Digitalisierung und Medien / Kinder- und Jugendschutz

Was Pornografie mit Kindern macht: KJM für mehr Jugendschutz im Netz

Die Jugendschutz-Relevanz von pornografischen Inhalten ist ein derzeit viel diskutiertes Thema: Seit der stern 2007 in dem Artikel „Voll Porno“ das düstere Bild einer Generation Jugendlicher beschrieben hat, die wegen ihres praktisch unbegrenzten Zugangs zu Pornografie im Internet in die sexuelle Verwahrlosung abdriftet, greifen immer mehr Medien das Thema auf. Zu Recht - oder nur um eine „gute Geschichte“ zu haben?

Das war Thema des Panels der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) im Rahmen der MEDIENTAGE MÜNCHEN.

Die KJM ist - als zentrale Aufsichtsinstanz für privaten Rundfunk und Telemedien - in ihrem Prüfalltag täglich mit Pornografie konfrontiert. Besonders, was das Internet betrifft: Im Bereich Telemedien hat sich die KJM seit ihrer Einrichtung im Jahr 2003 mit mehr als 1.750 Fällen befasst. Die Folgen der zunehmenden Verfügbarkeit von Pornografie thematisierte Verena Weigand, die Leiterin der KJM-Stabsstelle, in ihrem einleitenden Impulsreferat: „Zu analogen Zeiten war Pornografie nur unter dem Ladentisch oder über Videotheken erhältlich. Man musste also sein Interesse eindeutig artikulieren. In digitalen Zeiten dagegen pornografiert sich der Alltag mit einer ganz anderen Selbstverständlichkeit. Das hat aus Sicht der KJM eine äußerst fragwürdige Folge: Pornografie wird gesellschaftsfähig“, so eine ihrer Thesen. Man müsse von der Annahme ausgehen, dass Pornokonsum - oder beispielsweise auch der Konsum von Porno-Rap - negative Auswirkungen auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen haben könne: „Es besteht ein extrem hoher Handlungsbedarf - gerade in Bezug auf den Jugendschutz im Netz.“

Anders sah das der Leipziger Soziologe und Sexualwissenschaftler Prof. Dr. Kurt Starke: „Man kann nicht sagen, wenn einer auf Pornos steht, wird er automatisch versaut. Wer so argumentiert, unterschätzt die Souveränität von Kindern und Jugendlichen.“ Auch Prof. Dr. Petra Grimm, die in ihrer Studie „Gewalt im Web 2.0“ auch den Pornografiekonsum von Kindern und Jugendlichen erforscht, kann keine „monokausale Wirkung von Pornografie“ feststellen. Sie sieht aber eine andere Problematik: „Kinder werden durch Pornografie mit Dingen konfrontiert, die sie - aufgrund ihrer noch nicht vorhandenen sexuellen Erfahrung - noch nicht einordnen können: Sie wissen nicht, ob das Gezeigte der Realität entspricht.“ Außerdem habe sie bei jungen Pornografienutzern vielfach ein „rückwärtsgewandtes Geschlechterrollenbild“ feststellen können.

Rechtsanwalt Marko Dörre, dessen Mandanten Anbieter von Pornografie sind, vertrat die Auffassung: „Keiner kann verhindern, dass Pornografie im Netz zunimmt. Deshalb sollte man nicht über Verbote für Kinder und Jugendliche diskutieren, sondern Eltern und Pädagogen in die Verantwortung nehmen. Die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) geht da mit ihrer Beteiligung am neuen Medienführerschein einen Schritt in die richtige Richtung.“

Das konnte der KJM-Vorsitzende Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring, der gleichzeitig Präsident der BLM ist, so nicht stehen lassen: „Medienpädagogik ist wichtig. Aber sie kann den gesetzlichen Jugendschutz keinesfalls ersetzen. Aus der Tatsache, dass es schwierig ist, Regelungen im Internet durchzusetzen, darf man nicht den Schluss ziehen, es dann ganz zu lassen. Damit würden wir alle gesellschaftlichen Wertvorstellungen aufgeben. Dem widerspreche ich ganz entschieden.“

Quelle: MEDIENTAGE MÜNCHEN

 

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