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Europa / Qualifizierung

Anerkennung von Kompetenzen in der Berufsbildung: Keine Scheu vor ECVET

Bunte Buchstaben, die von mehreren Händen hochgehalten werden, formen das Wort 'Skills' (Kompetenzen)
Bild: © Rawpixel.com - AdobeStock

Das Transparanzinstrument für Auslandsaufenthalte in der Berufsbildung „European Credit System for Vocational Education and Training“ (ECVET) ist seit 2009 in ganz Europa etabliert. ECVET schafft ein Verständnis für die erworbenen Kompetenzen über alle nationalen Qualifikationssysteme hinweg. Dennoch bestehen in Deutschland immer noch Vorbehalte. Diese möchte die Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung ausräumen.

Europa weist eine große Vielfalt von Berufsbildungssystemen auf. Damit in transnationalen Mobilitätsprojekten erworbene berufliche Kompetenzen europaweit verstanden und verglichen werden können, ist es erforderlich, eine 'gemeinsame Sprache' zu entwickeln. Die Orientierung an Lernergebnissen gewährleistet eine solche gemeinsame Sprache. Ein Lernergebnis beschreibt, was jemand weiß, kann und in der Lage ist zu tun, nachdem ein Lernprozess abgeschlossen ist. Wenn die Lernergebnisse oder Kompetenzen, die im Ausland erworben wurden, auch valide überprüft werden, bildet das die Grundlage für ihre europaweite Anerkennung.

Was ist ECVET?

Mit Lernergebnisorientierung, valider Überprüfung und Anerkennung der Ergebnisse von Lernprozessen sind auch schon die wesentlichen Prinzipien von ECVET (European Credit System for Vocational Education and Training) skizziert, einem seit 2009 in ganz Europa etablierten Transparenzinstrument für die Berufsbildung. ECVET hilft, eine 'gemeinsame Sprache' zu finden und schafft so ein Verständnis für die erworbenen Kompetenzen über alle nationalen Qualifikationssysteme hinweg. Es ist im Bereich grenzüberschreitender Zusammenarbeit eine wertvolle Unterstützung für das Bildungspersonal in Schulen und Betrieben.

Mehr bürokratischer Aufwand?

In Deutschland trifft ECVET immer noch auf Vorbehalte, da in ihm vor allem eine zusätzliche bürokratische Arbeitsbelastung gesehen wird und die Vielfalt der Projektergebnisse aus Pilot- und Transferprojekten verwirren kann. Hinzu kommt noch die Unsicherheit hinsichtlich der Credit Points, welche aber – zumindest in Deutschland – heute keine Rolle spielen.

Es geht hier aber nicht in erster Linie um Systeme und (ECVET-)Systematiken – die durchaus ihre Berechtigung haben und zur Nachhaltigkeit und Verstetigung von Mobilitätsbemühungen beitragen –, sondern um die Umsetzung der ECVET-Prinzipien. Natürlich können und sollen die Ergebnisse aus vorangegangenen Projekten das eigene Vorhaben befruchten – nicht jeder muss schließlich das Transparenz- und Qualitätsrad neu erfinden. So finden sich zum Beispiel schon entwickelte Lernergebniseinheiten aus den verschiedensten Berufen auf der deutschen ECVET-Seite www.ecvet-info.de unter „Lernergebniseinheiten von A-Z“.

Flexibel nutzbare Toolbox

Heute ist ECVET weitgehend in der täglichen Mobilitätspraxis angekommen, sei es, dass bewusst eine ECVET-Systematik entwickelt oder genutzt wird, sei es, dass man die ECVET-Prinzipien anwendet, ohne sie ausdrücklich als solche zu deklarieren. Zunehmend werden auch die Auszubildenden in den ECVET-Prozess mit einbezogen.

In welchem Umfang dieses Qualitäts- und Transparenzinstrument nun eingesetzt wird – ob man die ECVET-Prinzipien zunächst mit ein oder zwei Lernergebniseinheiten und entsprechender Überprüfung erprobt oder die gesamte Qualifizierungsphase im Ausland mit den ECVET-Instrumenten gestaltet, ob mit Beteiligung der Auszubildenden oder ohne –, bleibt jeder Lehrkraft selbst überlassen. ECVET ist ein flexibel nutzbarer ‚Werkzeugkasten‘.

Weiterführende Informationen

Das Team der nationalen ECVET-Expertinnen und -Experten bei der Nationalen Agentur beim BIBB unterstützt das Bildungspersonal in Schulen und Betrieben seit vielen Jahren sowohl bei den ersten Schritten mit ECVET als auch bei speziellen Fragestellungen. Es tut dies mit individuellen Beratungen, mit eigens entwickelten Materialien und mit einer Reihe von Workshops. Alle Angebote sind kostenfrei.

Quelle: Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung vom 05.02.2020

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