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Österreich

Acht von zehn Jugendlichen fühlen sich als EU-Bürger

Eine junge Frau schwenkt eine große Europaflagge, im Hintergrund ist ein Gebäude zu sehen
Bild: Brunel Johnson - unsplash.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Insgesamt sechs Jugendumfragen hat die Österreichische Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE) seit 2014 durchgeführt. Daran haben mehr als 15.000 Jugendliche teilgenommen, mehr als 80 Prozent bewerten die EU positiv. Die Top-Priorität bei den Themen liegt beim Klima- und Umweltschutz. Im Herbst 2021 finden zahlreiche Panels und Plenarkonferenzen im Rahmen der Konferenz zur Zukunft Europas statt. Anfang Oktober diskutierten u.a. 10.000 Jugendliche beim zentralen Jugendevent, wie die EU von morgen gestaltet werden kann.

Seit Herbst 2014 untersucht die Österreichische Gesellschaft für Europapolitik, wie speziell Jugendliche in Österreich der Europäischen Union gegenüberstehen. Die Ergebnisse aus sechs Umfrageserien mit insgesamt über 15.000 Befragten ab 14 Jahren zeigen: Die EU-Mitgliedschaft Österreichs wird gerade von jungen Menschen positiv gesehen, wenngleich  die Union vielen als komplex erscheint. Die Resultate der ÖGfE-Jugendumfragen aus den vergangenen Jahren analysierte Generalsekreträr Paul Schmidt bereits anlässlich des Europatags am 9. Mai 2021. In diesem Herbst startet die Konferenz zur Zukunft Europas in die heiße Phase.

Trends im Meinungsbild der jungen Generation

Eine Analyse der aggregierten Ergebnisse zeige, dass die EU-Mitgliedschaft von Jugendlichen überwiegend positiv gesehen wird - eine Tendenz, die sich im Zeitverlauf noch verstärkt habe. Gaben im Schuljahr 2014/15 noch 61 Prozent an, dass die EU-Mitgliedschaft eine „gute Sache“ ist, so steigt dieser Wert auf 81 Prozent im Schuljahr 2019/20. Explizit als „schlechte Sache“ gewertet wurde die Mitgliedschaft in der EU anfangs von 10 Prozent, dieser Wert ist mit den Jahren auf 3 Prozent gesunken. Ebenso ist die Zahl jener, die sich kein Urteil über die Mitgliedschaft bilden können, deutlich rückläufig.

Etwa acht von zehn Befragten fühlen sich auch als EU-Bürgerin oder EU-Bürger. Ein Meinungsbild, das sich dabei über die Jahre als recht konstant erweist. Die Zahl jener, die dies nicht so empfindet, beträgt ein knappes Fünftel.

Dessen ungeachtet sei das Interesse Jugendlicher am europapolitischen Geschehen ausbaufähig. Im 6-Jahres-Durchschnitt geben nur etwas mehr als die Hälfte der Befragten (53 Prozent) an, sich für europäische politische Entwicklungen zu interessieren, 45 Prozent verneinen dies. Das Interesse an der heimischen Politik ist ungleich höher: Drei Viertel zeigen daran Interesse, ein Viertel ist desinteressiert. Seit Beginn der Befragungen im Herbst 2014 zeigen sich hierbei zwar einzelne Schwankungen des Meinungsbildes, die grundlegende Tendenz bleibt jedoch bestehen.

Je jünger die Befragten, desto positiver die Einstellung

Alter, Schultyp und Geschlecht der Jugendlichen haben Einfluss darauf, wie positiv bzw. negativ die EU gesehen wird: Je jünger die Befragten, desto positiver ist ihre EU-Einstellung. Männliche, ältere sowie Befragte aus Berufs-/Fachschule sehen sich etwas häufiger nicht als EU-Bürgerin oder -Bürger. Im Vergleich zu Jugendlichen aus AHS und BHS zeigen Befragte aus Berufs- und Fachschulen auch weniger Interesse am Politikgeschehen in der EU.

Eine Mehrheit der Jugendlichen spricht sich dafür aus, dass künftig eher gemeinsam auf europäischer Ebene entschieden wird, als einzeln auf nationalstaatlicher Basis. Dies zeigen Daten aus den letzten drei Befragungsjahren (Herbst 2017 bis Frühjahr 2020). Die Zahl jener, die sich für ein Mehr an europäischer Entscheidungsfindung aussprach, stieg in diesem Zeitraum von 62 auf 70 Prozent, während der Anteil jener, die für eine stärkere Kompetenz der Nationalstaaten plädierten, im gleichen Ausmaß zurückging.

Top-Priorität ist der Klima- und Umweltschutz

Die aktuellen Umfragedaten vom Herbst 2018 bis Frühjahr 2020 machen deutlich, dass gerade jene Themen, die beim künftigen Wiederaufbau der EU eine prominente Rolle spielen werden, auch bei den befragten Jugendlichen verstärkt in den Fokus gerückt sind. Top-Priorität der Jugend ist der Klima- und Umweltschutz: Im Zeitraum 2018 bis 2020 stieg die Zahl jener, die angaben, dass sich die EU künftig vermehrt um dieses Thema kümmern sollte, von 69 auf 80 Prozent. An zweiter Stelle rangiert mit 69 Prozent der Wunsch, die Kluft zwischen Arm und Reich zu verringern - ein Plus von 7 Prozentpunkten. An dritter Position (63 Prozent) liegen ein stärkerer Einsatz für die Menschenrechte (plus 8 Prozentpunkte) und ein gemeinsamer Ansatz beim Umgang mit Asyl und Migration (+ 1 Prozentpunkt) gleichauf. Der Anteil jener, die sich von der EU mehr Engagement im Bereich der Digitalisierung wünschen, erhöhte sich von 23 auf 33 Prozent.

Eines hat sich im Zeitverlauf der ÖGfE-Jugendumfragen jedoch kaum geändert. Wurde die Europäische Union von Jugendlichen im Schuljahr 2014/15 zu 77 Prozent als kompliziert bezeichnet, so waren es in den letzten Vor-Corona-Semestern 2019/20 mit 76 Prozent fast ebenso viele.

Anmerkung: Die aggregierte Darstellung der Ergebnisse basiert auf österreichweiten Umfragen unter 15.039 Jugendlichen im Rahmen der Wanderausstellung sowie Berufsschultour „EUROPA#wasistjetzt“. Die Umfragen fanden in sechs Serien beginnend mit dem Schuljahr 2014/15 und endend mit dem Schuljahr 2019/20 statt. Die Befragungen wurden in schriftlicher Form an insgesamt 267 AHS, BHS, Berufs- und Fachschulen in ganz Österreich durchgeführt.

Die Detailergebnisse der einzelnen Umfragen stehen online zur Verfügung.

Quelle: Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik vom 09.05.2021