EU-Jugendstrategie / Kinder- und Jugendarbeit

Internationale Jugendarbeit auf dem Land: Akteure und Herausforderungen am Beispiel Brandenburgs

Junge sitzt auf Koffer auf Feldweg
Bild: © esthermm - Fotolia.com

Internationale Jugendarbeit ist in vielen kreisabhängigen Kommunen wieder verstärkt ein Thema. JUGEND für Europa traf in Potsdam die Projektarbeitsgruppe "Strategien zur Förderung der grenzüberschreitenden Jugendmobilität" mit fünf engagierten Kreisen bzw. kreisangehörigen Kommunen.

Aktuell beschäftigt sich die Arbeitsgruppe mit der Frage, gemeinsam mit europäischen Partnerkommunen, eine Strategische Partnerschaft zum Austausch guter Praxis im Programm Erasmus+ JUGEND IN AKTION zu beantragen. Die Strategische Partnerschaft böte die Chance, die unterschiedlichen Ausprägungen internationaler Jugendarbeit auf kommunaler Ebene im europäischen Vergleich zu ermitteln und voneinander zu lernen, mit welchen Mitteln sie ausgeweitet und vorangebracht werden kann. Das konkrete Thema der Strategischen Partnerschaft soll zusammen mit den europäischen Partnern festgelegt werden.

Das Land Brandenburg hat ein Personalkostenförderprogramm für Jugendarbeit, adressiert an die Landkreise, aufgelegt. Viele Kommunen sind bereit, die geforderte Eigenfinanzierung aufzubringen und koppeln dabei Jugendarbeit und Sozialarbeit bzw. Sozialarbeit an Schulen. So sei, unterstrichen die Mitglieder der Projektarbeitsgruppe, das Interesse an grenzüberschreitenden Maßnahmen in den Kommunen wieder gewachsen.

Brandenburg fördert seit drei Jahren die Arbeit dieser Arbeitsgruppe, finanziert eine begleitende Beratung und ist als Ministerium der "Motor" der Netzwerkarbeit. Im Rahmen des Treffens mit JUGEND für Europa stellten die Teilnehmer den aktuellen Stand der Entwicklung der internationalen Jugendarbeit in ihren Kommunen vor. Daraus ergab sich ein interessanter Überblick über konkrete Herausforderungen und beteiligte Akteure, mit von Kommune zu Kommune sehr unterschiedlichen Chancen und Hindernissen.

Allerdings gibt es auch Hindernisse: Einige Bürgermeister betrachteten die eingangs erwähnten Stellenanteile als Teil des kommunalen Stellenplans und nutzen die Fachkräfte der Jugendarbeit auch für andere Aufgaben. Trotzdem schlossen sich beispielsweise in einem Landkreis Jugendarbeiter aus verschiedenen Kommunen zu einem planregionübergreifenden Netzwerk zusammen und führen mit vereinten Kräften ein großes internationales Jugendfestival über 7 Tage und mit Teilnehmern aus 6 Ländern durch.

Grenzüberschreitende Willkommenskultur

In einer kleinen Kreisstadt an der Oder stellt sich die Situation etwas anders dar. Dort gibt es eine sehr aktive Initiativgruppe von Jugendlichen mit guten Kontakten nach Polen und der selbstverständlichen flussübergreifenden Nutzung von Angeboten und Aktivitäten sowie dem aktiven Zugehen auf junge Flüchtlinge und ihre Beteiligung an lokalen Aktivitäten. Die Jugendlichen sind in dieser Kommune Multiplikatoren der Zukunft in Sachen "Mobilität im Kopf und im Raum". Um die Initiativen zu stärken ist eine Stellenausweitung im Bereich der Jugendpflege möglich, allerdings fehlt es an geeigneten Bewerbern für die Kommune im abgelegenen Oderbruch.

Ein anderer Landkreis - ebenfalls an der Grenze zu Polen - eine andere Situation. Die internationale Arbeit und Jugendarbeit wird auf der Dezernentenebene hoch gehandelt, es gibt kreisübergreifend zwei Fachkräfte für Internationales, es gibt kommunale Mittel für die Förderung internationaler Jugendbegegnungen, der Förderbereich soll 2017 aufgestockt werden, die Jugendverwaltung ist aktiv. Zugleich werden die Mittel von den Trägern aber nicht konsequent abgefragt. Die Gründe für die Zurückhaltung sind unterschiedlich, so schaffen es Verwaltung oder kleine Träger vor Ort derzeit nicht, über "ihre" Dorfgrenzen hinauszuschauen. Ziel ist hier zunächst, zwei Träger davon zu überzeugen, sich als Vorbild für andere international auf den Weg zu machen. Über allem steht die Frage, wie in diesem Landkreis eine nachhaltige Kultur internationaler Arbeit im Jugendbereich verankert werden kann.

Jugendliche sind weiter

Zusammenfassend kann festgehalten werden: Kommunale Strukturen sind kleinteilig und sehr von Personen abhängig. Die Kreisjugendämter sind oft weit weg. Einfallstore für internationale Jugendarbeit und europäische Impulse müssen vor Ort definiert und genutzt werden. Und oft sind Jugendliche in Sachen grenzüberschreitende Mobilität weiter als die Träger und Akteure, die ihnen eigentlich internationale Wege öffnen sollten. In jedem Fall bietet die landesweite Vernetzung der in den Landkreisen international tätigen Akteuren eine zusätzliche Chance, dass internationale und europäische Arbeit vor Ort gelingen kann.

Quelle: JUGEND für Europa

INT 3.0 – Namensnennung – nicht kommerziell CC BY-NC 3.0

Info-Pool

EU-Jugendstrategie: Umsetzung in Deutschland

  • EU-Jugendstrategie 2019 - 2027
    Europaflagge vor blauen Himmel
    © moonrun - fotolia.com

    Mit der EU-Jugendstrategie legen die Mitgliedsstaaten der EU die Eckpunkte ihrer jugendpolitischen Zusammenarbeit bis zum Jahr 2027 fest. Der Rat hat die EU-Jugendstrategie am 26. November 2018 unter dem Titel „Entschließung des Rates der Europäischen Union und der im Rat vereinigten Vertreter der Regierungen der Mitgliedsstaaten über einen Rahmen für die jugendpolitische Zusammenarbeit in Europa: Die Jugendstrategie der Europäischen Union 2019-2027“ beschlossen.

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  • Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland
    Wehende Deutschlandfahne vor blauem Himmel
    mwillms - flickr.com

    Gemäß der föderalen Struktur der Bundesrepublik Deutschland sind sowohl der Bund als auch die Länder für die Umsetzung der EU-Jugendstrategie zuständig. Hierfür ergreifen Bund und Länder in ihren jeweiligen Zuständigkeitsbereichen Maßnahmen unter Einbezug der Akteure der Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit und des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes sowie junger Menschen selbst.

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  • EU-Jugenddialog
    Logo des EU-Jugenddialogs
    © DBJR

    Junge Menschen haben das Recht, bei Entscheidungen, die ihr Leben betreffen, gefragt und einbezogen zu werden. Das gilt auch für die europäische Ebene. Die Beteiligung Jugendlicher an der Umsetzung der EU-Jugendstrategie geschah bis Ende 2018 im Rahmen des sogenannten Strukturierten Dialogs mit der Jugend. Seit 2019 heißt der Strukturierte Dialog nun EU-Jugenddialog.

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  • Youth Goals – Europäische Jugendziele
    Gelbes Logo der Youth Goals mit schwarzer Schrift
    Mireille van Bremen

    Die Youth Goals sind in die EU-Jugendstrategie 2019-2027 eingeflossen und damit in den Rahmen für die jugendpolitische Zusammenarbeit in Europa. Verantwortliche aus Politik und Verwaltung auf allen Ebenen sollen die Ziele als Anregung nutzen, um Politik im Sinne junger Menschen zu gestalten.

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  • Mehr Europa in der deutschen Kinder- und Jugendhilfe
    fünf Hände formen einen Stern
    © tbel - Fotolia.com

    Eine der vorrangigen Zielsetzungen der Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland ist es, mehr Europa in die Kinder- und Jugendhilfe zu bringen. Mehr Europa bedeutet, die alltägliche Arbeit in den Handlungsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe europäisch zu denken, zu verstehen und auszugestalten. In der Praxis gibt es bereits vielfältige europäische und internationale Projekte sowie transnationale Arbeitsansätze. Die Erfahrungen zeigen, dass dies eine Bereicherung für die Jugendhilfe darstellt. Der fachliche Mehrwert einer stärkeren europäischen Ausrichtung soll daher kommuniziert und beispielhaft vermittelt werden.

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Videos zur EU-Jugendstrategie

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