Digitalisierung und Medien / Kinder- und Jugendarbeit

Was nur Kunst kann – BKJ-Fachtagung über das Besondere des Lernens mit und in den Künsten

Volles Haus: Rund 200 Interessierte sind am Freitag zur BKJ-Fachtagung „KÜNSTE – SINNE – BILDUNG“ in die Akademie Remscheid gekommen, um in Erfahrungsräumen, Gesprächsrunden und Vorträgen der Kernfrage der Kulturellen Bildung auf den Grund zu gehen: „Wie gelingt ästhetisches Lernen?“

Remscheid, 05.10.2012. Grundlage dafür bieten Impulse von Künstler/-innen, Expert/-innen und Praktiker/-innen aus verschiedenen künstlerischen Sparten, die sich jeweils auf konkrete Kontexte kultureller Bildungspraxis beziehen. Dabei sind nicht nur ästhetische Lernprozesse in formalen Settings, z. B. in der Schule, oder non-formalen Angeboten, z. B. in der Jugendtheaterwerkstatt, im Blick, sondern auch solche in informellen, also offenen Kontexten, z. B. im selbst organisierten Bandprojekt.

„Ästhetisches Lernen in der Kulturellen Bildung knüpft an Neugier, Entdeckerfreude, Beobachtungsgabe, Lust auf das Unbekannte und Empathiefähigkeit an – an Fähigkeiten also, die Kinder und Jugendliche schon mitbringen“, betonte Gerd Taube, Vorsitzender der BKJ, zum Auftakt der Tagung. Er sagte: „Wir müssen unsere künstlerischen und pädagogischen Standards überprüfen und Veränderungen der Lebenswirklichkeit berücksichtigen. Es kann uns nicht kalt lassen, wenn kaum noch Zeit, Raum und Wertschätzung für forschendes Spiel und Experimente mit offenem Ausgang bleibt; wenn Kinder und Jugendliche in unserer ‚Bildungsrepublik‘ keine unverplante Zeit mehr haben, in der sie selbst entscheiden können, was sie wie, wann und wofür tun. Wir – die Akteure der Kulturellen Bildung – tragen Verantwortung für die Freiräume, in denen sich ästhetisches Lernen entfalten kann!“

Max Fuchs, Präsident des Deutschen Kulturrats und Ehrenvorsitzender der BKJ, erläuterte in seinem Eröffnungsvortrag, „wie das Ästhetische hilft, die Welt und sich selbst zu verstehen“. Fuchs sagte: „Die Pädagogik entdeckt zur Zeit die alte Erkenntnis neu, dass der Mensch mit allen Sinnen und nicht bloß mit dem Kopf lernt. Das Ästhetische als umfassendes Gestaltungsprinzip eines‚anderen Lernens‘ und der Gestaltung geeigneter Lernumgebungen bietet daher gute Chancen, Lust am Leben und Freude an der Eroberung der Welt zu vermitteln.“

Sibylle Peters vom FUNDUS THEATER in Hamburg lenkte in ihrer Lecture Performance „Verändern lernen“  den Blick auf Forschung als gemeinsame Strategie wissenschaftlicher, künstlerischer und kindlicher Weltzugänge: „Forschung braucht den Wunsch nach dem, was noch nicht ist, was man nicht hat, was man nicht kann. Forschung braucht aber auch den Widerstand des Realen, braucht den Unterschied zwischen Gelingen und Scheitern, Bewegung und Stillstand.“ Sie betonte aber auch: „Weil die Forschungsinteressen verschieden sind und weil wir das respektieren, geht es nicht in erster Linie darum, dass der eine dem anderen etwas beibringt.“

Kulturelle Bildungspraxis zielt auf Auseinandersetzung. Sie soll junge Menschen befähigen, sich in unterschiedlichen Lebenswelten zu behaupten, mit Widersprüchen konstruktiv umzugehen und ein individuelles Lebenskonzept zu entwickeln. Kulturelle Bildung lässt sich als ein Handlungsfeld beschreiben, in dem die Alltags- und Lebenserfahrungen von Kindern und Jugendlichen der Ästhetik und der Kunst begegnen. Wie aber entsteht in dieser Begegnung ästhetisches Lernen? Wie können wir künstlerischen Prozessen in formalen Bildungszusammenhängen Raum geben? Wie geht ästhetisches Lernen in einer digitalen Welt? – Diese und viele weitere Fragen werden noch bis Samstagabend für intensive Debatten sorgen. Für diejenigen, die nicht dabei sein können, wird die BKJ im Internet und in ihrem Magazin KULTURELLE BILDUNG Texte, Bilder und Filme zur Tagung veröffentlichen.

Website zur Tagung: fachtagung2012.bkj.de

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