EU-Jugendstrategie

Seit langem erwartet: Lebenslagen von Kindern und Jugendlichen in der EU sollen verbessert werden

Hände bilden einen Kreis
Bild: © Péter Mács - Fotolia.com

Als Teil ihres „Sozialen Investment Pakets“ legte die EU-Kommission nun die lang erwartete Empfehlung zur Bekämpfung der Armut und sozialen Ausgrenzung von Kindern und Jugendlichen vor.

Einen ersten  Anlauf für eine solche Initiative hatte bereits der belgische EU-Ratsvorsitz im Jahr 2010 gemacht. Seitdem hat sich die Situation von Kindern und Jugendlichen nicht wirklich verbessert. Wie eine aktuelle Übersicht des Statistischen Amtes der EU, Eurostat, zeigt, waren im Jahr 2011 27% der Kinder und Jugendlichen von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht.

Laut Definition gehören zu dieser Gruppe Personen, die entweder in einem Haushalt mit einem verfügbaren durchschnittlichen Einkommen unter der Armutsgefährdungsschwelle leben oder die nicht in der Lage sind, die materielle Grundversorgung zu sichern, wie z.B. Miete, Heizung, jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit, einen Fernseher, einen einwöchigen Jahresurlaub.

Beinahe jedes zweite Kind in der EU, dessen Eltern einen niedrigen Bildungsgrad haben, so zeigt es die Statistik, ist armutsgefährdet. Dagegen gilt dies nur für 22% der Kinder, die mit Eltern eines mittleren Bildungsgrads (höchstens Sekundarbereich II) zusammenleben und für 7% der Kinder mit Eltern mit einem hohen Bildungsgrad. Der Migrationshintergrund spielt heute bei der Bestimmung von Lebenslagen ebenfalls eine wichtige Rolle. Im genannten Jahr waren 32% der Kinder, die mit mindestens einem im Ausland geborenen Elternteil zusammenlebten, in der EU von Armut bedroht, gegenüber 18% der Kinder, deren Eltern im Inland geboren wurden.

Wie sich bereits in den Vorabpositionierungen des Rates der EU unter anderem im Oktober 2012 zeigte, zielen die Handlungsstränge zur Verbesserung der Lebenslagen von Kindern und Jugendlichen in sozial schwierigen Lebensumständen auf drei zentrale Anforderungen ab. In ihrer Botschaft mit dem Titel „In Kinder und Jugendliche investieren – den Kreislauf der Benachteiligungen brechen“ fordert der Rat die Mitgliedstaaten zu einem integrierten Handeln auf:

  • Ressourcen und Unterstützungsangebote schaffen, damit Eltern arbeiten und Kinder und  Jugendliche angemessen leben können;
  • Zugang zu bezahlbaren Dienstleistungen gewähren, wie frühkindliche Bildung und Erziehung, Schule, Gesundheit, Wohnen sowie familienunterstützende Leistungen;
  • das Recht von Kindern und Jugendlichen auf Beteiligung sichern.

Viele der unter den ersten beiden Spiegelstrichen aufgeführten Forderungen in der Empfehlung gehen auf bekannte sozialpolitische Debatten und Inhalte in der Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten zurück.

Neu ist das Thema Partizipation für die Beschäftigungs- und Sozialpolitik der EU. Die Kommission nimmt hier eindeutig Bezug auf die UN-Kinderrechte, die seit dem Inkrafttreten des EU-Vertrags von Lissabon für das Handeln der EU verbindlich sind. Sie setzt sich für die Förderung der Beteiligung von allen Kindern und jungen Menschen an Aktivitäten informellen Lernens ein, wie Sport, Kultur und Freizeit, und fordert einsicheres und sensibles Umfeld. „Schulen, Gemeinden und lokale Behörden sollen ermutigt werden, bessere Aktivitäten nach der Schule zu schaffen und Angebote für alle zu gewährleisten, unabhängig von der Beschäftigungs- oder sonstigen Lebenssituation der Eltern“, lautet eine der konkreten Anregungen.

Ein zweiter Abschnitt ist der Partizipation von Bürgern und Bürgerinnen unter 18 Jahren bei Entscheidungen, die sie direkt betreffen, gewidmet. Explizit wird außerdem die Förderung einer „kinderfreundlichen“ Justiz angemahnt.

Wenn es nach der Kommission geht, sollten Kinderpolitik und Kinderrechte "gemainstreamt" und eine enge Kooperation zwischen den verschiedenen Akteuren zur Normalität werden.

Apropos Synergien, an keiner Stelle wird in der Empfehlung auf die EU-Jugendstrategie eingegangen, die gerade zum Thema Partizipation Vielfältiges einzubringen hätte.

Die Empfehlung der Europäischen Kommission „Investing in Children – breaking the cycle of disadvantage (2013)“ (PDF-Datei; 1,5 MB) steht zurzeit nur in englischer Sprache zur Verfügung.

Quelle: jugendpolitikineuropa.de

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EU-Jugendstrategie: Umsetzung in Deutschland

  • Grundlagen zur EU-Jugendstrategie
    Drei Holzfiguren in verschiedenen Farben berühren sich an den Händen

    Die Staaten der Europäischen Union haben sich auf das jugendpolitische Ziel verständigt, bis 2018 die Lebenslagen junger Menschen zu verbessern. Dafür sollen mehr Möglichkeiten und mehr Chancengleichheit für alle jungen Menschen in Bildung und Arbeit geschaffen werden. Auch das freiwillige Engagement junger Menschen und ihre soziale Eingliederung junger Menschen soll gestärkt werden.

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  • Die Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland
    Wehende Deutschlandfahne vor blauem Himmel
    mwillms - flickr.com

    Der Bund und die Länder setzen die EU-Jugendstrategie in Deutschland gemeinsam um. Sowohl der Bund als auch die Länder haben ihre Positionen zur Ausrichtung der jugendpolitischen Zusammenarbeit der EU im Vorfeld eingebracht. Impulse aus der EU-Jugendstrategie sollen als Motor für die Weiterentwicklung und Qualifizierung von Praxis und Politik der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland nutzbar gemacht werden.

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  • Arbeitsprogramm von Bund und Ländern
    Team
    © Woodapple - Fotolia.com

    Es gibt vielfältige Aktivitäten zur Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland. Bund und Länder setzen eine Reihe von Maßnahmen individuell um, haben sich aber auch eine gemeinsame Agenda gesetzt. Das Arbeitsprogramm der Bund-Länder Arbeitsgruppe zur Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland für den Zeitraum 2014 – 2018 beschreibt konkrete fachliche Vorhaben. Im Fokus steht dabei, Entscheidungsträger und Fachkräfte der Kinder und Jugendhilfe, insbesondere auf der kommunalen Ebene, zu erreichen.

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  • Mehr Europa in die Kinder- und Jugendhilfe
    fünf Hände formen einen Stern
    © tbel - Fotolia.com

    Eine der vorrangigen Zielsetzungen der Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland ist es, mehr Europa in die Kinder- und Jugendhilfe zu bringen. Mehr Europa bedeutet, die alltägliche Arbeit in den Handlungsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe europäisch zu denken, zu verstehen und auszugestalten. In der Praxis gibt es bereits vielfältige europäische und internationale Projekte sowie transnationale Arbeitsansätze. Die Erfahrungen zeigen, dass dies eine Bereicherung für die  Jugendhilfe darstellt. Der fachliche Mehrwert einer stärkeren europäischen Ausrichtung soll daher kommuniziert und beispielhaft vermittelt werden.

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  • EU-Jugenddialog – Strukturierter Dialog
    Logo des EU-Jugenddialogs
    © DBJR

    Junge Menschen haben das Recht, bei Entscheidungen, die ihr Leben betreffen, gefragt und einbezogen zu werden. Das gilt auch für die europäische Ebene. Die Beteiligung Jugendlicher an der Umsetzung der EU-Jugendstrategie geschah bis Ende 2018 im Rahmen des sogenannten Strukturierten Dialogs mit der Jugend. Seit 2019 heißt der Strukturierte Dialog nun EU-Jugenddialog.

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  • Youth Goals – Europäische Jugendziele
    Gelbes Logo der Youth Goals mit schwarzer Schrift
    Mireille van Bremen

    Die Youth Goals fassen zusammen, welche Themen junge Menschen in Europa bewegen und was sie von Jugendpolitik bzw. von Politik für junge Menschen erwarten und sind in die EU-Jugendstrategie 2019-2027 eingeflossen.

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  • Die EU-Jugendstrategie 2019 - 2027
    Europaflagge vor blauen Himmel
    © moonrun - fotolia.com

    Am 26. November 2018 nahm der Rat der EU eine Entschließung mit dem Titel „Entschließung des Rates der Europäischen Union und der im Rat vereinigten Vertreter der Regierungen der Mitgliedstaaten über einen Rahmen für die jugendpolitische Zusammenarbeit in Europa: Die Jugendstrategie der Europäischen Union 2019-2027“ an. Damit legten die Mitgliedstaaten die Eckpunkte der jugendpolitischen Zusammenarbeit für die nächsten neun Jahre fest.

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Videos zur EU-Jugendstrategie

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