Sozialforschung / Europa

BIBB-Befragung zum Thema "Ausbildungsmobilität"

mehrere Schüler mit Blöcken in der Hand stehen nebeneinander
Bild: © Wiliam Perugini- Fotolia.com

Betriebe sind in gewisser Hinsicht bereit, die Mobilität der Auszubildenden zu unterstützen. Deutlich wird aber auch, dass bestehende Fördermöglichkeiten bekannter gemacht und stärker genutzt werden müssen. Dies sind Ergebnisse einer Betriebsbefragung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB).

Ausbildungsmärkte in Deutschland sind regional geprägt: Jugendliche leben nicht immer dort, wo ihr gewünschter Ausbildungsberuf angeboten wird und es genügend Ausbildungsstellen gibt. Eine überregionale Rekrutierung könnte zum Ausgleich dieser Passungsprobleme beitragen und Betriebe mit rückläufigen Bewerbungs- und Ausbildungszahlen ebenso wie ausbildungssuchende Jugendliche unterstützen. Dies bestätigen die Betriebe in der RBS-Befragung: So schätzen 62,6 % eine überregionale Rekrutierung als wichtig ein; 82,5 % meinen, dass die Mobilität in fünf Jahren ein wichtiges Instrument zur Fachkräftesicherung sein wird.

Jedoch: Bei der BIBB-Schulabgängerbefragung 2012 bejahten lediglich 11,7 % derjenigen, die gerade eine Ausbildung machten, sich auch mehr als 100 Kilometer außerhalb der Region beworben zu haben. Jugendliche, die zur Befragungszeit keine Ausbildung machten, dies aber beabsichtigten, hatten sich zu 15,8 % überregional beworben.

"Jugendliche sollten daher verstärkt ermutigt werden, mobiler zu sein und sich auch um Ausbildungsplätze außerhalb ihrer Heimatregion bewerben. Außerdem sollte an der Einstellung der Jugendlichen zur Mobilität bereits in der Schule gearbeitet werden", betont BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser. "Gleichzeitig müssen kleine und mittlere Unternehmen weiter sensibilisiert werden, sich auch über ihre Region hinaus um Auszubildende zu bemühen." So suchen etwa zwei von drei KMU ihre Auszubildenden in einem Radius von lediglich bis zu 20 Kilometern. Etwa ein Drittel sucht in einem Radius bis 100 Kilometer und nur 5 % der Betriebe auch in einem Radius über 100 Kilometer.

Der BIBB-Befragung zufolge fühlen sich die Betriebe nur unzureichend über Angebote zur Förderung regionaler Mobilität von Auszubildenden informiert. Sechs von zehn befragten KMU gaben an, sich "schlecht oder gar nicht" beziehungsweise "wenig" informiert zu fühlen. Bereits bestehende Fördermöglichkeiten sind zu wenig bekannt und könnten mehr genutzt werden: So geben drei von vier KMU an, das betreute Jugendwohnen nicht zu kennen; jeder zweite Betrieb kennt finanzielle Hilfen wie die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) nicht; rund ein Drittel kennt diese zwar, hat sie aber noch nicht genutzt. "Die Konzepte sind vorhanden", so BIBB-Präsident Esser weiter. "Es gilt aber, sie in die Fläche und in die Praxis zu tragen. Hier sind alle Akteure der beruflichen Bildung gefordert."

Das von der Programmstelle JOBSTARTER beim BIBB durchgeführte Programm "JOBSTARTER plus" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) greift das Thema "Interregionale Mobilität" in seinen Förderrichtlinien unter dem Titel "Entwicklung und Erprobung interregionaler Kooperationen zum Ausgleich von Disparitäten regionaler Ausbildungsmärkte - Netzwerke für Matching und Mobilität" auf. Ab Januar 2015 werden ausgewählte Projekte Konzepte zur Förderung der Mobilität erproben. Weitere Informationen unter www.jobstarter.de/de/interregionale-mobilitaet-1518.php

Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung vom 14.08.2014