EU-Jugendstrategie

JiVE-Nachhaltigkeitskonferenz zieht positive Gesamtbilanz

Bild: Chr. Piecha Bei der Podiumsdiskussion v.l.: Michael Fähndrich (BAG Evangelische Jugendsozialarbeit e.V), Hetav Tek (Deutscher Bundesjugendring), Albert Klein-Reinhardt (BMFSFJ), Anneli Starzinger (IJAB-Moderation), Christa Markl-Vieto (Bezirksstadträtin Steglitz-Zehl

“Ihre Arbeit ist auch ein Auftrag an uns”, sagte die Parlamentarische Staatssekretärin Caren Marks bei ihrem Grußwort zur JiVE-Nachhaltigkeitskonferenz und bedankte sich für die bisher geleistete Arbeit. Rund 80 Teilnehmende zogen Bilanz der dreijährigen Arbeit der jugendpolitischen Initiative JiVE und sprachen über die zukünftigen Herausforderungen. JiVE wird als wichtiger Impuls für Kommunen weiter gebraucht, so lautete der Tenor auf der Tagung.

Von Sebastian Jabbusch

“Als wir unseren ersten Austausch abgeschlossen hatten, war es, als wäre ein Stein ins Wasser gefallen. Plötzlich kamen wie reflektierende Wellen lauter Leute auf mich zu und wollten mit uns weitere Projekte starten”, ermutigte Christa Markl-Vieto, Bezirksstadträtin aus Steglitz-Zehlendorf, die Teilnehmenden bei der JiVE-Nachhaltigkeitskonferenz in Berlin. Zwei Tage lang tauschten sich vom 24. bis 25. Juni 2014 rund 80 Fachkräfte und Multiplikator(inn)en aus den Bereichen Jugendsozialarbeit, Streetwork, Jugendverbandsarbeit, kommunale Jugendarbeit, Migrantenselbstorganisationen u.a. über die Ergebnisse und Erfahrungen der jugendpolitischen Initiative „JiVE. Jugendarbeit international – Vielfalt erleben“ aus und zogen nach dreijähriger Tätigkeit Bilanz.

Motivierende Grußworte

“Aus meiner Sicht ist es das große Verdienst von JiVE, Jugendlichen eine internationale Perspektive eröffnet zu haben, die davon bisher oft ausgeschlossen waren”, so die Parlamentarische Staatssekretärin aus dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), Caren Marks. Sie unterstrich, dass die europäische und internationale Jugendarbeit non-formale Kompetenzen fördert. Grenzüberschreitende Mobilität eröffne mehr Chancen für Bildung und Teilhabe und sei auch eine Grundlage für die berufliche Bildung. Ausdrücklich betonte sie, „dass es nicht alleine um die schulische und berufliche Bildung gehen darf. Im Mittelpunkt muss die Persönlichkeitsentwicklung der jungen Menschen stehen - um ihrer selbst willen!“

Nicht nur durch den Besuch der Parlamentarischen Staatssekretärin räumte das BMFSFJ der jugendpolitischen Initiative einen hohen Stellenwert ein. Bundesministerin Manuela Schwesig selbst hob die jugendpolitische Initiative JiVE bei ihrer Rede anlässlich des 15. Deutschen Kinder- und Jugendhilfetags Anfang Juni hervor: “Die Anstöße, die die Bundesinitiative JiVE gegeben hat, werden in Zukunft von den beteiligten Kommunen weitergeführt. Wir werden die gewonnenen Erfahrungen aus dem Projekt auswerten und anschließend in eine umfassende Mobilitätsstrategie einfließen lassen, die vor allem benachteiligten Jugendlichen zugute kommen wird“ (IJAB berichtete).

Nachhaltigkeit heißt auch, die europäische und internationale Jugendarbeit als Querschnittsaufgabe in allen Feldern der Kinder- und Jugendhilfe zu etablieren, erinnerte Marie-Luise Dreber, Direktorin von IJAB, in ihrem Grußwort. Nur so kann letztlich umfassende Teilhabe und Chancengerechtigkeit für alle jungen Menschen erreicht werden.

Die acht Teilinitiativen bilanzieren ihre Meilensteine

Zum Auftakt der Veranstaltung berichteten Vertreterinnen und Vertreter der acht Teilinitiativen über Meilensteine in ihrer Arbeit. Katrin Gödeke (WannseeForum) von der Teilinitiative “Interkulturell goes on” verwies auf zahlreiche Coachings, an der 89 Schulen und Träger teilgenommen haben. Michael Fähndrich (BAG Evangelische Jugendsozialarbeit) von der Teilinitiative “Jugendsozialarbeit macht mobil” hob hervor, dass es besonders wichtig sei, das Führungspersonal bei den Trägern zur Weiterbildung ihrer Mitarbeiter zu motivieren und verwies auf das im Rahmen der Initiative entstandene Handbuch für den Fachkräfteaustausch (mehr dazu auch im JiVE-Rückblick auf dem Jugendhilfetag).

Podiumsdiskussion über die jugendpolitische Bilanz von JiVE

Über die jugendpolitische Bilanzierung der Initiative diskutierten Hetav Tek (Deutscher Bundesjugendring), Michael Fähndrich (BAG Evangelische Jugendsozialarbeit e.V), Christa Markl-Vieto (Bezirksstadträtin Steglitz-Zehlendorf), Bärbel Lörcher-Straßburg (Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration) und Albert Klein-Reinhardt (Referent für europäische und internationale Jugendpolitik beim BMFSFJ).

“Ämter und Projektarbeit! Das ist eine echte Herausforderung. So ein Amt ist ja wirklich eine Institution”, spaßte Christa Markl-Vieto: “Rechnungen aus Griechenland bekommen sie entweder gar nicht, oder eben nur in Griechisch. Und selbst wenn, erfüllen sie oft nicht die Anforderungen deutscher Behörden. Da brauchen Sie sehr, sehr viel Geduld”, so Markl-Vieto weiter. Sie forderte eine Vereinfachung der Antragsprozesse: “Es kann nicht sein, dass sich praktisch zwei von fünf Mitarbeitern zwei Jahre vor Ende einer Maßnahme ausklinken müssen, um Folgeanträge auszuarbeiten. Wenn ich mir die Formulare angucke, kann ich schlicht nicht verstehen, was da von uns überhaupt verlangt wird.” Eine Aussage für die es im Saal spontanen Applaus gab.  

Hetav Tek pflichtete Markl-Vieto bei und betonte, dass die oft ehrenamtlichen Jugendverbände es noch schwerer hätten, bei diesen Anträgen ihre Förderungen sicherzustellen. Ihnen fehlen oft die Mittel, die hohen Ziele zu erfüllen. Albert Klein-Reinhardt entwarnte. Zumindest im Rahmen des Kinder- und Jugendhilfeplans des Bundes werde bereits an einer Vereinfachung der Antragstellung gearbeitet, die Problematik sei im Ministerium bekannt.  

Bärbel Lörcher-Straßburg zog für Niedersachsen eine positive Bilanz. Auch um die internationale Jugendarbeit im Bundesland zu verbessern, habe man eine Zukunftskonferenz veranstaltet und sie - was sehr wichtig gewesen sei - über eineinhalb Jahre gemeinsam mit vielen Akteuren vorbereitet. “Im Land Niedersachsen wird es auch jetzt weitergehen. Die wichtigste Erkenntnis für uns ist die Notwendigkeit der ressortübergreifenden Arbeit. Das hört sich sehr banal und bekannt an, ist aber sehr wichtig”, so Lörcher-Straßburg. “Mobilitätskonten” und ein “Recht auf Mobilität” waren kreative Ideen der Jugendlichen auf den Zukunftskonferenzen. Enttäuscht sei sie, dass sich die Bildungsminister der Länder bei der Anerkennung der non-formalen Bildung weiter querstellen: “Da dürfen wir aber nicht aufgeben!”

Arbeitsgruppen zu Fragen der Europäisierung/Internationalisierung

In Arbeitsgruppen diskutierten die Teilnehmenden über Herausforderungen und Chancen in verschiedenen Themenfeldern sowie Fragen zu einer verstärkten Implementierung der Internationalen Jugendarbeit in der Kinder- und Jugendhilfe:

  • Die Arbeitsgruppe „Diversitätsbewusste Ansätze in der Internationalen Jugendarbeit“ diskutierte die Entwicklung vom interkulturellen Lernen hin zu einem diversitätsbewussten Ansatz in der Internationalen Jugendarbeit. Wichtige Elemente wie die Subjektorientierung, Vielfalt als Ressource und die Selbstreflexion von Haltung wurden ebenso wie die Möglichkeiten und Angebote des im Rahmen von JiVE entwickelten DIVE-Netzwerks (Teilinitiative „Diversitätsbewusste Internationale Jugendarbeit“) besprochen.
  • Die Arbeitsgruppe „Träger- und sektorübergreifende neue Partnerschaften und Netzwerke“ suchte Antworten auf mögliche Kooperationen mit Trägern wie Schule, ARGE, Jobcenter und Wirtschaft. Dazu wurden einzelne gute Beispiele genannt. Als Herausforderung wurde parallel zu der Schaffung von Good-Practice-Beispielen vor Ort eine Flankierung von zentraler Ebene gesehen (z.B. durch das BMFSFJ). Auch die Idee einer Strategiekonferenz zur sektorübergreifenden Zusammenarbeit entstand.
  • Das Ziel einer „Implementierung der Internationalen Jugendarbeit als integraler Bestandteil in allen Feldern der Kinder- und Jugendhilfe“ problematisierte eine dritte Arbeitsgruppe. Als wichtige Herausforderungen hierfür wurden die Schaffung einer koordinierenden Stelle im Jugendamt, die politische Unterstützung und die Einbeziehung in den Kinder- und Jugendförderplan bzw. in die Jugendhilfeplanung genannt.
  • Eine in allen Teilinitiativen von JiVE präsente Frage ist die der „Sichtbarmachung der Internationalen Jugendarbeit/ Jugendmobilität“. Bei dieser Arbeitsgruppe ging es sowohl um Fragen von Kompetenznachweisen als auch um die Sicherung politischer Unterstützung und die Erreichung neuer Zielgruppen.
  • Auch im Rahmen der Teilinitiative Jugendsozialarbeit macht mobil ist das Thema Übergang von Bedeutung und wurde in der fünften Arbeitsgruppe „Mobilität und Gestaltung des Übergangs Schule – Beruf“ bearbeitet. Kooperation und Vernetzung sind hier ebenso wichtige Stichworte wie ausreichende finanzielle Mittel und die Darstellung des gegenseitigen Mehrwerts für Betriebe und andere Partner.

Dass JiVE auf einem guten Weg ist, nachhaltig weiter zu wirken, zeigt sich auch an der AG Jugendberufhilfe goes International“. Diese hat sich im Rahmen von Kommune goes International auf Initiative mehrerer Kommunen gegründet.

Perspektiven von JiVE

Albert Klein-Reinhardt (BMFSFJ) bedankte sich abschließend für das gezeigte Engagement: “Auch ich nehme hier Anregungen für die Bundesebene mit”. Er betonte, wie wichtig es sei, für Jugendliche und Fachkräfte Zugänge zur internationalen Jugendarbeit zu schaffen und nachhaltig zu verankern und wies darauf hin, dass dies vor allem auf kommunaler Ebene gelingt. Der Bund kann durch Vernetzung unterstützen, Modelle in den Regionen fördern und für andere nutzbar machen. Er erinnerte auch daran, dass besonders die Kommunen gefordert seien, sich in die Europäische Jugendstrategie einzubringen. JiVE werde ein wichtiger Faktor für die kommende nationale Mobilitätsstrategie sein.

Quelle: IJAB - Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland

INT 3.0 – Namensnennung – nicht kommerziell – keine Bearbeitung CC BY-NC-ND 3.0

Info-Pool

EU-Jugendstrategie: Umsetzung in Deutschland

  • EU-Jugendstrategie 2019 - 2027
    Europaflagge vor blauen Himmel
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    Mit der EU-Jugendstrategie legen die Mitgliedsstaaten der EU die Eckpunkte ihrer jugendpolitischen Zusammenarbeit bis zum Jahr 2027 fest. Der Rat hat die EU-Jugendstrategie am 26. November 2018 unter dem Titel „Entschließung des Rates der Europäischen Union und der im Rat vereinigten Vertreter der Regierungen der Mitgliedsstaaten über einen Rahmen für die jugendpolitische Zusammenarbeit in Europa: Die Jugendstrategie der Europäischen Union 2019-2027“ beschlossen.

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  • Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland
    Wehende Deutschlandfahne vor blauem Himmel
    mwillms - flickr.com

    Gemäß der föderalen Struktur der Bundesrepublik Deutschland sind sowohl der Bund als auch die Länder für die Umsetzung der EU-Jugendstrategie zuständig. Hierfür ergreifen Bund und Länder in ihren jeweiligen Zuständigkeitsbereichen Maßnahmen unter Einbezug der Akteure der Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit und des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes sowie junger Menschen selbst.

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  • EU-Jugenddialog
    Logo des EU-Jugenddialogs
    © DBJR

    Junge Menschen haben das Recht, bei Entscheidungen, die ihr Leben betreffen, gefragt und einbezogen zu werden. Das gilt auch für die europäische Ebene. Die Beteiligung Jugendlicher an der Umsetzung der EU-Jugendstrategie geschah bis Ende 2018 im Rahmen des sogenannten Strukturierten Dialogs mit der Jugend. Seit 2019 heißt der Strukturierte Dialog nun EU-Jugenddialog.

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  • Youth Goals – Europäische Jugendziele
    Gelbes Logo der Youth Goals mit schwarzer Schrift
    Mireille van Bremen

    Die Youth Goals sind in die EU-Jugendstrategie 2019-2027 eingeflossen und damit in den Rahmen für die jugendpolitische Zusammenarbeit in Europa. Verantwortliche aus Politik und Verwaltung auf allen Ebenen sollen die Ziele als Anregung nutzen, um Politik im Sinne junger Menschen zu gestalten.

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  • Mehr Europa in der deutschen Kinder- und Jugendhilfe
    fünf Hände formen einen Stern
    © tbel - Fotolia.com

    Eine der vorrangigen Zielsetzungen der Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland ist es, mehr Europa in die Kinder- und Jugendhilfe zu bringen. Mehr Europa bedeutet, die alltägliche Arbeit in den Handlungsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe europäisch zu denken, zu verstehen und auszugestalten. In der Praxis gibt es bereits vielfältige europäische und internationale Projekte sowie transnationale Arbeitsansätze. Die Erfahrungen zeigen, dass dies eine Bereicherung für die Jugendhilfe darstellt. Der fachliche Mehrwert einer stärkeren europäischen Ausrichtung soll daher kommuniziert und beispielhaft vermittelt werden.

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Videos zur EU-Jugendstrategie

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