Bildungspolitik / Europa

Ausbildung: Europaweiter Standard soll Qualität der Praktika verbessern

Mangelhafte Arbeitsbedingungen, schlechte Bezahlung und kaum vermittelte Lerninhalte gehören zu den Erfahrungen, die Praktikanten europaweit machen.

Fast 60 Prozent erhalten keine Bezahlung. Von denjenigen, die Geld für ihr Praktikum erhalten, können die Hälfte ihre Lebenshaltungskosten davon nicht bestreiten. Dies geht aus einer Eurobarometerumfrage hervor, die die EU-Kommission heute (Dienstag) veröffentlicht hat.

EU-Sozialkommissar László Andor sagte: "Praktika sind entscheidend, um den Übergang von der Ausbildung in den Arbeitsmarkt zu erleichtern. Im Hinblick auf die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Europa ist es wichtig, dass Praktikanten die beste Ausbildung für einen zukünftigen Job erhalten und dass sie nicht ausgebeutet werden. Daher wird die Kommission am 4. Dezember eine Empfehlung für einen Qualitätsrahmen für Praktikanten vorlegen, der Leitlinien enthalten wird, die es Praktikanten ermöglichen, qualitative hochwertige Arbeitserfahrungen unter sicheren Bedingungen zu erlangen."

46 Prozent der Befragten gaben EU-weit an, bereits ein Praktikum absolviert zu haben, in Deutschland hatten 74 Prozent ein Praktikum absolviert, 52 Prozent eine Ausbildung, 25 Prozent einen Studentenjob, nur 6 Prozent gaben an, keine Arbeitserfahrungen auf diese Weise gesammelt zu haben (EU-Durchschnitt: 32 Prozent). 29 Prozent der befragten Deutschen hatten mehr als drei Praktika gemacht, der EU-Durchschnitt liegt hier bei 22 Prozent. Geld für das letzte geleistete Praktikum erhielten in Deutschland 38 Prozent (EU-Durchschnitt: 40 Prozent), 62 Prozent der Befragten Deutschen absolvierten ein unbezahltes Praktikum (EU-Durchschnitt: 59 Prozent).

In der EU finden mehr als fünf Millionen Menschen unter 25 Jahren keine Arbeitsstelle. Praktika können eine entscheidende Rolle dabei spielen, den Zugang zum Arbeitsmarkt zu verbessern, sie können die Lücke zwischen dem in der Ausbildung erworbenen Wissen und den an einem Arbeitsplatz geforderten Fertigkeiten überbrücken. Praktika werden jedoch mitunter nicht für ihren eigentlichen Zweck genutzt: Seit einigen Jahren mehren sich die Beschwerden über die Qualität von Praktika. Der für Dezember angekündigte Qualitätsrahmen der Kommission für Praktika wird daher die Kriterien Praktikumsvertrag, Festlegung von berufsbezogenen Lernzielen, angemessene Dauer, Anerkennung und angemessene Absicherung und Bezahlung berücksichtigen.

Weitere Informationen in der vollständigen Pressemitteilung.

Ergebnisse der Eurobarometer-Umfrage 

Ööffentliche Konsultation zum Qualitätsrahmen für Praktika

Quelle: Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland vom 26.11.2013