haben" – Europäischer Freiwilligendienst feiert 20jähriges Jubiläum

Podium mit den Teilnehmern der Polit-Debatte
Bild: © Svenja Schumacher v.l. Moderator Andreas Korn, Janet Ladwig, Martin Schulz, Hans-Georg Wicke, Elke Ferner, Leon Brülke, Antoaneta Angelova-Krasteva

Vergangenen Freitag (21.10.2016) feierte der Europäische Freiwilligendienst mit einem Festakt in Aachen sein 20jähriges Bestehen. Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments, gratulierte dem EFD und würdigte, wie wichtig er für ein solidarisches Europa ist.

"Es gibt Leute, die sagen, man könnte den EFD renationalisieren. Ich habe selten größeren Unsinn gehört! Wenn es überhaupt ein Projekt gibt, das stilbildend für Europa ist, in denen Nationen über Grenzen hinweg zusammenarbeiten, sich gegen Renationalisierung stellen, dann ist es der EFD. Denn Sie repräsentieren das Beste, was wir hier haben und deshalb ist es eine Pflicht für mich hier zu sein!"

So begrüßte EU-Parlamentspräsident Martin Schulz die Freiwilligen und die Jugendfachkräfte im voll besetzten Festsaal. Rund 400 Europäische Freiwillige und Wegbereiter des Programms waren zu den Feierlichkeiten nach Aachen gekommen, die JUGEND für Europa im Rahmen des Rückkehrerevents comeback organisiert hatte.

Der EFD: Vorbild für ein solidarisches Europa

In seiner mitreißenden Rede würdigte Schulz den Europäischen Freiwilligendienst vor allem für seine Funktion für ein solidarisches Europa. Er zeigte sich außerdem besorgt über den wachsenden Rechtsradikalismus und eine "Anti-Europa"-Stimmung. "Europa ist nicht perfekt", sagte er, aber die Geschichte der 1920- und 1930er-Jahre dürfe sich nicht wiederholen. "Wir müssen solidarischer werden, gerechter, effizienter". Er appellierte an die Jugendlichen im Saal: "Ihr müsst dafür kämpfen, dass die, die Europa zerstören wollen, nicht gewinnen."

Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sendete zur Feier eine Grußbotschaft an alle jungen Menschen, die am Europäischen Freiwilligendienst teilnehmen. "Mit dem Europäischen Freiwilligendienst leben Sie Solidarität vor. Das ist etwas unheimlich Wertvolles. Ich bin mir sicher, dass Sie, die Freiwilligen – aber auch alle, die mit Ihnen arbeiten – schnell spüren, wie sehr diese Erfahrungen Ihr ganzes Leben bereichern", sagte Juncker.

Wie sieht die Zukunft des Europäischen Freiwilligendienstes aus?

In einer Polit-Debatte diskutierten die zwei ehemaligen Freiwilligen Leon Brülke und Janet Ladwig zusammen mit Martin Schulz, Elke Ferner, Parlamentarische Staatssekretärin im Jugendministerium, Hans-Georg Wicke, Leiter von JUGEND für Europa und Antoaneta Angelova-Krasteva, Direktorin in der Generaldirektion Bildung und Kultur der EU-Kommission über den Zustand Europas und die Zukunft des EFD.

Janet und Leon forderten in ihren Statements, dass junge Menschen nicht den Älteren über 50  Entscheidung überlassen sollten . Sie forderten eine Rebellion der Jungen gegen die Alten, mehr Mitgestaltung in der Politik, aber auch eine verstärkte Beschäftigung mit Europa in der Schule, eine veränderte Flüchtlingspolitik der EU, weniger nationale Interessen.

Der EFD selbst sei ein Instrument gegen Politikverdrossenheit, brachte Hans-Georg Wicke ins Gespräch ein: "Der EFD ist ein Statement für Europa, die Projekte selbst sind sehr oft politisch. 30 bis 40 Prozent der Freiwilligen sagen nach der Rückkehr, dass sie sich weiter ehrenamtlich einbringen wollen. Mehr kann man überhaupt nicht erwarten!"

"Der EFD ist eine großartige Möglichkeit, persönliche Erfahrungen zu sammeln und etwas zur Gesellschaft beizutragen", sagte Antoaneta Angelova-Krasteva von der EU-Kommission. "10.000 junge Freiwillige jährlich sind toll und wir sind dabei das Budget aufzustocken, weil wir sehr viele positive Auswirkungen sehen. Mit den Plänen zur Umsetzung eines Europäischen Solidaritätskorps möchten wir ab Dezember noch weiter gehen als die bereits existierenden Strukturen."

Daran übte Wicke Kritik: "Ich hätte mir eher gewünscht, dass die Zahlen für den EFD verdoppelt werden. Die angesprochenen Projekte in Flüchtlingshilfe etc. gibt es bereits. Das einzige, was wir brauchen ist mehr."

Martin Schulz bekräftigte: "Ich wünsche mir einen noch breiteren Freiwilligendienst, dass vor allem möglichst viele junge Menschen Zugang dazu haben. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass Juncker einen uniformierten Einheitsdienst meint, sondern eher eine Erweiterung des bestehenden Freiwilligendienstes."

Quelle:  JUGEND für Europa (Lisa Brüßler) / Eurodesk (Svenja Schumacher)

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